Alles klar?

Alles klar? Hm ja, dann sind die Schülerinnen und Schüler voll glücklich?

Naja, irgendwann – sagen wir: zufriedener.

Wann ist irgendwann?

Nach 5 Sitzungen stellen sich erste Erfolge ein.

So lange braucht das?

Gute Frage. Auch junge Menschen haben schon alte Gewohnheiten. Und dann soll ein Arbeitsgang mal ganz anders, oder sagen wir, verändert vonstatten gehen. Schüler oder Schülerin N. wird die Vokabeln anders lernen als bisher; Ziel ist weniger Last und mehr Effekt und damit mehr Lust. Allerings muss N. es auch anders und wie besprochen machen und probieren. Übrigens gebe ich keine Ratschläge, sondern die Schülerinnen und Schüler entwickeln mit meiner Unterstützung Wege für sich, die sind dann auch für sie plausibel.

In der folgenden Coachingsitzung können wir besprechen, was geklappt hat, was nicht. Mal geht´s reibungslos, mal nicht – so is dat Leben.

Kann aber auch sein, dass N. zur nächsten Sitzung nicht kommt, weil er/sie krank ist oder es vergisst. Beim letzten Grund haben wir wieder ein Thema; ein zentrales: Verlässlichkeit; bei allem Kind-Sein, gehört die Verlässlichkeit ganz seriös zum Schulalltag dazu. Is auch Pädagogik.

Noch Fragen?            Ja, gibt`s dafür Geld?

Allerdings.

Viel?

Viel fährt der Bauer aufm Heuwagen.

Einige Tage später:

Wie viel fährt der Bauer?

Warum ist das so wichtig für dich?

Nur so.

Ach so, na dann. Also: Schulen sind arm, sie können einen bescheidenen Honorarsatz zahlen; so weit wie Wirtschaftsunternehmen sind die noch nicht, was die Einsicht in den Sinn des Coachings und in den dafür auch höheren Preis betrifft. Allerdings entwickelt sich das Interesse in Schulen langsam.

Einige Geschichten zeigen übrigens, dass außer den Kindern auch manche Eltern die eine oder andere Coachingsitzung vertragen können – wenn man so hört, was den Kindern an Unterstützung fehlt; und damit ist nicht die Nachhilfe in Mathe, Griechisch oder sonstwo gemeint.

Wer lernt denn noch Griechisch?

Naja,ist doch n Beispiel; aber es gibt doch son paar altsprachliche Gymnasien noch. Egal, wenn aber so ein 10 Jähriges in der Früh nicht früh genug aufsteht bzw. geweckt wird um zu früstücken und rechtzeitig mit Bus, Fahrrad, Helikopter, zu Fuß PÜNKTLICH zur Schule zu kommen….

Mein Freund glaubte nicht richtig gehört zu haben: Helikopter?

Naja im Stadtgebiet vielleicht nicht, vielleicht hab ich das mit den Helikoptereltern auch falsch verstanden.

…dann ist das Wesen am sog. oberen Ende der Leine in der Pflicht und wenn die Tochter ab einem bestimmten Alter bis zwei vor 8 das Bad oder der Sohn bis fünf vor 8 das Bett nicht verlässt bei einem Schulweg von drei bzw. 10 Minuten, etcetera pp. dann kann ab einer bestimmten komplexen Konfliktlage (oder weniger elaboriert: es nervt alle tierisch) ein Coaching Linderung und Lösung verschaffen.

Kostet dann aber mehr, als wenn nur die Kinder kommen? fragte mein Freund, der offenbar (allerdings ohne realen Grund) um mein ökonomisches Wohl besorgt war.

Ich konnte ihn beruhigen, legte aber ab sofort Wert darauf das Thema Honorar nun nicht weiter zu strapazieren.

Mein Freund schwärmte von den Angeboten, die Schülerinnen und Schüler heutzutage gemacht werden; wenn er das damals auch gehabt hätte…. .

Hätte, wäre, wenn usw. Aber schauen wir uns nochmal die Realität an: Den Kindern wird das Angebot gemacht zum Lerncoaching zu gehen, dabei ist jedoch schon das Wort „Angebot“ eine nette Umbenennung für „Aufforderung“ zum Förderunterricht zu gehen. Im günstigen Fall liegen diese Förderstunden nicht am Freitag nach dem Unterricht. Günstige Fälle sind aber selten. Die müssen also dahin. Wir Erwachsenen halten es für förderlich, die Kinder halten die Freizeit für viel förderlicher, kommen aber (meistens) BRAV!

