Monthly Archives: Mai 2015

Interview 2. Teil

Beim letzten Mal hatten wir ja über die Zugangswege zu Ihnen gesprochen. Jetzt wollen wir uns mal die Inhalte ansehen. Also wie machen Sie es – z.B. beim Erstgespräch?

Für das Erstgespräch nehme ich mir 90 Minuten Zeit. Viele Menschen brauchen ja erst mal Zeit, sich zu orientieren. Wir machen eine Vorstellungsrunde – ich stelle mich vor und die KlientInnen erzählen von sich – was sie mögen: über das Alter, die Kinder, den Beruf…..

Und dann?

Ja – dann geht es ans Eingemachte: wo drückt der Schuh? Jeder hat erst mal Zeit zu berichten, wo die Probleme stecken, seit wann, was sie gerade jetzt dazu bewogen hat, sich um Beratung zu kümmern.

Wenn es denn z.B. um die Sexualität geht, dann beraten Sie ja doch auch Einzelne?

Ja – egal, um was es geht. Ich mache ja auch noch Coaching. Da geht es um allgmeine Lebensprobleme, manchmal auch um den Beruf, die Perspektiven etc.

Und wenn es um Sexualität geht: sollen die Leute dann am besten erst mal zum Arzt gehen?

Das haben viele – besonders die Frauen – schon oft getan. Aber auch manche Männer waren bereits beim Urologen. Ist ja auch sinnvoll im Einzelfall, wenn es z.B. um ausbleibende Erektion oder zu frühe Ejakulation geht. Auch bei Frauen kann es sehr sinnvoll sein, z.B. bei Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Aber nötig ist es nicht. Gerade beim Urologen gibt es ja oft sehr lange Wartezeiten. Ein Beratungsgespräch kann auch ohne vorherigen Arztbesuch sehr sinnvoll sein um zu sortieren: seit wann gibt es die Beschwerden? Wie äußern sie sich? Gab es belastende Ereignisse in der Zeit? Welche Versuche sind schon unternommen worden, das Problem allein zu lösen, wie geht der Partner/die Partnerin damit um usw.

Geht es im Erstgespräch ausschließlich um Probleme?

Nein – bloß nicht! Es geht auch um das, was gut läuft, was die Beziehung stärkt, wo sich die Menschen wohl fühlen und was gut gelingt . Auch, wie sie bisher ihre Probleme gelöst haben.

Dann geht es darum, was sich die Klienten wünschen: wo wollen sie hin? Was sind die Ziele? Was erhoffen sie sich von der Beatung? Das ist oft gar nicht so einfach zu beantworten – außer natürlich: die Probleme sollen verschwinden. Aber es kann ganz unterschiedlich sein, was dann statt dessen sein soll und auch was Klienten darüber denken, was Beratung leisten kann und soll.

Gut – soweit für heute? Ich habe noch Fragen für das nächste Mal. Erst mal vielen Dank!

Ich danke auch.

Nun gut

Nun gut sagte mein Freund, dann ist ja alles gesagt.  Wie soll denn das Wetter morgen werden?

Ich erwiderte, dass es ziemlich kalt bleiben würde und dass dagegen leider auch kein Coaching hülfe.

Sondern?

Warme Kleidung.

Sehr witzig, sagte er. Ich meine, wobei hilft einem Coaching?

Tja, nehmen wir mal „Lerncoaching“.

Also Nachhilfe, meinte er.

Neinenein, damit hat das nichts zu tun. Stell dir mal folgendes vor: Als du noch zur Schule gingst, musstest du z.B. Vokabeln lernen. Du hattest keine Lust dazu.

Eigentlich hatte ich überhaupt keine Lust die Hausaufgaben zu machen, schob er ein. Meine Mutter hat mich ziemlich genervt.

Wobei wir beim Thema sind: Keine Lust und dann die Folgen: Schlechte Noten im Test und Nerverei mit Eltern.

Genau.

Leider haben die schlechten Noten dir nicht den nötigen Impuls gegeben, die Vokabeln sorgfältig zu lernen?

Stimmt, ich hatte auch nie so richtig Zeit dafür.

