Selbstbefriedigung – auch etwas für Frauen??

Mit Erstaunen stelle ich immer wieder fest, dass nach wie vor  anscheinend viele Frauen keine Selbstbefriedigung machen bzw. auch nie gemacht haben! Das ist sehr schade – denn damit entgeht den Frauen das Wissen um den eigenen Körper und oft auch die Wege, die für sie zu einem Orgasmus führen.
Eigene Sexualität? Anscheinend für viele immer noch ein Fremdwort.
Manche erwarten dann auch von ihren männlichen Partnern, dass die sich genauso beschränken sollten in ihrer Sexualität ausschließlich auf den Partnersex. Masturation von Männern wird als eklig empfunden und womöglich auch als Verrat. Eine Form der Untreue wie das Anschauen von Pornopgrafie. Das ist nicht nur bei älteren Frauen der Fall sondern auch bei jungen.
Offensichtlich haben etliche Frauen nach wie vor keinen Bezug zu ihrem Körper „da unten“. Sie wissen nicht, wie er aussieht, nicht, wie er riecht und nicht wie er auf welche Berührungen steht. Auch aus diesem Grund – der Unkenntnis und der Abwehr – nehmen Frauen ungern ein Diaphragma zur Verhütung. Denn da müssten sie sich ja anfassen.
Auf das Thema bin ich wieder gestoßen über einige Beratungen der letzten Zeit und über einen Blick in das Buch von Nancy Friday: Befreiung zur Lust von 1991. Sie schreibt auf S. 61: „Die Fähigkeit, uns selbst zum Orgasmus zu bringen, macht uns sexuell unabhängig. So schön es ist, einen Partner zu haben, so wichtig ist es zu wissen, dass wir ihn für unser sexuelles Vergnügen nicht unbedingt brauchen. Die Fähigkeit, uns selbst zum Orgasmus zu bringen, ist die sexuelle Entsprechung der Fähigkeit, unsere Miete selbst zu bezahlen“

Abschiede, 2. Teil

Bei diesem Thema habe ich zurück gegriffen auf das Buch von Verena Kast: Loslassen und sich selber finden. Ich hatte es dereinst gekauft (erschienen 1990) um mich schon einmal mit Abschieden auseinanderzusetzen: dem Abschied von den Kindern, die das Nest verlassen. War dann gar nicht so schwer wie gedacht. Denen geht es gut – mir geht es gut! Und vor allem: wir sehen uns nach wie vor in neuer Freundschaft regelmäßig!

Jetzt steuere ich auf den Abschied vom berufstätigen Leben hin. Ich muss mich von meinem „Baby“ verabschieden – das ich selber in die Welt gesetzt habe mit vielen Schwierigkeiten, Rückschlägen, Höhen und Tiefen, Sorgen und Ängsten.

Natürlich ist die Frage: wann ist der richtige Zeitpunkt? Darüber denke ich schon fast ein Jahr lang nach.

Aber wichtiger ist die Frage: wie damit umgehen? Frau Kast schreibt: „Abschied nehmen will gelernt sein. Die Emotion, die uns hilft, Abschied zu nehmen, Verluste aufzuarbeiten, das ist die Trauer.“ Und weiter: „Das Erleben dieses Gefühls, das Zulassen dieses Gefühls bewirkt, daß wir in einen Trauerprozess eintreten, einen Entwicklungsprozess, durch den wir langsam – und sehr schmerzhaft – lernen, den Verlust zu akzeptieren und ohne den Menschen oder das Gut, das wir verloren haben, uns wieder neu auf das Leben einzulassen“ (s. 19)

Das klingt vielleicht etwas überhöht – schließlich ist ja niemand gestorben und auch niemand für immer weggegangen – aber es ist eben doch ein entgültiger Abschied. Etwas, das dann 16 lange Jahre so sehr im Mittelpunkt gestanden hat hinterlässt ja doch eine große Lücke.

