Schlechte Vorzeichen

Einige Paare und ihre Interaktion lassen mich mal wieder an die „vier apokalyptischen Reiter“ denken, die ich bei John M. Gottman kennengelernt habe. Gottmans Buch heisst : Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe von 1999 und ist immer noch empfehlenswert. Aber er hat auch ein Kapitel geschrieben, in dem es darum geht, warum es eben nicht funktioniert bei der Konfliktlösung in der Beziehung.

Er traut sich nach intensiven Forschungen über das Paarverhalten zu, innerhalb von 15 Minuten voraussagen zu können, ob sich ein Paar trennen wird. Naja – das klingt ja typisch amerkanisch, ein bisschen größenwahnsinnig., dachte ich. Aber schauen wir genauer hin:

Anzeichen einer schlechten Prognose sind 1. ein „grober Auftakt“ bei einem Konfliktgespräch. Anklagen, Vorwürfe etc sind ein negativer Start und werden voraussichtlich auch zu einem negativen Ende führen.


Das 2. Anzeichen sind die „vier apokalyptischen Reiter“:

Kritik im Sinne generalisierter Vorwürfe und Anklagen statt Beschwerden, die sich auf eine konkrete Ursache beziehen. V

Verachtung ausgedrückt mit Zynismus, abfälligen Bemerkungen, Augenrollen etc.

Dritter apokalyptischer Reiter sind Rechtfertigungen als Antwort auf eine Klage, statt sich auf den Vorwurf/die Beschwerde o.a. zu beziehen.

4. Reiter ist Mauern, d.h., der oder die Angegriffene zieht sich schweigend zurück und lässt den Partner auflaufen. Das ist eine mächtige Waffe, weil der angreifende Partner nichts dagegen machen kann.

Alle diese negativen Verhaltensweisen legen die Partner.innen nicht unbedingt aus Bosheit an den Tag, sondern oft aus Hilflosigkeit, weil sie nicht wissen, wie sie aus den Teufelskreisen, die ihnen zu schaffen machen, rauskommen können. Doch wenn die Beziehung erst einmal bei diesem Waffenlager angekommen ist, dann stehen die Chancen schlecht, wieder in ein positives Fahrwasser zu kommen.

Eine Folge von zuviel Attacke und Vorwürfen sowie negativem Gedankenlesen („Ich weiss genau, wie du so denkst und warum du das machst…!“) ist beim Partner die Überflutung: wenn die Negativität der Kommunikation zunimmt, die Partner.in schreit und Vorwürfe wie Gewehrsalven abschiesst, dann wird der/die andere Person unfähig, damit umzugehen, das Gehirn ist leer und sie /er verstummt. Das führt bei beiden zu körperlichen Reaktionen auf diese Stresssituationen: Herzklopfen, Ausstoß von Adrenalin, Fluchtimpulse usw. Wenn es so weit kommt ist das Paar unfähig, einander noch zuzuhören und/oder nach kreativen Lösungen zu suchen. Wenn dies zur Regel wird, dann sehen die gemeinsamen Aussichten schlecht aus.

Das heisst also für die Zukunft: Runterfahren, Pause machen, entspannen…… den Teufelskreis erkennen und lernen, rechtzeitig auszusteigen. Keinesfalls mit Gewalt eine Lösung erzwingen, denn in diesem Zustand gibt es keine Lösungen. Es gilt die Regel: wenn einer der beiden aussteigen will muss der andere das unbedingt akzeptieren, nicht hinterher rennen und weiter machen wollen. Der „Aussteiger“ hat dann allerdings die Verantwortung, wieder „einzusteigen“, d.h. ein Angebot zu machen, wann und wie weiter über das strittige Thema gesprochen werden kann. In der Hoffnung, dass es mit gutem Willen dann besser laufen kann……….

