Großelternsein? Wie?

Mehrmals in diesem Jahr hatte ich mit Paaren zu tun, die unter ihren Schwiegereltern litten. D.h., als Eltern waren diese Großeltern völlig „normal“: Meist finden wir ja die eigenen Eltern völlig normal – schon, weil wir andere Eltern oft nur aus der Entfernung kennen. Aber auch, weil wir schließlich in DIESER Familie aufgewachsen sind und die Regeln, Abläufe, das Konfliktverhalten etc. aus dem Effeff kennen.
Jetzt kommt dann aber der Lebensgefährte dazu. Dieser erhält auch tiefen Einblick in das Geschehen der angeheirateten Familie – bringt aber einen anderen Blick mit – nämlich den aus der eigenen völlig „normalen“ Familie. Schon das gibt manchmal erstaunliche Erkenntnisse für den/die andere!

Oftmals geht alles soweit einigermaßen gut- mehr oder weniger. Dann aber der große Einschnitt: in der Lebensgemeinschaft der Kinder kommt das erste Kind auf die Welt: Jetzt kommt es drauf an: wie stellt sich die Schwiegerfamilie zur neuen Kleinfamilie? Und die Schwiegertochter/der Schwiegersohn bringt  ganz eigenen Vorstellungen mit in die Beziehung, welche Grundsätze es geben soll für das Verhalten gegenüber den Kindern. Das Paar hat die Aufgabe, einen gemeinsamen Weg zu finden – d.h., aus den je eigenen Vorstellungen von Familie (die sich sehr unterscheiden können) ein neues gemeinsames Ganzes zu kreieren.

Manchen Eltern bzw Schwiegereltern fällt es sehr schwer, sich bei diesem Thema heraus zu halten: Das eigene gelebte Modell ist eben das „Normale“ – das andere fremd und unverständlich.

Vor allem der verständliche starke Wunsch nach dem Kontakt mit dem Enkelkind nach den eigenen Regeln kann zu Problemen mit dem Schwiegerkind führen. Warum denn keine Süßigkeiten? SO streng muss man ja nun auch nicht sein! Warum nicht immer mal wieder Geschenke machen? Wieso nicht diesen netten Kinderfilm erlauben?

Klar ist es zuviel verlangt für Großeltern, alles genau nach vorschrift zu machen. Kinder lernen schnell, dass anderswo auch andere Regeln gelten. Aber wenn es um Grundsatzfragen geht, dann kann es schwierig werden. Wenn dann immer wieder Wünsche der Eltern missachtet werden, dann können  ernste Konflikte entstehen. Der eigene Sohn oder Tochter kann in Loyalitätskonflikte kommen oder sich als Prellbock oder Dauervermittler fühlen und damit sehr unwohl. Wie schade für alle Beteiligten!

Also Eltern und Schwiegereltern: seid vorsichtig! Die neue Familie entscheidet, was wie laufen soll – nicht ihr! Haltet euch an die Wünsche und Vorstellungen des Paares (und insbesondere der Mutter) wenn ihr einen guten Kontakt behalten wollt!
Auch wenn ihr denkt, dass die Jungen ja spinnen! Lasst sie! Sie haben jedes Recht dazu, ihre eigenen Vorstellungen und Ansichten durchzusetzen! Es sei denn natürlich, es passieren gefährliche Dinge oder ihr beobachtet einen gewalttätigen Umgang mit den Enkeln. Das wäre ein anderer Fall. Da müsstet ihr an das Kindeswohl denken – wie übrigens alle anderen auch.

Sonst aber: raushalten und Respekt zeigen! Ihr seid jetzt in der 2. Linie! Ihr hattet eure Chance, gute Eltern zu sein. Jetzt sind die anderen dran. Lobt sie so oft es geht: junge Eltern sind ja auch oft unsicher. Bietet Unterstützung an – aber drängt euch nicht auf! Und seid nicht beleidigt, wenn es anders läuft, als ihr es euch wünschen würdet. Respektiert auch das Nähe- oder Abstandsbedürfnis der neuen Familie – auch wenn es schwer fällt. Widerstehen Sie der Versuchung über das eigene Kind (Sohn oder Tochter) Einfluss nehmen zu wollen. Damit tragen Sie nur dazu bei, das Paar zu spalten und handeln sich ziemlich sicher viel Ärger ein! Mit einem Ihretwegen streitenden Elternpaar haben Sie Ihrem Enkelkind und sich selbst garantiert keinen Gefallen getan. Und dem soll es doch gut gehen, oder? Und Sie möchten doch den Kontakt auch nicht verlieren.