Klappt’s?

Endlich mal wieder ein richtig gutes praktisches und nichtesoterisches Buch gegen den „Penisfrust“!
Michael Sztenc hat es geschrieben mit dem Untertitel: Vom Leistungssex zum Liebesspiel – ein Übungsbuch für Männer
Es gibt etliche Bücher und Ratgeber zum Thema Männlichkeit und auch männliche Sexualität. Manche sind auch richtig gut wie der Klassiker von Bernie Zilbergeld. Bei vielen aber muss man lange suchen, bis sich wirklich praktische Antworten auf aktuelle und drängende Fragen finden lassen. Viele haben auch einen starken esoterischen Touch – der ja nicht jedermanns Sache ist. Überhaupt ist das Lesen dicker Bücher nicht jedermanns Sache. Michael Sztenc‘ Buch merkt man an, dass er jahrelang in der praktischen Beratungsarbeit bei pro familia tätig war und nicht nur in der therapeutischen Arbeit. Dadurch ist seine Herangehensweise erfrischend lebensnah und gut verständlich – gerade für nicht professionelle Leser.

Prosit Neujahr!

100 Jahre Frauenwahlrecht – 110 Jahre, seit Frauen an Universitäten studieren dürfen, 125 Jahre, seit das erste Mädchen auf ein Gymnasium gehen konnte.

60 % der Eltern mit Kindern unter drei Jahren möchten sich zu gleichen Teilen in Familie und Beruf einbringen.
14 % der Eltern mit Kindern unter drei Jahren bringen sich zu gleichen Teilen in Familie und Beruf ein.

Beides zitiert aus der Frankfurter Rundschau vom 07.12.2018 in der Beilage „Das Jahr der Frauen“.

Wünsche und Wirklichkeit liegen demnach immer noch weit auseinander. Aber das Wünschen ist ja auch ein starker Motor der Veränderung! Solange es keine Wünsche gibt, etwas am Status Quo zu verändern – woher soll dann der Impuls kommen? Für manches braucht es eben wirklich dicke Bretter, die geduldig weiter gebohrt werden müssen. Solche gesellschaftlichen grundsätzlichen Wandlungen von kulturell in vielen Jahrtausenden erworbenen Verhaltensmustern gehen nicht über Nacht.

Wenn wir das an uns selbstkritisch beobachten, dann können wir hoffentlich sowohl mit uns als auch mit anderen mehr Geduld haben. Hauptsache wir arbeiten dran!

Großelternsein? Wie?

Mehrmals in diesem Jahr hatte ich mit Paaren zu tun, die unter ihren Schwiegereltern litten. D.h., als Eltern waren diese Großeltern völlig „normal“: Meist finden wir ja die eigenen Eltern völlig normal – schon, weil wir andere Eltern oft nur aus der Entfernung kennen. Aber auch, weil wir schließlich in DIESER Familie aufgewachsen sind und die Regeln, Abläufe, das Konfliktverhalten etc. aus dem Effeff kennen.
Jetzt kommt dann aber der Lebensgefährte dazu. Dieser erhält auch tiefen Einblick in das Geschehen der angeheirateten Familie – bringt aber einen anderen Blick mit – nämlich den aus der eigenen völlig „normalen“ Familie. Schon das gibt manchmal erstaunliche Erkenntnisse für den/die andere!

Oftmals geht alles soweit einigermaßen gut- mehr oder weniger. Dann aber der große Einschnitt: in der Lebensgemeinschaft der Kinder kommt das erste Kind auf die Welt: Jetzt kommt es drauf an: wie stellt sich die Schwiegerfamilie zur neuen Kleinfamilie? Und die Schwiegertochter/der Schwiegersohn bringt  ganz eigenen Vorstellungen mit in die Beziehung, welche Grundsätze es geben soll für das Verhalten gegenüber den Kindern. Das Paar hat die Aufgabe, einen gemeinsamen Weg zu finden – d.h., aus den je eigenen Vorstellungen von Familie (die sich sehr unterscheiden können) ein neues gemeinsames Ganzes zu kreieren.

Manchen Eltern bzw Schwiegereltern fällt es sehr schwer, sich bei diesem Thema heraus zu halten: Das eigene gelebte Modell ist eben das „Normale“ – das andere fremd und unverständlich.

Vor allem der verständliche starke Wunsch nach dem Kontakt mit dem Enkelkind nach den eigenen Regeln kann zu Problemen mit dem Schwiegerkind führen. Warum denn keine Süßigkeiten? SO streng muss man ja nun auch nicht sein! Warum nicht immer mal wieder Geschenke machen? Wieso nicht diesen netten Kinderfilm erlauben?