Haben aber keinen Bock? (Mein Freund konnte sich sofort in die Situation versetzen, auch wenn er kurz vorher solche Förderprogramme gern in seiner Schulzeit gehabt hätte… .)

Stimmt. Im Fachjargon nennt man das, was da erstmal mitgebracht wird: Reaktanz; man kann es auch Widerstand oder Bocklosigkeit nennen.

Und nu?

Tja, ich akzeptiere das, teile den Schülerinnen bzw. Schülern aber mit, dass ich einen Auftrag habe und frage sie, ob sie denn wissen, warum sie kommen müssen. Manchmal müssen wir danach noch recherchieren, manchmal ist vor lauter Unlust aber auch zunächst das Gehirn blockiert und das dauert dann, bis klar ist, was die Jungs und Mädels bei Coaching sollen. Läuft daraus hinaus, dass wir die Alternativen erarbeiten: Was passiert, wenn du nicht kommst, welche Vorteile kannst du erwarten, wenn du mitmachst? (Wobei ich fairer Weise sagen muss, dass ja die Katze im Sack gekauft wird, die Schülerinnen und Schüler wissen nicht, was auf sie zu kommt.) Schnelle Erfolge, also ganz schnelle Erfolge sind eher selten – wobei: Wir fangen klein an und da gibt`s dann schon kleine Erfolgserlebnisse, wenn… .

Wenn was? fragte er

Kommt in der nächsten Folge. Nach den Ferien.

Gruppencoaching 1

Heute hab ich mit Erwachsenen zu tun; Gruppencoaching quasi, mit Einsprengseln von Einzelcoaching. Das Thema? Hm, das müssen wir in der Gruppe klären… (Ich muss die Coachees übrigens selbstverständlich anonym halten). Herr S. fing an: Ich , wir erwarten, dass diejenigen, die jetzt die Verantwortung haben, ihrer Pflicht nachkommen und unsere Auflagen im eigenen Interesse erfüllen, dann ist die Sache ganz schnell erledigt und wir müssen nicht hier in diesem Stuhlkreis blöde Spielchen machen.

Der Coachee, der angesprochen worden war, nennen wir ihn So., sagte, dass ihm die sogenannten eigenen Interessen nicht ganz so klar seien, wie sie offenbar Herrn S. klar seien, der möge doch bitte zur Kenntnis nehmen, dass – nach allem, was man sich bisher, vor diesem Coaching, mitgeteilt habe -man mit der bisherigen Erfüllung der Forderungen nicht weit gekommen sei, teilweise habe man ganz schlimme Erharungen gemacht.

Bevor Herr S. und andere, die zu dessen Fraktion gehörten, dazu etwas sagen konnten, schaltete sich der Coach ein: (gedacht: na, das ist ja ein einfaches Thema)und sagte: Wir stellen also zunächst als Thema fest, dass bei der Erfüllung der Pflichten – man kann wohl sagen: entgegengesetzte Auffassungen vorliegen. Ich schlage vor, dass Sie zunächst jeweils Ihre Positionen darlegen, wir werden diese visualisieren und dann daran arbeiten.  Sind Sie einverstanden? Auf der Seite von Herrn S. viel Unruhe, Reaktanz und Bemerkungen wie: Ist doch schon alles gesagt.

Der Coach ging darauf ein: Mag sein, dass schon alles gesagt ist, dennoch sieht es so aus, dass einige Teilnehmer, das nicht so sehen und daraus entstehen dann auch Missverständnisse, Animositäten und ähnliches mehr und Sie sitzen alle hier um Lösungen zu finden. Was spricht denn außer Ihrer Aussage, dass schon alles gesagt sei noch gegen das Verfahren?

Es sei zu aufwendig – was sie denn statt dessen machen wollen.? Nun begab man sich in einen Kreis, indem aus der Gruppe von Herrn S. Herr H. sagte, die anderen sollten einfach nur die Auflagen erfüllen!

Als das ausgesprochen war, war den meisten klar, dass diese wiederholte Forderung nicht weiter führend wird. Der Coach bat die Herrschaften also nun die Vorstellungen, Positionen, wie oben gesagt, zu formulieren und zu visualisieren.

Hier mache ich mal eine Unterbrechung, es dauerte eine Weile, bis alles geschrieben worden war, einige hatten eine saumäßige Handschrift und mussten noch korrigieren bzw. neu schreiben – das galt für beide Gruppierungen. Später mehr.