Jahresende und Ausblick

Mit neuen Coronabeschränkungen gehen wir auf Weihnachten und Neujahr zu. Für meine KlientInnen war das eine sehr unterschiedlich erfahrene Zeit: manchen hat es gut getan, herunterzuschrauben. Andere fühlten sich sehr belastet und konnten es kaum aushalten. Das hat auch zu schmerzhaften Trennungen geführt, die ohne Corona womöglich vermieden worden wären. Für mich war die Erfahrung ambivalent: vor allem habe ich die Kultur vermisst und den Chor. Chorgesang digital ist nicht das Wahre!
Mit Videokonferenzen als Paarberatung waren die Erfahrungen eigentlich gar nicht schlecht. Leider konnte sich nur ein Teil der Klient.innen darauf einlassen. Zum Glück ist der Raum, in dem ich jetzt seit 11 Monaten freitags arbeite, sehr groß und gut zu belüften. Das CO2-Messgerät hat ergeben, dass das machbar ist mit einmal Lüften innerhalb der 90 Minuten
Anfang Dezember musste ich mich auch per Videokonferenz von meiner langjährigen Supervisionsgruppe verabschieden. Das war wirklich schade. Ich hoffe, wir können den persönlichen Abschied im nächsten Jahr nachholen. Im Januar findet ein erster Kontakt mit meiner neuen Supervisorin statt, die ich aber schon aus früheren Zeiten kenne. Künftig werde ich Einzelsupervision machen.
Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie die schwierigen Zeiten gut überstehen und gelassen das Jahr 2021 begrüßen können.

Hannah Erben-Wunder

Schmerzhafte Trennungen………….

In meiner Arbeit erlebe ich ja auch immer mal wieder, dass sich ein Paar während der Paartherapie trennt oder dass nach einer Trennung einer der Expartner sich Unterstützung sucht. Die Verfassung der Beteiligten erlebe ich als sehr unterschiedlich. Sehr oft liegt bei den möglichen Gefühlen die Wut obenauf: der oder die Verlassene aber auch der oder die Verlassende zeigen sich voller Groll und Empörung. Das hilft sicherlich, erst mal den Schmerz und die Angst vor der Zukunft in Schach zu halten.
Trennung und Scheidung sind ja heute kein gesellschaftlicher Makel mehr und kommen sehr häufig vor. Beinahe gelten sie als normal.
Man vergisst dabei aber, wie tief eine Trennung nach langer Beziehung gehen kann. Die Paare sind ja über die Dauer der Jahre miteinander verwurzelt, teilen ihr ganzes Leben miteinander. Freundschaften werden von einigen gepflegt, auch über die Zeit der Kindererziehung und des intensiven Familienlebens hinweg. Aber das tun nicht alle. Für viele ist die Familie außerhalb der Arbeit ihr Mittelpunkt und ihr einziger intimer Nahbereich. Immerhin, die Familie! Aber auch zu den Herkunftsfamilien bestehen nicht immer gute und nahe Beziehungen. Entfremdung, Entfernung, Gleichgültigkeit, alte Kränkungen führen bei manchen dazu, dass auch dort kein Hort ist für Trost und Verständnis. Dann bedeutet eine Trennung nicht nur den Verlust des Partners – der auch trotz heftigem Streit ja intensive Nähe bietet- sondern auch den Verlust von allen nahen Kontakten. Was kostet es da an psychischer Kraft, sich ein neues Leben aufzubauen? Wohin mit dem Schmerz und der Einsamkeit?

Und dann gibt es ja auch Angehörige, die das Schwiegerkind – die Schwägerin auch seit Jahren kennen und ins Herz geschlossen haben. Sie müssen dann hilflos zusehen, wie das Paar sich anschweigt, sich anschreit, die Kinder benutzt, Vorwürfe macht……… und dann womöglich auf einmal die langjährige Schwiegertochter, -sohn, die Tante oder der Onkel etc. aus dem Leben der Familie verschwindet. Samt Enkelkindern. Ja – inzwischen klagen schon Großeltern den Kontakt zu ihren geschiedenen Enkel.innen ein!

Mein Rat an die hilflosen Zuschauer.innen: haltet euch nach Möglichkeit raus aus den Konflikten. Unterstützt euren Sohn oder eure Tochter in der schweren Zeit – aber stimmt nicht ein in den Groll gegen das Schwiegerkind. Auch eure Tochter bzw. Sohn ist sicher kein Engel und hat ziemlich sicher einen Anteil an der Lage. Haltet euch zurück, damit ihr eine Chance habt, zum Schwiegerkind und/oder den Enkeln weiter oder wieder eine Beziehung haben zu können. Das ist nicht leicht – aber in den meisten Fällen möglich.