Das verschärft die Angelegenheit. Um jemandem mit dem Lerncoaching bei diesem Thema zu helfen nehmen wir uns mit dem Coachee (das wärst du als Schüler in diesem Fall) maximal zwei Coachingstunden (je eine pro Woche) und dazwischen und danach musst du üben.

Wie jetzt? Was passiert da genau?

Ich muss das hier jetzt natürlich verkürzt darstellen: Wir könnten z.B. erst mal rausfinden, warum du keine Lust zu den Hausaufgaben /Vokabellernen hast; es kann verschiedene Gründe haben, die dazu führen. Wenn man die geklärt hat, kann man mal sehen, wann du die Aufgaben machen musst, wieviel Zeit du dazu brauchst, was du bei der Organisation deiner schulischen Hausarbeit so verändern kannst, dass du die Pflicht, die du natürlich hast, so gestaltest, dass du sie nicht so wie eine Last empfindest , sondern wie eine Lust. Und dazu gehört z.B., dass man mit gemachten Hausaufgaben in der Schule Anerkennung bekommt und das Lernen einem leichter fällt, dass man Zeit einspart, Stress – z.B. mit den Lehrerinnen und Lehrern und Eltern – vermeidet.

So weit erst mal?

Ja, is gut.

Interview 1

Frau Erben-Wunder, wie kommen denn eigentlich die interessierten Paare zu Ihnen?

Es gibt ja mehrere Wege: sie rufen an oder schicken mir eine Email. Meistens müssen sie auf die Mailbox oder den Anrufbeantworter sprechen und ich melde mich dann zurück.

Und wie schnell geht es mit einem Termin bei Ihnen?

Ein Erstgespräch biete ich möglichst schnell an. Leider können aber viele Paare erst später am Abend; da wird es dann oft eng.

Ist ja aber auch ganz schön teuer bei Ihnen!  Wie kommt das denn?

Ja – das scheint so. Aber wenn Sie bedenken: davon muss ich Miete zahlen, Supervision, Weiterbildung, Fahrtkosten usw. Für mich ist es ja auch nicht die Stunde allein, sondern dazu kommt Vor- und Nachbereitung. Ich muss mir ja auch Gedanken machen, vielleicht etwas nachlesen…. Außerdem kommen die meisten Paare 2 mal im Monat, manche auch nur alle 4 Wochen. Das ist schon leichter zu verkraften.

Wie lang dauert denn so eine Paarberatung überhaupt?

Das hängt natürlich sehr vom Paar ab: was wollen sie alles klären? Wie viel Ressourcen hat das Paar. Lieben sie sich im Grunde noch oder ist schon viel Feindseligkeit da. Ich kann so ungefähr sagen: es sind im Durchschnitt so 6 bis 15 Termine.

Haben Sie schon mal einem Paar gesagt: das macht doch keinen Sinn mehr mit Ihnen?

Nein. Das fände ich anmaßend. Und woher soll ich das denn wissen? Ich kann ja auch nicht meine persönlichen Maßstäbe anlegen. Paare sind absolut unterschiedlich in ihren Werten, Wünschen und Vorstellungen.

Und haben Sie schon mal eine Beratung abgelehnt?

Ja – das habe ich. Wenn ich den Eindruck habe, das passt einfach nicht, die berühmte Chemie stimmt gar nicht. Oder wenn das Paar sich überhaupt nicht einigen kann, was es eigentlich miteinander will in so einer Paarberatung. Das ist aber bisher sehr selten vorgekommen.

Vielen Dank für das Gespräch

 

