Category Archives: Coaching

Angebot während der Corona-Zeit

Ja – der Mensch wird erfinderisch, wenn es sein muss! Inzwischen habe ich bereits einige Paarberatungen mittels Videokonferenz durchgeführt mit den KlientInnen, die sich darauf einlassen mögen. Es geht besser als ich befürchtet hatte. Die bisherigen Rückmeldungen sind auch positiv. Ein weiterer Vorteil: es gibt keine so enge Zeitbindung mehr. Es können individuell passende Zeiten abgesprochen werden – anders als im Praxisraum, der ausschließlich freitags zur Verfügung steht.
Einige Dinge müssen natürlich besprochen werden: gelingt es, dass die Kinder in dieser Zeit nicht unterbrechen? Das hängt unter anderem vom Alter der Kinder ab. Auch sonstige Störungen sollten so weit möglich ausgeschlossen sein. KlientInnen müssen mehr für sich selbst sorgen und ansprechen, wenn sie sich nicht wohl fühlen – da im Monitor nicht der ganze Mensch zu sehen ist. Es ist möglich, Pausen zu machen.

Nicht alle Arbeitsmöglichkeiten stehen zur Verfügung, wie z.B. die Nutzung des Familienbretts – aber ich denke, mit zunehmender Erfahrung wird man kreativer.
Ein wichtiger Punkt ist die Datensicherheit. Bisher arbeite ich mit Zoom. Dazu gibt es auch Kritik ebenso wie zu Facetime und anderen. Ich bin weiter auf der Suche nach Plattformen mit ausreichender Sicherheit. Alle Beteiligten sollten sich überlegen, ob sie sich unter diesen Bedingungen auf das Experiment einlassen können und wollen. Es kann gerne erst mal eine Probe-Viertelstunde vereinbart werden, die kostenlos ist – um zu erproben, ob die Beteiligten sich anfreunden könnten mit der Methode.

Herbstgedanken

Der lange, heiße und trockene Sommer ist vorüber. Die einen sind traurig darüber und denken: Endlich mal richtig warm und sonnig; gut für die Seele! Die anderen sorgen sich eher um die Klimaveränderungen und den Stress, den die Dauerhitze für Pflanzen und Tiere bedeutet hat. Beides hat ja seine Richtigkeit. Jetzt jedenfalls kommt die Jahreszeit, in der wir wieder viel Zeit in Haus bzw Wohnung zubringen werden und wir der dort vorherrschenden Atmosphäre weniger gut ausweichen können: dicke Luft? Oha! Da hilft keine Flucht, da hilft nur: den Stier bei den Hörnern packen und das Gespräch suchen. Wo liegt etwas im Argen? Wo muss etwas geklärt werden? Wo sind wir uns fremd geworden? Was brauchst du jetzt? Was brauch ich jetzt? Wann nehmen wir uns Zeit dafür? Hoffentlich haben wir nicht allzu lange aufgeschoben, was mal gesagt werden müsste…… Das macht den Einstieg schwerer. Was sind dabei bewährte „Hausmittel“, die helfen können? Zu den guten Rezepten gehört die richtige Ansprache: d.h., es ist wichtig, nicht mit der Tür ins Haus zu fallen sondern einen günstigen Zeitpunkt zu finden. Es ist oft auch nützlich, vorher anzukündigen, dass es etwas zu besprechen gibt und Ort und Zeit zu vereinbaren. Wahrscheinlich haben alle Beteiligten schon Erfahrungen gemacht damit, was gut ankommt und womit mehr Ärger als nötig erzeugt wird. Bei schwierigen Themen kann es sein, dass nicht gleich eine Lösung gefunden wird oder sich schon viel Frust angesammelt hat. Dann kann es gut sein, das Gespräch nicht allzu lang auszudehnen. Lieber einen Punkt machen und erst mal verdauen. Dann zu einem anderen Zeitpunkt weiter reden. Manche möchten gerne unbedingt abends versöhnt ins Bett gehen können. Was aber, wenn das einfach nicht möglich ist z.B. weil Versöhnung nicht so einfach ist? Dafür kenne ich auch kein Patentrezept. Manchmal hilft es, sich dann erst mal auf sich selbst zurückzuziehen und die Wunden zu lecken. Oder auch mit jemand zu reden, der zuhört ohne gleich die ultimativen Tipps zu geben. Allerdings bloß nicht mit den eigenen Kindern, wenn es den Konflikt mit dem Vater oder der Mutter der Kinder gibt! Das ist tabu. Lieber mit jemand Außenstehendem, der oder die nicht unedingt etweas mit dem Konfliktpartner/-in zu tun hat.