Es gilt, sich auf die eigene Identität zu besinnen: was bin ich ohne meine Arbeit? Was ist für mich wichtig? Was gilt? Was kann (noch) gelebt werden? Denn das Leben ist nun mal endlich – die Zukunft ist deutlich kürzer als die Vergangenheit. Das Altwerden bringt zunehmende Einschränkungen mit sich – es stehen weniger Möglichkeiten offen. Ein erfülltes Leben ist aber sehr wohl möglich! Davon bin ich fest überzeugt.

Wie das aussehen kann – was ich beobachtet habe auch bei anderen – was ich mir selkber vorstelle – davon bei der Fortsetzung.

Abschiede

Ab einem bestimmten Alter beginnt verschärft das Thema Abschied nehmen in den Fokus zu rücken: Abschied von den Eltern, die krank werden und sterben, Abschied von den Kindern, die ausziehen und ihr eigenes Leben führen – auch, wenn wir uns weiter mit ihnen eng verbunden fühlen, falls es gut geht – Abschied von der Jugend (schon früher!), der Fruchtbarkeit in den mittleren Jahren, der robusten Gesundheit, der hohen Belastbarkeit und schnellen Auffassungsgabe (naja – sehr unterschiedlich bei den Menschen), der Berufstätigkeit.

Wie kann man damit umgehen? Nicht nur traurig und negativ mit der Frage: „Was geht noch“? Oder: „Was geht nicht mehr“? Gibt es neue Welten,die sich auftun könnten? Wann fange ich damit an, mich danach umzuschauen, damit ich nicht in ein tiefes Loch falle nach einem solchen Abschied?

Mit diesem Thema möchte ich mich in der nächsten Zeit intensiver beschäftigen, weil auch für mich demnächst wieder ein wichtiger Abschied anliegt. D.h., er ist schon seit fast einem Jahr im Gang – aber da ich ja selber entscheiden kann habe ich keine Eile und bin dabei heraus zu finden, wann der richtige Zeitpunkt kommt.

Ich bin ja auch mit anderen meiner Alterskohorte im Gespräch und höre, wie sie mit dem Thema Abschiede umgehen. Das ist schon sehr unterschiedlich. Die einen können es nicht erwarten, z.B. mit der Berufstätigkeit aufzuhören oder auch, dass die Kinder endlich ausziehen und das Paar wieder seine Ruhe hat. Manche haben erst mal keine Ahnung, was sie machen wollen danach – viele sind ja durchaus fit und mobil – und lassen es entspannt auf sich zu kommen. Andere suchen sich sofort aktiv Beschäftigung aus Furcht, sonst nur noch vor dem Fernseher zu liegen und zu vereinsamen. Einige wenige setzen sich offen mit dem Altwerden und letzten Dingen auseinander, schreiben eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. andere wollen von diesen Theman überhaupt nichts wissen und schieben sie weg.

Warum soll man nicht auch ohne Ehe keinen Sex haben können??

Die Autorin Katja Berlin schrieb kürzlich über das heutige Dating, das mittlerweile üblich ist statt der klassischen Beziehungsanbahnungen z.B. mittels Zeitungsanzeige oder Kuppeleien durch die „besten“ Freunde. Sie schrieb, der vergangene Monat Februar sei kurz, unangenehm, kalt und man sei froh, wenn er vorbei sei. Ebenso verlaufe meistens das Dating. Dann doch lieber mit der besten Freundin, dem liebsten Kumpel ins Kino oder in die Sauna! Und überhaupt werde das Single-Dasein maßlos unterschätzt! Vor allem wenn man es vergleiche mit den Berichten frustrierter (Ehe-)partnerInnen – siehe Überschrift! – die auch nach 3 Gin-Tonics oftmals gestehen, dass auch eine feste diese Institution nicht immer unbedingt ein Glücksgarant sei!