Coronafolgen für Paare

Nicht alle haben unter den Coronabedingungen gelitten. Aus meinem Klient.innenkreis gibt es auch positive Rückmeldungen – neben durchaus gespürten erheblichen Belastungen wie z.B. Kurzarbeit und damit verbundene schmerzhafte Einkommenseinbußen. Den Arbeitsplatz verloren hat bisher zum Glück keiner. Es gab Klagen über das Problem, Struktur im Tagesablauf beizubehalten, wenn Schule und Arbeit imHomeoffice stattfinden. Es gab auch das Problem mit kleinen Kindern in der Familie ohne Kitabetreuung. Kleine Kinder ohne Außenkontakte mit Homeoffice zu verbinden ist eine enorme Belastung und eine große Zumutung an Familien. Dem gegenüber waren die Entscheider.innen lange blind – obwohl schon früh Kritik von Experten geübt wurde daran, die Eltern mit jungen Kindern im Stich zu lassen. Ich kann diese Eltern nur bewundern für ihre Leistung. Leider wird es wahrscheinlich langfristige Folgen haben für Kinder in Gewaltfamilien. Das wird sich zeigen im Laufe dieses und des nächsten Jahres.
Positiv hat sich für einige ausgewirkt, dass es für sie zu einer Komplexitätsreduktion kam: das Leben war einfach schlichter; es gab nicht so viele Möglichkeiten, sich zu entscheiden. Und das tut manchen richtig gut, die sich sonst von den vielen Möglichkeiten auch überfordert fühlen. Es gibt auch Familien, die die viele gemeinsame Zeit miteinander durchaus genießen konnten. Paare, die, mehr miteinander gesprochen haben als in „normalen “ Zeiten, die mehr miteinander unternommen haben und auch solche, die sich durch den finanziellen Engpass nicht trennen konnten und sich dann doch zu einem gemeinsamen Neustart entschieden haben – mit ungewissem Ausgang.

Die Normalität kehrt zurück – wenigstens teilweise

Seit 2 Wochen findet Beratung wieder im Praxisraum in der Bertha-von-Suttner-Allee statt! Allerdings mit größerem Abstand, viel frischer Luft, bei Bedarf auch mit Atemschutzmaske. Zwischendrin fügen wir eine Pause ein, in der gelüftet werden kann. Auch die Zoomkonferenzen gehen weiter bei denen, die das möchten. So kann Beratung den Pandemie-Bedingungen angepasst werden ohne Qualitätsverlust. Das ist eine große Erleichterung.

Weiter biete ich ausschließlich am Freitag Beratung im Praxisraum an. Es gibt freie Plätze zu den 11.00 und 14.00 Uhr-Terminen. Die späten Termine – 16.00 und 18.00 – sind derzeit ausgebucht. Rufen Sie gerne an, wenn Sie Interesse an einer einzel- oder Paarberatung haben!

Angebot während der Corona-Zeit

Ja – der Mensch wird erfinderisch, wenn es sein muss! Inzwischen habe ich bereits einige Paarberatungen mittels Videokonferenz durchgeführt mit den KlientInnen, die sich darauf einlassen mögen. Es geht besser als ich befürchtet hatte. Die bisherigen Rückmeldungen sind auch positiv. Ein weiterer Vorteil: es gibt keine so enge Zeitbindung mehr. Es können individuell passende Zeiten abgesprochen werden – anders als im Praxisraum, der ausschließlich freitags zur Verfügung steht.
Einige Dinge müssen natürlich besprochen werden: gelingt es, dass die Kinder in dieser Zeit nicht unterbrechen? Das hängt unter anderem vom Alter der Kinder ab. Auch sonstige Störungen sollten so weit möglich ausgeschlossen sein. KlientInnen müssen mehr für sich selbst sorgen und ansprechen, wenn sie sich nicht wohl fühlen – da im Monitor nicht der ganze Mensch zu sehen ist. Es ist möglich, Pausen zu machen.

