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Lebenskrise Ende des Berufslebens

In meiner losen Reihe über die Krisen im Lebenslauf schaue ich jetzt noch einmal auf das Alter. Ein großer Sprung von der Geburt des ersten Kindes zum Altwerden! Das passt aber gerade in meinen eigenen Lebenslauf. Die Pubertät der eigenen Kinder liegt bereits ein paar Jahre zurück – die Zeit, in der die Kinder erwachsen werden und ihr Leben in die eigene Hand nehmen ist noch gar nicht ganz vorbei – da gehen oftmals  letztes Kind in Ausbildung- Rente oder Menopause – erstes Enkelkind fast zeitgleich zusammen. Das ist ein gewaltiger Einschnitt, der von vielen unterschätzt wird.

Raus aus den vertrauten Zusammenhängen, der Austausch mit den KollegInnen, die Zeitstruktur. Das kann ganz schön traurig sein. Andererseits eröffnen sich neue Möglichkeiten, die bisher nicht oder immer nur am Rande gelebt werden konnten. Am besten, es gab davon auch schon vor der Rente einiges. Aus dem Nichts heraus ist es nicht einfach, neue Ansätze zu finden. Wer nie Zeit hatte, ein Buch zu lesen und meint, das ginge dann so einfach irrt sich. Stillsitzen und sich auf ein Buch zu konzentrieren, wenn man das vorher nie gemacht hat, ist gar nicht so einfach.

Die Kinder bekommen schon selber Kinder: der erste Enkel ist da! Das kann auch wieder daran erinnern, wie alt man dann schon ist: was geht NOCH und was geht nicht mehr? Die ersten Zipperlein sind bei den meisten schon spürbar. Andererseits: rührend, einem Winzling beim Wachsen zuzusehen – ohne die volle Verantwortung zu haben wie damals bei den Kindern! Mit Glück ein neues Verhältnis zu den Kindern! Auf Augenhöhe – wenigstens für eine gewisse Zeit – bis die Wippe sich zur anderen Seite neigt.

Mit Glück hat die RentnerIn noch einen Partner. Wichtige Frage: wie gut ist es um die Beziehung bestellt? Ticken wir ähnlich? Sind beide noch neugierig? Reden Sie miteinander? Mögen Sie sich noch? Gibt es noch eine lebendige Sexualität? Oder erwartet Ihre PartnerIn von Ihnen, dass Sie künftig jeden Schritt gemeinsam machen? Klammert er? Distanziert sie sich? Gehen Sie sich auf die Nerven? Denkt einer oder eine, die ewige Jugend mit einer Affäre zu bestätigen? Sitzt einer/eine nur noch gelangweilt vor der Glotze? Die alte Ehe wird so oder so wichtiger denn je und sollte gut gepflegt werden. Die Scheidungszahlen der Paare nach der Silberhochzeit nehmen zu. Besonders Frauen reichen die Scheidung ein: alte und neue Verletzungen, keine Gemeinsamkeiten mehr, denn die wurden schon seit Jahren nicht mehr gepflegt. So möchten viele nicht das letzte Lebensdrittel erleben. – Aber es könnte sich lohnen, sich gemeinsam um die Ehe zu bemühen und etwas dafür zu tun, neu aufeinander zu zugehen! Auch nach längerer Entfremdung ist der Weg zurück zueinander oftmals nicht unmöglich!