Nettikette in der Beratungsarbeit

Das Wort stammt aus dem Umgang im sogenannten sozialen Netz. Ich finde es witzig und ja auch eine passende Bezeichnung. Man muss nun nicht immerzu nur „nett“ sein – das meine ich nicht. Aber auch nicht unhöflich, beleidigend und natürlich schon gar nicht abwertend.

Auch in der Beratungsarbeit gibt es Regeln im Umgang miteinander. Dazu gehört z.B. die Verabredung und die Einhaltung von Terminen. Dazu gehört auch, dass Termine abgesagt werden, wenn sie nicht eingehalten werden können. Und das auch möglichst rechtzeitig. Außerdem müssen abgesagte Termine bezahlt werden, wenn die Absagen zu spät kommen. Denn die Beraterin lebt ja von ihrer Arbeit. Sie (er natürlich auch) muss den Raum bezahlen, die Supervision bezahlen, die Krankenkasse, die Haftpflichtversicherung, die Fortbildungen etc etc – auch wenn die vereinbarten Termine kurzfristig abgesagt und nicht nachbesetzt werden können.

Zur Nettikette im Umgang gehört z.B. dann auch, nicht beleidigt zu sein, wenn die Beraterin dann  wirklich und wahrhaftig das Ausfallhonorar in Rechnung stellt, das vereinbart wurde!

Und  ganz wichtig ist es, sich zu verabschieden, wenn das Paar bzw. die KlientIn entschieden hat, die Beratung oder Therapie zu beenden. Das kann notfalls auch telefonisch geschehen. Besser und schöner ist es aber, ein Abschlussgespräch zu führen. Das ist für beide Seiten gut:

Für die Klienten, indem sie noch mal Revue passieren lassen: wie sind wir her gekommen? Was hat sich verändert? Wie haben wir das geschafft? Was hat geholfen während der Therapie? Das gibt Selbstvertrauen; „Wir schaffen es, auch aus einem Tief heraus zu kommen!“

Aber auch für die BeraterIn ist ein Abschlussgespräch gut und nützlich: was ist wie angekommen? Fühlten sich die KlientInnen unterstützt? Wodurch? Womit aber vielleicht auch nicht? Wie sehen die Klienten ihren Veränderungsweg? Habe ich sie wirklich verstanden?

Noch ein anderes Thema sind die Terminvereinbarungen: wegen der Schwierigkeit, sich telefonisch zu erreichen, gibt es öfters Terminwünsche bzw -vorschläge per AB, Mailbox, WhatsApp, sms oder Email. Ausgesprochen hilfreich und freundlich (aber auch wichtig) ist es, dann auch auf ein Terminangebot umgehend zu antworten und nicht tagelang damit zu zögern. Die BeraterIn/der Therapeut hat ja nicht nur einen Klienten sondern mehrere und muss jonglieren mit Terminen. Wenn ich dann großzügig oder auch leichtsinnig 3 Alternativen anbiete, dann ist klar, dass höchstens eine davon genommen wird. Die anderen werden dringend für andere Vereinbarungen gebraucht. Das kann ganz schön aufwendig und nervig werden, wenn dann mehrere Antworten längere Zeit ausstehen.

Zum Schluss aber: meistens klappt alles super! Da muss ich wirklich meine KlientInnen loben und mich herzlich für die meistens gute und verlässliche Zusammenarbeit bedanken!

 

 

Kontaktabbrüche – grausam aber wahr

Immer mal wieder kommt ein älteres Ehepaar zu mir mit der bitteren Klage, eines ihrer Kinder verweigere den Kontakt oder auch den Kontakt zu den Enkelkindern. Aber auch im Freundes- und Verwandtenkreis höre ich von solchen Ereignissen. Es kann sich dabei um ein befristetes Ereignis handeln – aber auch jahrelang dauern – womöglich niemals enden! In einem Fall hörte ich von dem Kontaktabbruch eines Bruders, der nicht einmal wollte, dass der Bruder zu seiner Beerdigung kommen durfte! Und dieser Bruder hat niemals erfahren, womit er diese Strafe verdient hatte. Ob es überhaupt eine Schuld seinerseits gab oder der Bruder ganz andere innere Gründe hatte, sich dauerhaft zurückzuziehen.