Ja – es wundert mich, dass tatsächlich anscheinend immer noch der oder die Single Sorge haben muss für defizitär und bemitleidenswert gehalten zu werden! Aber die alberne Werbeshow, die derzeit auf Plakatwänden zu sehen ist, führt bei mir auch nur zum Kopfschütteln: nicht alle Singles sind jung und hip und abenteuerlustig. Singles haben Kinder, sind alleinerziehend oder auch alt oder /und verwitwet. Und können sich außerdem oft die horrenden Mieten nicht leisten – wie Frau Berlin sehr richtig schreibt! Singles können sich auch einsam fühlen – womit sie sich aber auch nicht immer von Paaren unterscheiden, deren Beziehungen gerade im tiefen Tal stecken.

Deshalb werbe ich immer dafür, sich gute alte oder neue Freunde und Freundinnen warm zu halten – auch wenn Sie gerade oder auch dauerhaft ganz fest und happy in einer Beziehung stecken. Gute Freunde werden immer gebraucht und sind eben auch eine gute Adresse, wenn Sie gerade jemanden zum Ausheulen brauchen. Sie sind aber in allen Lebenslagen wichtig und manches Mal beständiger als so manche Ehe. Haben Sie gute Freunde dann müssen Sie auch nicht alles von Ihrer Partnerin erwarten – womit die dann womöglich auch überfordert wäre. Auch so ein modernes Phänomen.

Klappt’s?

Endlich mal wieder ein richtig gutes praktisches und nichtesoterisches Buch gegen den „Penisfrust“!
Michael Sztenc hat es geschrieben mit dem Untertitel: Vom Leistungssex zum Liebesspiel – ein Übungsbuch für Männer
Es gibt etliche Bücher und Ratgeber zum Thema Männlichkeit und auch männliche Sexualität. Manche sind auch richtig gut wie der Klassiker von Bernie Zilbergeld. Bei vielen aber muss man lange suchen, bis sich wirklich praktische Antworten auf aktuelle und drängende Fragen finden lassen. Viele haben auch einen starken esoterischen Touch – der ja nicht jedermanns Sache ist. Überhaupt ist das Lesen dicker Bücher nicht jedermanns Sache. Michael Sztenc‘ Buch merkt man an, dass er jahrelang in der praktischen Beratungsarbeit bei pro familia tätig war und nicht nur in der therapeutischen Arbeit. Dadurch ist seine Herangehensweise erfrischend lebensnah und gut verständlich – gerade für nicht professionelle Leser.

Prosit Neujahr!

100 Jahre Frauenwahlrecht – 110 Jahre, seit Frauen an Universitäten studieren dürfen, 125 Jahre, seit das erste Mädchen auf ein Gymnasium gehen konnte.

60 % der Eltern mit Kindern unter drei Jahren möchten sich zu gleichen Teilen in Familie und Beruf einbringen.
14 % der Eltern mit Kindern unter drei Jahren bringen sich zu gleichen Teilen in Familie und Beruf ein.

Beides zitiert aus der Frankfurter Rundschau vom 07.12.2018 in der Beilage „Das Jahr der Frauen“.

Wünsche und Wirklichkeit liegen demnach immer noch weit auseinander. Aber das Wünschen ist ja auch ein starker Motor der Veränderung! Solange es keine Wünsche gibt, etwas am Status Quo zu verändern – woher soll dann der Impuls kommen? Für manches braucht es eben wirklich dicke Bretter, die geduldig weiter gebohrt werden müssen. Solche gesellschaftlichen grundsätzlichen Wandlungen von kulturell in vielen Jahrtausenden erworbenen Verhaltensmustern gehen nicht über Nacht.

Wenn wir das an uns selbstkritisch beobachten, dann können wir hoffentlich sowohl mit uns als auch mit anderen mehr Geduld haben. Hauptsache wir arbeiten dran!

Großelternsein? Wie?