Klar ist es zuviel verlangt für Großeltern, alles genau nach vorschrift zu machen. Kinder lernen schnell, dass anderswo auch andere Regeln gelten. Aber wenn es um Grundsatzfragen geht, dann kann es schwierig werden. Wenn dann immer wieder Wünsche der Eltern missachtet werden, dann können  ernste Konflikte entstehen. Der eigene Sohn oder Tochter kann in Loyalitätskonflikte kommen oder sich als Prellbock oder Dauervermittler fühlen und damit sehr unwohl. Wie schade für alle Beteiligten!

Also Eltern und Schwiegereltern: seid vorsichtig! Die neue Familie entscheidet, was wie laufen soll – nicht ihr! Haltet euch an die Wünsche und Vorstellungen des Paares (und insbesondere der Mutter) wenn ihr einen guten Kontakt behalten wollt!
Auch wenn ihr denkt, dass die Jungen ja spinnen! Lasst sie! Sie haben jedes Recht dazu, ihre eigenen Vorstellungen und Ansichten durchzusetzen! Es sei denn natürlich, es passieren gefährliche Dinge oder ihr beobachtet einen gewalttätigen Umgang mit den Enkeln. Das wäre ein anderer Fall. Da müsstet ihr an das Kindeswohl denken – wie übrigens alle anderen auch.

Sonst aber: raushalten und Respekt zeigen! Ihr seid jetzt in der 2. Linie! Ihr hattet eure Chance, gute Eltern zu sein. Jetzt sind die anderen dran. Lobt sie so oft es geht: junge Eltern sind ja auch oft unsicher. Bietet Unterstützung an – aber drängt euch nicht auf! Und seid nicht beleidigt, wenn es anders läuft, als ihr es euch wünschen würdet. Respektiert auch das Nähe- oder Abstandsbedürfnis der neuen Familie – auch wenn es schwer fällt. Widerstehen Sie der Versuchung über das eigene Kind (Sohn oder Tochter) Einfluss nehmen zu wollen. Damit tragen Sie nur dazu bei, das Paar zu spalten und handeln sich ziemlich sicher viel Ärger ein! Mit einem Ihretwegen streitenden Elternpaar haben Sie Ihrem Enkelkind und sich selbst garantiert keinen Gefallen getan. Und dem soll es doch gut gehen, oder? Und Sie möchten doch den Kontakt auch nicht verlieren.

Aufbruch in die Freiheit

So hiess ein Film, den das ZDF letzte Woche gesendet hat. Es ging um ein Paar, das infolge einer ungeplanten Schwangerschaft in eine massive Krise geriet. Deutlich wurde, wie sehr sich die gesellschaftliche und rechtliche Situation inzwischen geändert hat: Männer können ihren Ehefrauen heute nicht mehr verbieten, einer Berufstätigkeit nachzugehen. Es gibt das Schuldprinzip bei Trennungen nicht mehr. Schwangerschaftsabbrüche sind mit Einschränkungen möglich. Weder die Frauen, noch die Ärztinnen müssen heute jahrelang ins Gefängnis wegen eines Schwangerschaftsabbruches – sofern sie sich an die engen Regeln halten.

Leider gibt es nach wie vor Menschen, die es den Frauen (und damit auch oft den dazugehörigen Männern) so schwer wie möglich machen möchten: sie verbieten als Politiker die Information über Ärzte, sie bauen sich als sogenannte „Lebensschützer“ vor Beratungsstellen auf und spüren ÄrztInnen auf, die über ihr Angebot informieren. Sie verhindern es, dass Ärzte überhaupt Praxisräume finden können. So geschehen in Stuttgart. Und vor allem bemühen sie sich nach Kräften, den Betroffenen ein schlechtes Gewissen zu machen. Sie versenden im Internet erlogene Chats und Informationen, die einfach schlicht falsch sind. Indirekt wünschen sie sich wahrscheinlich die 70er Jahre zurück, wo es noch mit der Gleichberechtigung nicht weit her war. Sie stellen das werdende Kind, in ihren Worten das „Leben“ in den Mittelpunkt – nicht die Frau, die ja allein dieses Leben ans Licht der Welt bringen kann und die immer noch allzu häufig überwiegend dafür sorgt, dass es sich zu einem gesellschaftsfähigen sozialen Individuum entwickeln kann.