Die Betroffenen rätseln häufig, was denn wohl der Grund sein könne, ihnen quasi zu kündigen. Manche wissen es auch im Falle eines offenen Konfliktes. Dennoch schwer zu ertragen, wenn daraufhin jedes Versöhnungsangebot zurück gewiesen wird. Schlimmer aber doch wenn der/die Betroffene nicht erfährt, warum ihm so geschieht. Und jede Klärung verweigert wird. Solche Ereignisse können nicht vergessen werden.

Insbesondere bei nahen Verwandten bleibt eine Wunde, die so ohne weiteres nicht verheilen kann. Wie aber kann es gelingen, innerlich wieder frei zu werden, sich eventuell selber zu verzeihen? Denn eine abgebrochene Beziehung ist häufig auch mit Schuldgefühlen verknüpft: was habe ich bloß falsch gemacht – ist die quälende Frage.

Katharina Ley hat ein sehr schönes Buch dazu geschrieben, das auch Hilfen aufzeigt, wenn die andere Seite nicht zur Versöhnung bereit ist: Versöhnung lernen – Versöhnung leben. Wege zur inneren Freiheit. Es geht dabei auch um die Fähigkeit zu verzeihen, denn Wut und Groll vergiften nicht nur Beziehungen sondern auch den Verlassenen/die Verlassende selber. Es richtet sich also an beide Seite: den/die Unversöhnliche und den/die Ausgegrenzten.

Was wird aus den Kindern?

40 – 50 % der Ehen werden irgendwann wieder geschieden. Und sehr oft sind Kinder davon betroffen.

Manche denken, besonders die Scheidung trifft die Kinder und das sollte man ihnen doch nach Möglichkeit ersparen.

Stimmt! Wenn die Eltern eine hinreichend gute Ehe führen, gut Freund miteinander sind und ihre Konflikte in konstruktiver Weise ausfechten können!

Stimmt nicht, wenn über lange Zeit unproduktiver Streit, Lieblosigkeit, womöglich körperliche oder psychische Gewalt ausgeübt wird oder auch, wenn überwiegend eine feindselige, verächtliche Stimmung zwischen den Eltern dominiert.

Manche Paare suchen dann Unterstützung, z.B. bei einer Paarberatung. Andere nicht. Dann ist es irgendwann besser – auch für die Kinder, wenn sich das Paar trennt. Denn was sollen die denn in so einer Familie lernen? Jedenfalls nicht, wie man miteinander gut auskommen kann.

Im Falle einer Trennung ist es aber absolut wichtig, dass nicht die Kinder zu Schiedsrichtern gemacht werden, dass nicht auf dem Rücken der Kinder das Gezerre der Eheleute weiter geht und dass nicht der eine Elternteil von dem anderen verurteilt wird!

Der Kinderschutzbund hat einen sehr guten „Wegweiser für den Umgang nach Trennung und Scheidung“ heraus gegeben. Die können Sie sich leicht über das Internet bestellen. Außerdem beraten die Erziehungsberatungsstellen. Sie helfen, gute Lösungen zu finden für die Zukunft der Kinder. Was ist für sie das Beste? Nicht der Egoismus der Eltern oder der Wunsch, dem anderen noch einen mitzugeben soll da entscheiden, sondern das Wohl der Kinder.

Das verzeih‘ ich dir nie!

Vergeben, sich versöhnen: es gibt kaum etwas, was schwieriger ist! Und doch kommt kein Mensch durchs Leben ohne mit Schuldfragen konfrontiert zu werden. Unversöhnlicher Groll ist bitter und macht unfrei. Wie oft höre ich den Satz: zu meinen Eltern (oder Geschwistern, oder einem ehmals sehr guten Freund) gibt es keinen Kontakt mehr! Oder: das kann ich meinem Mann/meiner Frau einfach nicht verzeihen. Diese Schuld steht zwischen uns.

Es ist aber so, dass durch den Kontaktabbruch nichts geheilt werden kann. Der Schmerz bohrt weiter, der Groll vergiftet das Leben auch ohne den ehemals geliebten Menschen zu sehen oder zu sprechen.

