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Schmerzhafte Trennungen………….

In meiner Arbeit erlebe ich ja auch immer mal wieder, dass sich ein Paar während der Paartherapie trennt oder dass nach einer Trennung einer der Expartner sich Unterstützung sucht. Die Verfassung der Beteiligten erlebe ich als sehr unterschiedlich. Sehr oft liegt bei den möglichen Gefühlen die Wut obenauf: der oder die Verlassene aber auch der oder die Verlassende zeigen sich voller Groll und Empörung. Das hilft sicherlich, erst mal den Schmerz und die Angst vor der Zukunft in Schach zu halten.
Trennung und Scheidung sind ja heute kein gesellschaftlicher Makel mehr und kommen sehr häufig vor. Beinahe gelten sie als normal.
Man vergisst dabei aber, wie tief eine Trennung nach langer Beziehung gehen kann. Die Paare sind ja über die Dauer der Jahre miteinander verwurzelt, teilen ihr ganzes Leben miteinander. Freundschaften werden von einigen gepflegt, auch über die Zeit der Kindererziehung und des intensiven Familienlebens hinweg. Aber das tun nicht alle. Für viele ist die Familie außerhalb der Arbeit ihr Mittelpunkt und ihr einziger intimer Nahbereich. Immerhin, die Familie! Aber auch zu den Herkunftsfamilien bestehen nicht immer gute und nahe Beziehungen. Entfremdung, Entfernung, Gleichgültigkeit, alte Kränkungen führen bei manchen dazu, dass auch dort kein Hort ist für Trost und Verständnis. Dann bedeutet eine Trennung nicht nur den Verlust des Partners – der auch trotz heftigem Streit ja intensive Nähe bietet- sondern auch den Verlust von allen nahen Kontakten. Was kostet es da an psychischer Kraft, sich ein neues Leben aufzubauen? Wohin mit dem Schmerz und der Einsamkeit?

Und dann gibt es ja auch Angehörige, die das Schwiegerkind – die Schwägerin auch seit Jahren kennen und ins Herz geschlossen haben. Sie müssen dann hilflos zusehen, wie das Paar sich anschweigt, sich anschreit, die Kinder benutzt, Vorwürfe macht……… und dann womöglich auf einmal die langjährige Schwiegertochter, -sohn, die Tante oder der Onkel etc. aus dem Leben der Familie verschwindet. Samt Enkelkindern. Ja – inzwischen klagen schon Großeltern den Kontakt zu ihren geschiedenen Enkel.innen ein!

Mein Rat an die hilflosen Zuschauer.innen: haltet euch nach Möglichkeit raus aus den Konflikten. Unterstützt euren Sohn oder eure Tochter in der schweren Zeit – aber stimmt nicht ein in den Groll gegen das Schwiegerkind. Auch eure Tochter bzw. Sohn ist sicher kein Engel und hat ziemlich sicher einen Anteil an der Lage. Haltet euch zurück, damit ihr eine Chance habt, zum Schwiegerkind und/oder den Enkeln weiter oder wieder eine Beziehung haben zu können. Das ist nicht leicht – aber in den meisten Fällen möglich.