Nicht alle Arbeitsmöglichkeiten stehen zur Verfügung, wie z.B. die Nutzung des Familienbretts – aber ich denke, mit zunehmender Erfahrung wird man kreativer.
Ein wichtiger Punkt ist die Datensicherheit. Bisher arbeite ich mit Zoom. Dazu gibt es auch Kritik ebenso wie zu Facetime und anderen. Ich bin weiter auf der Suche nach Plattformen mit ausreichender Sicherheit. Alle Beteiligten sollten sich überlegen, ob sie sich unter diesen Bedingungen auf das Experiment einlassen können und wollen. Es kann gerne erst mal eine Probe-Viertelstunde vereinbart werden, die kostenlos ist – um zu erproben, ob die Beteiligten sich anfreunden könnten mit der Methode.

Veränderungen im Zeichen von Corona

Der Umzug ist geschafft, die Gewöhnung an den neuen Raum inzwischen gelungen. Die Klientinnen und Klienten haben sich ebenfalls sehr schnell an die Veränderung gewöhnt. Leider macht sich doch bemerkbar, dass ich jetzt nur noch einen Nachmittag und Abend pro Woche anbieten kann – denn viele Paare sind auf die späten Termine (16.00 und 18.00 Uhr) angewiesen. So entstehen manchmal größere Abstände zwischen zwei Terminen als gewünscht. Dagegen gibt es meistens kurze Wartezeiten für Termine um 11.00 oder 13.00/14.00 Uhr. Ich lade Sie gerne ein, nach Möglichkeit eine dieser Angebote zu nutzen. In der systemischen Arbeit kommt es ja nicht unbedingt auf eine sehr kurze Frequenz der Termine an.

Akut schlagen aber jetzt die veränderten Lebensbedingungen unter der Coronakrise zu Buche. Sorge und Verunsicherung haben sich ausgebreitet, dazu aus gutem Grunde viele Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Die Menschen sind auf sich gestellt in ihren privaten Bezügen, Schulen und Kitas sind zu, Bedrohung liegt allgemein in der Luft. Manche der Älteren haben die Atmosphäre verglichen mit der Tschernobyl-Katastrophe vor fast 34 Jahren: das Wetter wunderbar, die Luft erfüllt mit Frühlingsboten – und dadrüber oder dadrunter das bedrohliche Gefühl von einer Gefahr, die nicht richtig greifbar ist. Manche verdrängen erfolgreich: „Mich wird’s schon nicht erwischen“ – andere haben wirklich Angst. Entweder um sich selbst oder um ihre alten Eltern oder Angehörige mit Vorerkrankungen. Etliche haben auch große Mühe mit der Zwangsruhe und dem Eingesperrtsein fertig zu werden. Neben den eigenen Sorgen müssen sich Eltern auch um ihre Kinder kümmern, sie beschäftigen, sie beaufsichtigen. Kleine Kinder brauchen Mutter oder Vater – die Großeltern sind gefährdet und dürfen nicht einspringen. Dazu kommt auch noch Existenzängste, inwieweit unter diesen Bedingungen weiter der Lebensunterhalt gesichert ist.
Das alles ist schwer. Niemand hat Erfahrungen mit eienr solchen Situation – zumal nicht absehbar ist, wann ein Ende in Sicht ist.

Wir alle müssen uns besinnen auf unsere Ressourcen: was hilft? Was tut uns gut? Was können wir für uns selbst und unsere Angehörigen tun? Wie die Kontakte pflegen über andere Kanäle, hören, wie es den anderen geht?

Und für Sie als Klientinnen und Klienten: wie wird es mit den Beratungen weiter gehen? Ich werde Ihnen allen rechtzeitg bescheid geben, wie ich verfahren werde und was ich weiter anbieten kann. Da ich doppelt belastet bin aufgrund meines Alters und meiner Asthma-Erkrankung werde ich wohl nicht vor Ort beraten können in der nächsten Zeit. Aber ich denke . zusammen mit ebenfalls betroffenen Kollegen und Kolleginnen darüer nach, was gehen könnte. Sie hören von mir! Alles Gute!

Mit guten Wünschen zum Neuen Jahr

Liebe KlientInnen und Klienten, 2020 wird in vieler Hinsicht ein spannendes Jahr! Ich beschränke mich auf den kleinen Teil davon, der für Sie in Bezug auf meine Arbeit interessant sein könnte:

Ende Januar ziehe ich aus meinem kleinen freundlichen Beratungsraum aus. Danach werde ich in dem ebenso freundlichen Praxisraum der beiden Psychotherapeutinnen Frau Neumann und Frau Behrens zu finden sein – im gleichen Stock, auf der gleichen Seite, nur schräg gegenüber.