Was ist aber, wenn eine Seite sich versöhnen will – die andere das aber ablehnt? Wie lässt sich Versöhnung anbahnen? Und was heisst das eigentlich? Voraussetzung wäre die Bereitschaft, zu hören und anzunehmen, welchen Schmerz oder Kummer ich dem anderen gemacht habe. Oft ist ja auf beiden Seiten Schmerz und Verletzung da. Das ist bereits eine wichtige hohe Hürde. Es ist schwer zu ertragen, sich schuldig gemacht zu haben und wahrzunehmen, wie der andere darunter leidet. Und es ist schwer, die eigene Verletzlichkeit zuzulassen und zu zeigen. Wut und Empörung sind einfacher!

Und was ist mit unverzeihlichen Verletzungen – z.B. durch sexuellen Missbrauch? Oder mit Menschen, die bereits verstorben sind? Mit denen wir gar nicht mehr persönlich Kontakt aufnehmen können? Wie geht da Versöhnung bzw. Aussöhnung? Es heisst ja so etwas kryptisch: er/sie hat ihren Frieden damit gemacht. Wie geht das?

 

Frauen/Männer, die zu sehr lieben?

Derzeit lese ich das Buch von Robin Norwood: Wenn Frauen zu sehr lieben. Die heimliche Sucht, gebraucht zu werden. Auf englisch: Women who love too much. When you keep wishing and hoping he’ll change“. Der trifft es besser als der deutsche Titel.
Es wurde 1985 geschrieben und geht um die Frage, warum Frauen sich immer wieder Partner suchen, für die sie sich aufopfern und unter denen sie leiden – bis hin zu gewalttätigen Partnerschaften. Immer in der unerfüllten Hoffnung, sie könnten ihren Partner verändern.
Eigentlich geht es um helfen wollen und Kontrolle ausüben aus Angst, quälende negative Kindheitserfahrungen zu wiederholen. Eine Passage in dem Buch finde ich besonders berührend und wahr: „Niemand kann uns genügend lieben,………., solange wir uns nicht selbst lieben. Wenn wir mit unserer inneren Leere losziehen, um nach Liebe zu suchen, dann können wir nichts anderes finden als noch mehr Leere“.
Wie wahr. Und außerdem: einen anderen Menschen ändern zu wollen ist sowohl anmaßend als auch vergebliches Tun!

Lerncoaching

Ich habe mich von meinen bisherigen Themen mit dem letzten Eintrag (Olympia2024 fällt aus) offenkundig weg bewegt – allerdings hat mich das Thema auch sehr bewegt!

Nun aber zurück zum Coaching.Seit einiger Zeit coache/betreue ich ein Schulkind direkt an der Schule. Es handelt sich um die sog. Schulbegleitung. Diese Schulbegleitung beantragen Lehrerinnen/Lehrer für Schülerinnen bzw. Schüler, für die der alltägliche Schulbesuch :

  • nicht gewährleistet ist;
  • häufig am Tag früher beendet wird, als planmäßig vorgesehen –
    z.B. durch verschiedene Verhaltensweisen wie Regelverstöße aller Art;
  • durch verschüttete Ressourcen eine Qual ist, durch die sie nicht lernen können, sondern sich destruktiv verhalten
  • von den Erziehungsberechtigten und den Lehrerinnen und Lehrern nicht verlässlich gewährleistet werden kann. (Letztere müssen sich auch noch um viele anderen Kinder kümmern; erstere haben teilweise z.B. selber Probleme mit der Verlässlichkeit).
    Dies sind nur ein paar Aspekte einer komplexen Sachlage. In den folgenden Berichten wird exemplarisch deutlich um was es u.a. geht und wie ich als Schulbegleiter für das jeweilige Kind agiere.

Ich begleite L. Das ist ein – wie man so schön sagt – aufgewecktes Kind von 10 Jahren; schnell in seiner Auffassung, kooperativ, kann aber durchaus eine Gruppe domieren, ist manchmal schüchtern und in sich gekehrt, manchmal sehr aktiv, und mobil, neugierig, beliebt. – Das ist die eine Seite… .
Ich erlebe es (ich verwende die neutrale Form, um Anonymität zu gewährleisten) aber auch vollkommen „verwandelt“: aggressiv allen und allem gegenüber, tobend, verweigernd, fast „rasend“, spuckend. Es haut ab, auch wenn gesagt wird, alle bleiben hier; die Konzentration für eine Schulaufgabe reicht in guten Zeiten für max. 10 Minuten, in schlechten kommt nichts zustande. Die Tendenz geht leider noch zu den schlechten Zeiten.