Das ist den Abtreibungsgegnern völlig egal.
Darum scheren sie sich nicht. In Frankreich können sie dafür gerichtlich belangt werden, wenn sie das Recht auf Schwangerschaftsabbruch versuchen zu sabotieren – sei es mit Mahnwachen vor ärztlichen Praxen oder Beratungsstellen, sei es mit falschen Informationen im Internet. Das würde ich mir hier auch wünschen!

Herbstgedanken

Der lange, heiße und trockene Sommer ist vorüber. Die einen sind traurig darüber und denken: Endlich mal richtig warm und sonnig; gut für die Seele! Die anderen sorgen sich eher um die Klimaveränderungen und den Stress, den die Dauerhitze für Pflanzen und Tiere bedeutet hat. Beides hat ja seine Richtigkeit. Jetzt jedenfalls kommt die Jahreszeit, in der wir wieder viel Zeit in Haus bzw Wohnung zubringen werden und wir der dort vorherrschenden Atmosphäre weniger gut ausweichen können: dicke Luft? Oha! Da hilft keine Flucht, da hilft nur: den Stier bei den Hörnern packen und das Gespräch suchen. Wo liegt etwas im Argen? Wo muss etwas geklärt werden? Wo sind wir uns fremd geworden? Was brauchst du jetzt? Was brauch ich jetzt? Wann nehmen wir uns Zeit dafür? Hoffentlich haben wir nicht allzu lange aufgeschoben, was mal gesagt werden müsste…… Das macht den Einstieg schwerer. Was sind dabei bewährte „Hausmittel“, die helfen können? Zu den guten Rezepten gehört die richtige Ansprache: d.h., es ist wichtig, nicht mit der Tür ins Haus zu fallen sondern einen günstigen Zeitpunkt zu finden. Es ist oft auch nützlich, vorher anzukündigen, dass es etwas zu besprechen gibt und Ort und Zeit zu vereinbaren. Wahrscheinlich haben alle Beteiligten schon Erfahrungen gemacht damit, was gut ankommt und womit mehr Ärger als nötig erzeugt wird. Bei schwierigen Themen kann es sein, dass nicht gleich eine Lösung gefunden wird oder sich schon viel Frust angesammelt hat. Dann kann es gut sein, das Gespräch nicht allzu lang auszudehnen. Lieber einen Punkt machen und erst mal verdauen. Dann zu einem anderen Zeitpunkt weiter reden. Manche möchten gerne unbedingt abends versöhnt ins Bett gehen können. Was aber, wenn das einfach nicht möglich ist z.B. weil Versöhnung nicht so einfach ist? Dafür kenne ich auch kein Patentrezept. Manchmal hilft es, sich dann erst mal auf sich selbst zurückzuziehen und die Wunden zu lecken. Oder auch mit jemand zu reden, der zuhört ohne gleich die ultimativen Tipps zu geben. Allerdings bloß nicht mit den eigenen Kindern, wenn es den Konflikt mit dem Vater oder der Mutter der Kinder gibt! Das ist tabu. Lieber mit jemand Außenstehendem, der oder die nicht unedingt etweas mit dem Konfliktpartner/-in zu tun hat.

Scheidungsrate auf dem Tiefststand seit 25 Jahren!

Am 10.07. hörte ich im Deutschlandfunk ein Interview dazu mit Wolfgang Krüger, Paartherapeut und natürlich auch Autor (diese Kombination: Beruf und AUTOR ist beim DLF extrem beliebt). Herr Krüger jedenfalls ist davon überzeugt, dass AUCH seine und andere Bücher zu diesem Erfolg beigetragen haben. Ja – Ratgeber werden heutzutage sehr gern gelesen, das stimmt.

Ich würde sehr gern hinter das Geheimnis der abnehmenden Scheidungsrate kommen und hoffe sehr, dass sich dahinter auch wirklich eine höhere Zufriedenheit der Paare, eine bessere Gesprächskultur und insgesamt ein liebevollerer, freundschaftlicher Umgang miteinander verbirgt. Tatsächlich müssen Paare ja weniger häufig aus wirtschaftlichen Gründen zusammen bleiben. Obwohl es auch das noch gibt: eine Scheidung ist teuer, das Leben wird deutlich teurer durch 2 Haushalte und womöglich weite Fahrten, um den Kontakt zu den Kindern zu halten. Nach wie vor verdienen viele Frauen nichts bis wenig während einer Ehe mit Kindern. Nach wie vor betrachten die meisten Paare es als Sache der Frauen, Karriereknick, völlige Aufgabe der beruflichen Tätigkeit trotz bester Ausbildung und keine Rentenansprüche mit der Kinderversorgung auf sich zu nehmen. Sehr selten sehe ich – übrigens nicht nur auf dem Lande –  Paare, die sich Kinderversorgung und Berufstätigkeit halbwegs paritätisch aufteilen.