Kommentar zu Blindes Reisen

Ein Freund las den kurzen Dialog mit der Überschrift „Blindes Reisen“ und fragte mich schlicht, was das denn solle.
Ich gab ihm folgende Antwort: Das in diesem Dialog geschilderte Reisen ist das Übliche; man reist und spricht darüber. So weit, so gut. Es bleibt allerdings weitgehend folgenlos – was auch nicht weiter schlimm ist.
Da es sich allerdings um ein Blog zum Thema Coaching und Beratung handelt, bietet sich das Reisen als schöne Metapher an und Reisen im Sinne von Coaching ist nun doch etwas Anderes als oben Geschildertes.
Wenn ich mich auf eine Coaching-Reise begebe (und dafür auch relativ viel Geld ausgebe) erwarte ich, dass ich meine Reise mit Unterstützung durch den Coach so anlege, dass neue Eindrücke zu veränderten oder/und ganz neuen Sichtweisen/Bewertungen/Verhaltensweisen führen, die zu meinem Genuss und Wohlgefallen beitragen. Allerdings habe ich mich als Coachee dann doch mehr in die Reiseetappen vertieft, als das bei oben geschildertem Verhalten der Fall ist. Ich habe dabei doch nachhaltig Neues gesehen und erlebt.
Mein Freund war zunächst zufrieden mit dieser Antwort. Es könnte allerdings durchaus sein, dass er noch Fragen hat. Schaun mer mal.

Blindes Reisen

Gespräch von zwei Reisenden (Ausschnitt)

A: Ich war in Tombukti, schlimm wie arm die sind; Hotel war richtig gut, nich so ganz europäisch, aber sauber und kost nich viel, Pool und so, gutes Wetter, letztes Jahr warn wir ja in Südafrika. Schön da. Gutes Hotel, europäischer Standard.

B: Südafrika is richtig gut, Neuseeland is noch schöner, kost auch nich viel mehr und gute Hotels und die Leute sind unheimlich freundlich.

A: In Tombukti auch. Im Herbst fahrn wir nach Peking. Soll n gutes Hotel sein und die Straßennamen und so sind ja auch schon in unserer Schrift.

B: Peking will ich auch noch; Vietnam war ich letztes Jahr; alles sauber und interessant.

Usw.

Kommentar folgt.

Liebe auf Dauer?

Ein paar Gedankenschnipsel dazu – ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Wie schaffen es Paare, über viele Jahre zusammen zu bleiben? Wie kommen sie „heil“ durch Krisen, glückliche Zeiten, schwere Zeiten, älter werden, Kinder kriegen, Kinder gehen aus dem Haus usw. nicht nur zusammen zu bleiben,  sondern auch zufrieden und miteinander verbunden?

Arbeitsleben und Familienleben sind oft ein Gegensatz. „Mehr Geld führt oft zu weniger Ehe“ schreibt Arnold Retzer in seinem schönen Buch: „Lob der Vernunftehe – eine Streitschrift für mehr Realismus in der Liebe“. Das erinnert an die Kunst, abends und am Wochenende Schluss zu machen mit der Arbeit.

Liebe auf Dauer? Ist das nicht altmodisch in der Zeit des schnellen Wandels? Wozu sich mit aufwendigen Reparaturarbeiten aufhalten? Verpasse ich nicht tolle Gelegenheiten, wenn ich allzu lange ausharre?

Nach meiner Erfahrung sind die wichtigsten Säulen für Dauer, dass ein Paar sich Zeit füreinander nimmt und im Gespräch bleibt miteinander. Dass sie sich zuhöen und den anderen ernst nehmen!

Krisen können auch als Wachstumschancen genutzt werden von beiden, nicht nur als Anfechtung. Der andere fordert mich heraus zur Auseinandersetzung mit ihm und mir. Nichts bleibt auf Dauer wie es ist. Entwicklung ist immer.

Allzu hohe Erwartungen werden mit zunehmender Erfahrung zurück geschraubt: meine Lebensgefährtin ist nicht meine in der Erinnerung immer liebevolle und zugewandteMutter! Sie hat eigene Vorstellungen, eigene Ideen und ist nicht nur dafür da, mich glücklich zu machen! Mein Lebensgefährte ist auch mal wortkarg und verkriecht sich hinter dem Computer. Aber so war er schon immer! Ich habe ihn als ruhig und beständig, aber nicht als großen Redner lieben gelernt.

Eine grundlegende Weisheit  ist deshalb auch: es ist leichter und förderlicher, sich selber zu verändern, statt sich jahrelang damit abzumühen, den Partner verändern zu wollen. Warum haben Sie gerade diese Person geheiratet? Und nun wollen Sie ihn oder sie umkrempeln? Das wird nicht funktionieren und Sie machen sich nur beide unglücklich.