Als ich L. am ersten Tag begrüßte, kroch es in den Mantel der Mutter und nölte: Den will ich nicht! Ok, damit hatte ich gerechnet – wer will schon einen dauerhaften Begleiter in der Klasse und auf dem Schulhof? Ich hielt freundlich Abstand und es brauchte zwei Wochen mit je drei Tagen, an denen ich immer einige Stunden in der Schule war, bis ein wenig Vertrauen entstanden war.

Doch was passierte noch in den zwei Wochen?  Die Klasse besteht aus 7 Kindern, 6 jungen, ein Mädchen. Alle ! sind in unterschiedlicher Intensität hoch empfindlich, „müssen“ sich permanent gegen Konkurrenz (incl. der Lehrkraft) verteidigen. Gleichzeitig ist permanent das Bedürfnis nach Freundschaft. Drei der Jungen spielen miteinander und streiten miteinander – eigentlich ganz normal…allerdings ist der Streit i.d.R. sehr laut und verbal so beleidigend, dass es ziemlich schnell zur Androhung körperlicher Gewalt kommt, wozu dann ältere Brüder, Onkels, Väter etc. in`s Spiel gebracht werden, die nach der Schule die Mitschüler „töten“ werden. In den Unterrichtsstunden geht es ähnlich zu und die Versuche, Konflikte zu besprechen und zu klären gehen meistens im durcheinander Schreien, weiteren Bedrohungen und lügenhaften Schutzbehauptungen unter.

So weit eine Eineitung. In diesem Rahmen der Ereignisse geht es beim Lerncoaching/bei meinem Verständnis von Schulbegleitung: Ich arbeite für das jeweilige Kind mit dem Kind. Ein Ziel – von mir benannt und sicher im Kontext Schule auch sinnvoll – ist: Die Ressourcen des Kindes (hervor)zufördern bzw. zu stärken. Ressourcen, die für eine konstruktive, erfolgreiche Entwicklung in der Schule förderlich sind.

In einigen folgenden Episoden werde ich berichten, was passiert.

Es ist viel passiert – ich habe in eine Welt Einblick erhalten, die mir bisher ziemlich fremd, unbekannt war. Ich hatte zu tun mit Kindern, die zwar auch spielen, sich unterhalten – aber die sich vornehmlich bekämpfen. Tja, auf dem Schulhof, war eine permanent latente oder sogar offene Aggressivität, es gab an jedem Tag, an dem ich dort war einen mehr oder weniger heftigen Streit, der immer durch die Lehrerinnen bzw. Lehrer beruhigt werden musste. In der Klasse, in der das von mir zu begleitende Kind war bzw. ist, gab es eigentlich Unterricht nur in sehr geringem Maße. Meistens stritten sich zwei oder drei und die anderen wurden von der Dynamik angesteckt und machten dann auch mit – die Lehrkraft hatte sehr große Mühe die Kinder zu beruhigen. UND DAS LAG NICHT AN DER LEHRKRAFT! Die Kinder sind es nicht gewohnt, Anordnungen zu folgen, im Gegenteil, ich machte die Beobachtung, dass sie sich geradezu herausgefordert fühlten, erst recht dann destruktiv weiter zu machen. (Hin und wieder hatte ich die Phantasie von einer Gummizelle, in der sie sich bedingungslos bis zur körperlichen Erschöpfung ausraufen und austoben könnten.)

A propos Anordnung: Auf den Hinweis, die Jacke dort hin zu hängen, wo sie hin gehört und dann die blaue Mappe zu nehmen, kam die typische Reaktion eines 10 Jährigen: Halt die Fresse; ein weiterer lachte und sagte zur Lehrerin: du hast keine Ahnung, mach doch selber. Dazu brüllte ein Mädchen einen anderen Jungen an: Ich bring dich um, worauf der angebrüllte zu ihr lief und sie schlagen wollte, was ich durch Festhalten des Jungen verhinderte, worauf er schrie: Lass mich los, du Vogelfresse, ich zeig dich an!

Fortsetzung folgt.