Zurück zu der niedrigeren Scheidungsrate: Herr Krüger ist davon überzeugt, dass mehr Paare gelernt haben, Nähe und Abstand besser zu regulieren sowie die Balance zu halten zwischen sich ändern müssen (und vielleicht sogar wollen!) in der Partnerschaft und den anderen aber nicht ändern können. Die Paare wissen darum, wie wichtig eine breite gemeinsame Basis ist und dass es gut für sie  ist, sich mindestens 3 mal am Tag mindestens 90 Sekunden miteinander zu unterhalten.

Vielleicht hat er ja recht.

Auch alte Rezepte können gute Rezepte sein!

Vor 30 Jahren veröffentlichte der Paartherapeut Michael Lukas Moeller sein Buch: die Wahrheit beginnt zu zweit. Untertitel: Das Paar im Gespräch. Ein guter Grund, die Arbeit von Moeller einmal zu würdigen.

„Wir können nicht miteinander reden! Unser Thema ist die Kommunikation“! Das sagen viele Paare, die zu mir kommen.

Und auch wenn nach einiger Zeit Paarberatung und Veränderung das Paar wieder freundschaftlicher und liebevoller miteinander umgeht werden diese Klagen imemr noch vorgebracht. Es gibt also offensichtlich einen Mangel an Gespräch!

Da bietet es sich dann an, dem Paar Moellers Konzept des Zwiegespräches vorzustellen. Das ist ein geregeltes Konzept, wie das Paar ihre Gesprächskultur konsequent einüben kann. Es funktioniert erstaunlich gut – falls sich das Paar darauf einlässt und es mutig versucht. Neues auszuprobieren ist ja nicht immer ganz einfach.

Hier zum Abschluss noch ein chinesisches Sprichwort:

Solange du dem anderen sein Anderssein nicht verzeihen kannst, bist du weitab vom Wege zur Weisheit.

 

Liebe und Zeitgeist

Kürzlich ist mir das Heft 27 vom Herbst 2014  „Korrespondenz“ in die Hände gefallen. In diesem Themenheft wird berichtet von der Fachtagung zum 50jährigen Jubiläum des Instituts.

Die bekannte Paartherapeutin und Psychotherapeutin Astrid Riehl-Emde hat bei diesem Anlaß eine Rede gehalten zum Thema „Ambivalenz in der Liebe – existentielle Herausforderung für Paare“.

Am Interessantesten darin fand ich den Abschnitt „Liebe und Zeitgeist“. Mehrere AutorInnen werden von ihr zitiert, die sich mit modernen neuen Formen des Liebeslebens auseinandersetzen. Dabei die israelische Soziologin Eva Illouz, die  in ihren Büchern „Warum Liebe weh tut“  (2011) sowie „Der Konsum der Romantik (2003) darstellt wie die Logik der Ökonomie auch die Welt der Liebe durchdringt. Sexuelle Kapitalisten nennt sie Menschen, die immer wieder ihre Partner wechseln, aus Angst, durch die Bindung an nur einen dauerhaften Partner wesentliche Chancen auf dem „Markt“ zu verpassen.

Auch Seven Hillenkamp (Das Ende der Liebe. Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit, 2009) stösst in dieses Horn. Der Preis sei dauernde Ambivalenz, weil die Menschen fürchten, hinter ihren Möglichkeiten zurück zu bleiben. Sie leiden unter den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten.

Als drittes nennt sie Norbert Schneider(Vortrag in Magdeburg  beim Forum Zukunft 2008), der die These aufstellt, die neuen Paare seien keine „Fusionspaare“ mehr sondern „Assoziationspaare“, d.h. anstelle des WIR trete ein doppeltes ICH. Entgrenzung, Entbindung, Deregulierung, Selbstbestimmung seien Schlüsselworte für eine starke Ich-Orientierung. Verbundensein ohne Bindung nennt das Rainer Funk (2013) in einem Vorrtrag bei der Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie in Lindau.

Tröstlich aber ist dann doch, was Robert M. Stein resümmiert: auch moderne Beziehungsmuster erlauben nur neue Varianten des Themas Bindung“. Aueinanderfolgende Beziehungen und Ehen würden letztlich doch immer nur befristet die Polarität zwischen Bindungsbedürfnis und Freiheitswünschen auflösen. „Das Bedürfnis, gebunden zu sein, kehrt bald in alter Stärke zurück“ schreibt er (1983).