Mehrmals in diesem Jahr hatte ich mit Paaren zu tun, die unter ihren Schwiegereltern litten. D.h., als Eltern waren diese Großeltern völlig „normal“: Meist finden wir ja die eigenen Eltern völlig normal – schon, weil wir andere Eltern oft nur aus der Entfernung kennen. Aber auch, weil wir schließlich in DIESER Familie aufgewachsen sind und die Regeln, Abläufe, das Konfliktverhalten etc. aus dem Effeff kennen.
Jetzt kommt dann aber der Lebensgefährte dazu. Dieser erhält auch tiefen Einblick in das Geschehen der angeheirateten Familie – bringt aber einen anderen Blick mit – nämlich den aus der eigenen völlig „normalen“ Familie. Schon das gibt manchmal erstaunliche Erkenntnisse für den/die andere!

Oftmals geht alles soweit einigermaßen gut- mehr oder weniger. Dann aber der große Einschnitt: in der Lebensgemeinschaft der Kinder kommt das erste Kind auf die Welt: Jetzt kommt es drauf an: wie stellt sich die Schwiegerfamilie zur neuen Kleinfamilie? Und die Schwiegertochter/der Schwiegersohn bringt  ganz eigenen Vorstellungen mit in die Beziehung, welche Grundsätze es geben soll für das Verhalten gegenüber den Kindern. Das Paar hat die Aufgabe, einen gemeinsamen Weg zu finden – d.h., aus den je eigenen Vorstellungen von Familie (die sich sehr unterscheiden können) ein neues gemeinsames Ganzes zu kreieren.

Manchen Eltern bzw Schwiegereltern fällt es sehr schwer, sich bei diesem Thema heraus zu halten: Das eigene gelebte Modell ist eben das „Normale“ – das andere fremd und unverständlich.

Vor allem der verständliche starke Wunsch nach dem Kontakt mit dem Enkelkind nach den eigenen Regeln kann zu Problemen mit dem Schwiegerkind führen. Warum denn keine Süßigkeiten? SO streng muss man ja nun auch nicht sein! Warum nicht immer mal wieder Geschenke machen? Wieso nicht diesen netten Kinderfilm erlauben?

Klar ist es zuviel verlangt für Großeltern, alles genau nach vorschrift zu machen. Kinder lernen schnell, dass anderswo auch andere Regeln gelten. Aber wenn es um Grundsatzfragen geht, dann kann es schwierig werden. Wenn dann immer wieder Wünsche der Eltern missachtet werden, dann können  ernste Konflikte entstehen. Der eigene Sohn oder Tochter kann in Loyalitätskonflikte kommen oder sich als Prellbock oder Dauervermittler fühlen und damit sehr unwohl. Wie schade für alle Beteiligten!

Also Eltern und Schwiegereltern: seid vorsichtig! Die neue Familie entscheidet, was wie laufen soll – nicht ihr! Haltet euch an die Wünsche und Vorstellungen des Paares (und insbesondere der Mutter) wenn ihr einen guten Kontakt behalten wollt!
Auch wenn ihr denkt, dass die Jungen ja spinnen! Lasst sie! Sie haben jedes Recht dazu, ihre eigenen Vorstellungen und Ansichten durchzusetzen! Es sei denn natürlich, es passieren gefährliche Dinge oder ihr beobachtet einen gewalttätigen Umgang mit den Enkeln. Das wäre ein anderer Fall. Da müsstet ihr an das Kindeswohl denken – wie übrigens alle anderen auch.

Sonst aber: raushalten und Respekt zeigen! Ihr seid jetzt in der 2. Linie! Ihr hattet eure Chance, gute Eltern zu sein. Jetzt sind die anderen dran. Lobt sie so oft es geht: junge Eltern sind ja auch oft unsicher. Bietet Unterstützung an – aber drängt euch nicht auf! Und seid nicht beleidigt, wenn es anders läuft, als ihr es euch wünschen würdet. Respektiert auch das Nähe- oder Abstandsbedürfnis der neuen Familie – auch wenn es schwer fällt. Widerstehen Sie der Versuchung über das eigene Kind (Sohn oder Tochter) Einfluss nehmen zu wollen. Damit tragen Sie nur dazu bei, das Paar zu spalten und handeln sich ziemlich sicher viel Ärger ein! Mit einem Ihretwegen streitenden Elternpaar haben Sie Ihrem Enkelkind und sich selbst garantiert keinen Gefallen getan. Und dem soll es doch gut gehen, oder? Und Sie möchten doch den Kontakt auch nicht verlieren.