Allerdings werde ich nur noch an den Freitagen arbeiten und zwar in der Zeit von 11.00 bis 20.00 Uhr.

Ich bin sehr gespannt, wie das gehen wird – mache mir aber andererseits nicht allzu viele Sorgen deswegen. Vor einiger Zeit hatte ich schon reduziert auf nur noch 2 Tage – und auch das lief weitgehend reibungslos. Von daher bin ich optimistisch. Paarberatung erfordert nicht, dass jede Woche ein Termin stattfinden muss – denn positive Veränderungen in Ihren Beziehungen müssen Sie ja letztlich selbst initiieren. Ich kann nur verstehen, anregen, klären, Vorschläge machen. Nach jeder Sitzung brauchen Sie die Zeit, gemeinsam auszuprobieren, wie neues Verhalten gehen könnte.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahrzehnt.

Hannah Erben-Wunder

Krankheit und Familie

Nicht wenige Paare und Familien haben besondere Aufgaben zu meistern durch die Krankheit eines Familienmitglieds. Dabei geht es sowohl um chronische, z.T. lebensgefährliche Erkrankungen – aber häufig auch um eine psychische Erkrankung eines Partners. Dadurch verändert sich oft in hohem Maße das Gleichgewicht in der Familie. Der gesunde Partner kann nicht mehr wie zuvor damit rechnen, dass die oder die andere ihren vorher eindeutigen Anteil am Gelingen des Familienlebens übernehmen kann. Dadurch steigt einseitig die Belastung – machmal über das erträgliche Maß hinaus. Der oder die andere hat häufig genau deswegen Schuldgefühle und sieht sich ständig unter Rechtfertigungszwang.

Die Kinder sind ebenso konfrontiert mit der Frage: Was kann ich von Mama/Papa überhaupt erwarten? Was kann ich fragen? Wo kann ich helfen? Ist es heute anders als gestern? Und morgen?

Es ist eine hohe Kunst, wenn Paare in solchen Situationen – die sich ja über Jahre hinziehen können – es schaffen, ein neues Gleichgewicht herzustellen, nicht dem oder der anderen die Schuld zu geben, miteinander im Gespräch zu bleiben. Eine Klientin meinte einmal: „Ich hasse diese Krankheit – aber dich habe ich lieb!“

Sehr hilfreich ist natürlich, wenn diese Familien nicht allein auf sich gestellt sind, sondern ein Netz haben aus Freunden und Verwandten, die immer wieder einmal unterstützen und entlasten. Das ist zum Einen Glücksache – Familien wohnen ja oft weit entfernt von ihren Verwandten – zum anderen aber auch die Fähigkeit zum Netzwerken. Manche sind da sehr begabt – andere haben das nicht so entwickelt. Einiges kann man aber lernen: mal die Nachbarn fragen, Selbsthilfevereine anzapfen, sich einer Gruppe anschließen.

Ich habe jedenfalls großen Respekt vor Paaren, die neben dem, was heute an Anforderungen an Familien gestellt wird, zusätzlich lernen müssen mit Krankheit in ihrer Mitte umzugehen!

Ergänzung zur Aufklärung für Fortgeschrittene

Mein voriger Beitrag war ja sehr in Richtung Ermutigung zu Neugier, Ausprobieren, Selbstbewusstsein stärken, den eigenen Körper kennen lernen usw gegangen.
Wichtig aber zum Selbstbewusstsein gehört auch der Mut zum Nein-Sagen! Nur weil es cool ist oder gewünscht wird muss niemand „ja“ sagen zu Handlungen, die sie/er nicht wollen! Es ist wie mit den unbekannten Speisen: meistens schadet es nicht, auchmal etwas auszuprobieren – das Leben würde sonst ja wirklich langweilig, wenn wir imer nur das tun, was wir kennen und was sich bewährt hat. Entwicklung ist da nicht möglich. Aber Praktiken, auf die sich er oder sie wirklich nicht einlassen mögen aus den unterschiedlichsten Gründen (Scham, Widerwille, Abneigung, Grenzen….) sollten auch von den Partner*innen akzeptiert werden.
Das war mir noch mal sehr wichtig als Ergänzung.