Ambivalenzen und Gegensätze aushalten zu lernen geht auch mit dem gleichen Partner! Das ist doch ein schönes Schlusswort:

Nettikette in der Beratungsarbeit

Das Wort stammt aus dem Umgang im sogenannten sozialen Netz. Ich finde es witzig und ja auch eine passende Bezeichnung. Man muss nun nicht immerzu nur „nett“ sein – das meine ich nicht. Aber auch nicht unhöflich, beleidigend und natürlich schon gar nicht abwertend.

Auch in der Beratungsarbeit gibt es Regeln im Umgang miteinander. Dazu gehört z.B. die Verabredung und die Einhaltung von Terminen. Dazu gehört auch, dass Termine abgesagt werden, wenn sie nicht eingehalten werden können. Und das auch möglichst rechtzeitig. Außerdem müssen abgesagte Termine bezahlt werden, wenn die Absagen zu spät kommen. Denn die Beraterin lebt ja von ihrer Arbeit. Sie (er natürlich auch) muss den Raum bezahlen, die Supervision bezahlen, die Krankenkasse, die Haftpflichtversicherung, die Fortbildungen etc etc – auch wenn die vereinbarten Termine kurzfristig abgesagt und nicht nachbesetzt werden können.

Zur Nettikette im Umgang gehört z.B. dann auch, nicht beleidigt zu sein, wenn die Beraterin dann  wirklich und wahrhaftig das Ausfallhonorar in Rechnung stellt, das vereinbart wurde!

Und  ganz wichtig ist es, sich zu verabschieden, wenn das Paar bzw. die KlientIn entschieden hat, die Beratung oder Therapie zu beenden. Das kann notfalls auch telefonisch geschehen. Besser und schöner ist es aber, ein Abschlussgespräch zu führen. Das ist für beide Seiten gut:

Für die Klienten, indem sie noch mal Revue passieren lassen: wie sind wir her gekommen? Was hat sich verändert? Wie haben wir das geschafft? Was hat geholfen während der Therapie? Das gibt Selbstvertrauen; „Wir schaffen es, auch aus einem Tief heraus zu kommen!“

Aber auch für die BeraterIn ist ein Abschlussgespräch gut und nützlich: was ist wie angekommen? Fühlten sich die KlientInnen unterstützt? Wodurch? Womit aber vielleicht auch nicht? Wie sehen die Klienten ihren Veränderungsweg? Habe ich sie wirklich verstanden?

Noch ein anderes Thema sind die Terminvereinbarungen: wegen der Schwierigkeit, sich telefonisch zu erreichen, gibt es öfters Terminwünsche bzw -vorschläge per AB, Mailbox, WhatsApp, sms oder Email. Ausgesprochen hilfreich und freundlich (aber auch wichtig) ist es, dann auch auf ein Terminangebot umgehend zu antworten und nicht tagelang damit zu zögern. Die BeraterIn/der Therapeut hat ja nicht nur einen Klienten sondern mehrere und muss jonglieren mit Terminen. Wenn ich dann großzügig oder auch leichtsinnig 3 Alternativen anbiete, dann ist klar, dass höchstens eine davon genommen wird. Die anderen werden dringend für andere Vereinbarungen gebraucht. Das kann ganz schön aufwendig und nervig werden, wenn dann mehrere Antworten längere Zeit ausstehen.

Zum Schluss aber: meistens klappt alles super! Da muss ich wirklich meine KlientInnen loben und mich herzlich für die meistens gute und verlässliche Zusammenarbeit bedanken!

 

 

Das beherrschte Geschlecht?

Heute habe ich bei Deutschlandradio Kultur einen sehr interessanten Beitrag gehört. Sandra Konrad, eine Psychologin, Sexual- und Paartherapeutin, hat ihr Buch vorgestellt: „Das beherrschte Geschlecht. Warum sie will was er will.“ Sie hat dafür ausschließlich Frauen interviewt. Es geht um das aktuelle Thema des Machtgefälles zwischen den Geschlechtern, aber auch um die geringe Wahrnehmung von Frauen, wo ihre Grenzen liegen und offensichtlich nicht lernen (bzw nicht gelehrt bekommen!), diese besser zu schützen.Beherrschen wird über die Sozialisation in Selbst-Beherrschung umgewandelt.

Sie hat natürlich auch viel von den  Paaren in ihrer Beratung erfahren. Dort allerdings kommen beide Partner, weil sie sich ohnmächtig fühlen und das gilt an dieser Stelle für beide und ist ein schwer erträgliches Gefühl.