Der Prozess musste unterbrochen und verändert werden, die Gruppen schauten wechselseitig, was die anderen schrieben und wollten sie jeweils dazu bringen, einige Aussagen zu verändern oder zu streichen, kommentierten mit: Son Quatsch, ihr habt doch Schuld, Unsinn, strengt euch gefälligst mehr an usw. Der Coach trennte die Gruppen kurzerhand räumlich (gestand sich den Fehler ein, das nicht von Anfang an gemacht zu haben).

Gruppencoaching 2

Nach einer langen Zeit (Coach musste zweifach Verlängerung einräumen) kamen die Gruppen dann mit langen Listen wieder in den gemeinsamen Arbeitsraum. Schweigend, angespannt schweigend, wurden die Themenlisten an Wänden aufgehängt. MIt mühsam diszipliniertem, agressivem Unterton fragte ein Coachee den Coach, ob man nun mal schauen dürfe, was die anderen so geschrieben hatten. Ja, nun durfte man… .Äußerst konzentriert ging man ans Werk, die Blazer, Sakkos wurden abgelegt, Krawatten gelockert, Hemden um einen weitern Knopf geöffnet. Ob man bei den anderen Kommentare dazu schreiben könne? Nein, das geht nicht. Warum nicht?

Coach bat die Gruppen ihr Lesen kurz zu unterbrechen um die Frage zu beantworten: Es geht darum die Positionen zur Kenntnis zu nehmen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und eine Lösung zu finden – der Weg dahin muss so rational wie möglich sein, darf nicht durch Störaktionen, Verfälschungen, permanente Kommentare und Gegenkommentare u.ä. undurchschaubar gemacht werden.

Diese Regel führte zu wildem Widerstand; Tenor: Schließlich geht es darum, wer recht hat und das mit den besseren Argumenten begründen kann.

Coach überlegte kurz eine Pause einzulegen, entschied sich aber für 15 Minuten „Feuer frei“ (diese martialische Metapher möge verziehen werden; es geht dabei tatsächlich um ein wildes, teilweise aggressives Vorwürde Machen, Diskutieren) ohne Leitung (mutig, mutig, nicht unbedingt die „reine Lehre“…) Und so war`s dann auch. Manche zogen Zeitungen und andere Papierstücke hervor um die eigene Position zu stärken, andere zogen andere Zeitungen und Papierstücke zum selben Zweck hervor; jemand wollte einen Fernseher und ein Abspielgerät, was aber technisch nicht möglich war, dann wenigstens eine Stellungnahmen vom iphone (Podcast). Danch war dann wg. Erschöpfung Zeit für eine Pause. Klar war jedenfalls nichts geworden.

Gruppencoaching 3

In den folgenden Sitzungen, die jeweils 90 Minuten dauerten, was einige Teilnehmer unter ihrer Würde befanden, sie waren durchweg längere Sitzungen gewöhnt, ging es hoch her: Sachargumente gegensätzlicher Provenienz, emotionale Zischeleien, Anbiederungsversuche, Wutschnauben, Alkoholeinfluss (diese beiden Teilnehmer wurden von den weiteren Coachingsettings ausgeschlossen) gestalteten vitales Miteianander. Letztlich gipfelte jede Sitzung in gegenseitigen Vorwürfen zuviel bzw zu wenig getan und geboten zu haben.

Zu Beginn der vergangenen Sitzung erzählte der Coach eine kleine Begebenheit aus dem Leben eines Sparkassenangestellten und eines seiner Kunden. Dieser Kunde oder diese Kundin (Geschlecht ist schnuppe) hatte unter günstigen Bedingungen (jung, interessiert, Aussicht auf einen anständig bezahlten Job + Konsumgier u.ä.) schließlich das Girokonto kräftig überzogen, die Einkünfte reichten nicht mehr zum Ausgleich. Der Sparkassenkunde sprach mit dem Sparkassenagestellten über das Problem – und da keine exorbitanten Einkünfte in Kürze zu erwarten waren, nahm der Kunde das, was Sparkassen und Banken gern geben: Einen Kredit im ganz niedrigen 5-stelligen Bereich; zack das Konto war ausgeglichen, die Zinsen für diesen Kredit waren niedriger als der Dispo. Der Kunde brauchte eine Weile dazu, das Geld zurück zu zahlen. Er/Sie verzichtete an Aspekten des Konsums hatte aber immer noch genug Geld zum quasi menschenwürdigen Leben: Er/Sie wohnte schlicht aber bequem, aß und trank (nicht in Restaurants), ging zum Arzt, wenn nötig und ins Kino, wenn es einen guten Film gab, dito Theater – auch wenn es nicht mehr ganz so oft war wie früher usw.