Aufbruch in die Freiheit

So hiess ein Film, den das ZDF letzte Woche gesendet hat. Es ging um ein Paar, das infolge einer ungeplanten Schwangerschaft in eine massive Krise geriet. Deutlich wurde, wie sehr sich die gesellschaftliche und rechtliche Situation inzwischen geändert hat: Männer können ihren Ehefrauen heute nicht mehr verbieten, einer Berufstätigkeit nachzugehen. Es gibt das Schuldprinzip bei Trennungen nicht mehr. Schwangerschaftsabbrüche sind mit Einschränkungen möglich. Weder die Frauen, noch die Ärztinnen müssen heute jahrelang ins Gefängnis wegen eines Schwangerschaftsabbruches – sofern sie sich an die engen Regeln halten.

Leider gibt es nach wie vor Menschen, die es den Frauen (und damit auch oft den dazugehörigen Männern) so schwer wie möglich machen möchten: sie verbieten als Politiker die Information über Ärzte, sie bauen sich als sogenannte „Lebensschützer“ vor Beratungsstellen auf und spüren ÄrztInnen auf, die über ihr Angebot informieren. Sie verhindern es, dass Ärzte überhaupt Praxisräume finden können. So geschehen in Stuttgart. Und vor allem bemühen sie sich nach Kräften, den Betroffenen ein schlechtes Gewissen zu machen. Sie versenden im Internet erlogene Chats und Informationen, die einfach schlicht falsch sind. Indirekt wünschen sie sich wahrscheinlich die 70er Jahre zurück, wo es noch mit der Gleichberechtigung nicht weit her war. Sie stellen das werdende Kind, in ihren Worten das „Leben“ in den Mittelpunkt – nicht die Frau, die ja allein dieses Leben ans Licht der Welt bringen kann und die immer noch allzu häufig überwiegend dafür sorgt, dass es sich zu einem gesellschaftsfähigen sozialen Individuum entwickeln kann.

Das ist den Abtreibungsgegnern völlig egal.
Darum scheren sie sich nicht. In Frankreich können sie dafür gerichtlich belangt werden, wenn sie das Recht auf Schwangerschaftsabbruch versuchen zu sabotieren – sei es mit Mahnwachen vor ärztlichen Praxen oder Beratungsstellen, sei es mit falschen Informationen im Internet. Das würde ich mir hier auch wünschen!