Nach fünf Jahren war die Sache erledigt und die vergangene „Durststrecke“ war mit Getränken so weit versorgt, dass keine Gefahr bestand zu verdursten.

Gruppencoaching 4

Nach dieser kurzen Erzählung verließen Mitglieder der einen Gruppe den Raum und schleuderten dem Coach ein: Wir sind doch hier nicht in einer Sparkassenfiliale, es geht um Größeres! zu. Mit den Verbliebenen besprach man, was dieser Verlauf für den vorliegenden Fall bedeuten kann:

Man erkannte eine große Bedrouille, in die der Sparkassenkunde sich selbst manövriert hatte.

Man stellte fest, dass er/sie bereit war die Konsequenzen zu tragen.

Die Konsequenzen jedoch mussten erträglich sein und nicht als Bestrafung angesehen werden. Verdursten darf eben nicht sein!

Die Lösung kam durch die Eigenleistung zustande.

Gruppencoaching 5

Dieser letzte Aspekt bot für den vorliegenden Fall allerdings Anlass differenziert in die komplexe Problemlage des im Coaching zu klärenden Falles einzusteigen. Diejenigen, die den Raum unter Protest verlassen hatten, blieben weg. Die anderen gerieten sich nach kurzem Analyseversuch der Beispielgeschichte „heftig in die Haare“ – immerhin kam es ausschließlich zu verbalen Hässlichkeiten – der Coach stellt fest: Es hat viele Verletzungen gegeben, das Vertrauen ist kaum noch vorhanden, die Bereitschaft zu einem Kompromiss zu kommen, besteht (noch lange) nicht. Mit der Zeit ging die Energie aus, der Terminplan erzwang zudem ein Ende der Sitzungen. Coach verabredete mit den jeweiligen Parteien Einzelgespräche und bat diejenigen, die vorher gegangen waren wieder an den Verhandlungstisch zu kommen.

In den getrennten Gesprächen mit den Gruppen erarbeitete man Punkte/Aspekte, in denen Kompromissfähigkeit möglich sein könnte. Vor allem aber stand die Frage, ob man denn zu einer Verständigung und zu einer Lösung überhaupt noch kommen wolle. Beide Gruppen bejahten dies, denn – so wurde festgestellt – ein Bruch werde mehr schaden.  Coach schlug nun vor die weitere Arbeit unter ein für alle Beteiligten  und besonders auch für die, die von der weiteren Arbeit der Streitenden abhängig waren, konstruktives Motto zu stellen. Als die Ratlosigkeit dazu dauerte, machte er einen Vorschlag:

Gruppencoaching 6

Wir sprechen ausschließlich über die Zukunft. Es geht um die erfolgreiche weitere Existenz des Unternehmens. Wir arbeiten im materiellen und ideellen Interesse der Angehörigen unseres Unternehmens; diejenigen, die viel haben – und diese Größe muss noch festgelegt werden – werden für die Rettung stärker belastet. Alte Regelungen, die einer Rettung im Weg stehen, die einzelne Gruppen privilegieren andere dadurch so belasten, dass sie vollkommen unangemessen leiden bzw. unangemessen große Anteile an der Rettung haben, werden annulliert und durch Regelungen im Sinne der Rettung ersetzt. Wir werden uns um neue Aufträge kümmern, unsere Produkte sind durchaus begehrt. Wir setzen Vertreter unserer Gruppen zur detaillierten Arbeit an diesem Programm ein; der Coach achtet auf die Durchführung im Sinne der vorstehenden Zeilen.

Es stand „auf des Messers Schneide“, wie man so sagt. Viel zu viele Stimmen hatten sich immer wieder eingemischt, einigen der Kommentatoren schien ein konstruktiver Ausgang scheißegal zu sein. Die unmittelbar beteiligten Akteure balancierten auf der Schneide; als  festgestellt wurde, dass diese Balance mit einiger Beherrschung und Zielstrebigkeit gehalten wurde, wurde das Geschrei der Destruktiven  geringer; hin und wieder brüllte eine Stimme, als jedoch kein Chor einstimmte und niemand mitbrüllte, wurden die Balancierenden nicht aus dem mühevoll gehaltenen Gleichgewicht  gebracht und konnten ihre Aufgabe erfolgreich lösen.

Coach war froh, dass es sich in diesem Fall um die Rettung eines bedeutsamen Sportvereins handelte – aber warum sollte man nicht auch so ein Coaching für andere gesellschaftliche Problemlagen ansetzen…. ? Manchmal muss man neue Wege gehen….