Herbstgedanken

Der lange, heiße und trockene Sommer ist vorüber. Die einen sind traurig darüber und denken: Endlich mal richtig warm und sonnig; gut für die Seele! Die anderen sorgen sich eher um die Klimaveränderungen und den Stress, den die Dauerhitze für Pflanzen und Tiere bedeutet hat. Beides hat ja seine Richtigkeit. Jetzt jedenfalls kommt die Jahreszeit, in der wir wieder viel Zeit in Haus bzw Wohnung zubringen werden und wir der dort vorherrschenden Atmosphäre weniger gut ausweichen können: dicke Luft? Oha! Da hilft keine Flucht, da hilft nur: den Stier bei den Hörnern packen und das Gespräch suchen. Wo liegt etwas im Argen? Wo muss etwas geklärt werden? Wo sind wir uns fremd geworden? Was brauchst du jetzt? Was brauch ich jetzt? Wann nehmen wir uns Zeit dafür? Hoffentlich haben wir nicht allzu lange aufgeschoben, was mal gesagt werden müsste…… Das macht den Einstieg schwerer. Was sind dabei bewährte „Hausmittel“, die helfen können? Zu den guten Rezepten gehört die richtige Ansprache: d.h., es ist wichtig, nicht mit der Tür ins Haus zu fallen sondern einen günstigen Zeitpunkt zu finden. Es ist oft auch nützlich, vorher anzukündigen, dass es etwas zu besprechen gibt und Ort und Zeit zu vereinbaren. Wahrscheinlich haben alle Beteiligten schon Erfahrungen gemacht damit, was gut ankommt und womit mehr Ärger als nötig erzeugt wird. Bei schwierigen Themen kann es sein, dass nicht gleich eine Lösung gefunden wird oder sich schon viel Frust angesammelt hat. Dann kann es gut sein, das Gespräch nicht allzu lang auszudehnen. Lieber einen Punkt machen und erst mal verdauen. Dann zu einem anderen Zeitpunkt weiter reden. Manche möchten gerne unbedingt abends versöhnt ins Bett gehen können. Was aber, wenn das einfach nicht möglich ist z.B. weil Versöhnung nicht so einfach ist? Dafür kenne ich auch kein Patentrezept. Manchmal hilft es, sich dann erst mal auf sich selbst zurückzuziehen und die Wunden zu lecken. Oder auch mit jemand zu reden, der zuhört ohne gleich die ultimativen Tipps zu geben. Allerdings bloß nicht mit den eigenen Kindern, wenn es den Konflikt mit dem Vater oder der Mutter der Kinder gibt! Das ist tabu. Lieber mit jemand Außenstehendem, der oder die nicht unedingt etweas mit dem Konfliktpartner/-in zu tun hat.

Scheidungsrate auf dem Tiefststand seit 25 Jahren!

Am 10.07. hörte ich im Deutschlandfunk ein Interview dazu mit Wolfgang Krüger, Paartherapeut und natürlich auch Autor (diese Kombination: Beruf und AUTOR ist beim DLF extrem beliebt). Herr Krüger jedenfalls ist davon überzeugt, dass AUCH seine und andere Bücher zu diesem Erfolg beigetragen haben. Ja – Ratgeber werden heutzutage sehr gern gelesen, das stimmt.

Ich würde sehr gern hinter das Geheimnis der abnehmenden Scheidungsrate kommen und hoffe sehr, dass sich dahinter auch wirklich eine höhere Zufriedenheit der Paare, eine bessere Gesprächskultur und insgesamt ein liebevollerer, freundschaftlicher Umgang miteinander verbirgt. Tatsächlich müssen Paare ja weniger häufig aus wirtschaftlichen Gründen zusammen bleiben. Obwohl es auch das noch gibt: eine Scheidung ist teuer, das Leben wird deutlich teurer durch 2 Haushalte und womöglich weite Fahrten, um den Kontakt zu den Kindern zu halten. Nach wie vor verdienen viele Frauen nichts bis wenig während einer Ehe mit Kindern. Nach wie vor betrachten die meisten Paare es als Sache der Frauen, Karriereknick, völlige Aufgabe der beruflichen Tätigkeit trotz bester Ausbildung und keine Rentenansprüche mit der Kinderversorgung auf sich zu nehmen. Sehr selten sehe ich – übrigens nicht nur auf dem Lande –  Paare, die sich Kinderversorgung und Berufstätigkeit halbwegs paritätisch aufteilen.

Zurück zu der niedrigeren Scheidungsrate: Herr Krüger ist davon überzeugt, dass mehr Paare gelernt haben, Nähe und Abstand besser zu regulieren sowie die Balance zu halten zwischen sich ändern müssen (und vielleicht sogar wollen!) in der Partnerschaft und den anderen aber nicht ändern können. Die Paare wissen darum, wie wichtig eine breite gemeinsame Basis ist und dass es gut für sie  ist, sich mindestens 3 mal am Tag mindestens 90 Sekunden miteinander zu unterhalten.

Vielleicht hat er ja recht.