Ich stutzte – rauhe Töne kannte ich aus meiner Jugend, unter Jugendlichen , auch unter Erwachsenen. Dies war für mich etwas Neues. Nach kurzem Stutzen, kam von mir: Halt die Klappe, selber Vogelfresse. Kurze Zeit verstummte mein zu Betreuender und auch die anderen Kinder waren von ihrem gegenseitigen Bepöbeln kurz abgelenkt. Ich war stinkesauer und hatte auf einmal keine Lust mehr mich mit diesem Milieu weiter zu beschäftigen; ich wäre gern auf der Stelle gegangen, nicht ohne jedem der Unverschämten einen an die Backe zu hauen – nun gut Pädagogik geht anders, auch bzw. gerade Sonderpädagogik. Ich „schluckte“ meine Wut, die Lehrkraft erhob die Stimme, man war ruhig, bis einer wieder anfing Geräusche abzusondern, von denen ein anderer brüllend behauptete: S. hat geforzt, worauf das gruselige Getöse wieder begann. L. war dann auf einmal ganz ruhig und schien erschöpft; ich machte den Versuch ihn zu einem Gespräch oder Spaziergang zu bewegen, jedenfalls außerhalb des Klassenraumes zu sein. L. reagierte nicht, murmelte nur kaum hörbar: Lass mich und versteckte den Kopf so gut es ging zwischen/unter den Armen. Parallel dazu hatte ein anderes Kind  einen Monolog  begonnen: Das is doch eine scheißschule, die Lehrer sind voll scheiße, habn keine Ahnung, Frau X , Sie sind doch blind usw.

Einige Zeit ist vergangen; das Blog (zumindest mein Teil) lag unbeachtet rum. Von den o.g. Fällen hatte ich gründlich genug – um nicht zu sagen die Schnauze voll. Ich habe meinen Vertrag gekündigt und mich verabschiedet. Allerdings habe ich dem Schulleiter eine umfassende Begründung hinsichtlich der – gelinde gesagt – nicht förderlichen Bedingungen in der geschilderten Gruppe gegeben. Ich nehme an, dass sich die Schülerin und die Schüler spätestens dann beruhigen werden, wenn sie nicht mehr die Jüngsten in der Gemeinschaft sind.

Ich mache nun wieder ausschließlich Einzelcoaching mit Schülerinnen bzw. Schülern (SuS) und das ist für Coach und Coachees eine gelingende Angelegenheit. Mir sagte neulich ein ehemaliger Schulleiter, dass Lerncoaching DIE sinnvolle Unterstützung für Schülerinnen und Schüler sei – mein Reden seit langem. Der Komplexität des Schulalltags können sicher viele SuS (mehr oder weniger) entsprechen, jedoch zeigen Ergebnisse von Lehrercoaching, dass Lehrerinnen und Lehrer mit dem aus dem Coaching gewonnenen Erkenntnissen die Kinder und Jugendlichen weitaus förderlicher unterrichten als andere. Allerdings bedeutet das Unterrichten NACH Erfahrung mit dem Coaching auch eine Veränderung der schulischen Gegebenheiten.

Ein Lehrer erzählte mir von seinen Klassen an einer Stadtteilschule in Hamburg, in denen Schüler säßen, die sich nur schwer im üblichen traditionellen Unterricht angepasst verhalten könnten. Er und KollegInnen  hätten sich ein vollkommen verändertes Verhalten ihrerseits verschrieben:

Sie begrüßten z.B. die SuS zu Beginn der Stunde persönlich und wechselten kleine Begrüßungssätzchen, die sie sich vorher – für jede/n SuS überlegt hätten. Nach einigen Irritationen, die bei den SuS durch Verwunderung über dieses Verhalten ausgelöst worden wären, was aber von Beginn an auf Zustimmung gestoßen sei, habe sich dieses Ritual zur gegenseitigen Würdigung / Wertschätzung entwickelt, was nicht nur die folgende Unterrichtsstunde, sondern  die Gesamtstimmung im Kontakt SuS und Leher postiv beeinflusst habe.

Regelverletzungen seine weniger geworden, Klärungen von Regelverstößen seien wesentlich entspannter und verständnisvoller (im Sinne von verstehen/einsehen des eigenen Fehlverhaltens und der Notwendigkeit der Sanktionierung durch den Lehrer) verlaufen.

 

 

Hilfe! Weihnachten naht!

Weihnachten – das Fest der Liebe! Oder vielleicht auch in manchen Fällen: das Fest der Hiebe?
Bei keinem anderen Fest des Jahres gibt es eine so hohe Erwartung an Harmonie: Frieden auf Erden – aber ganz besonders in der Familie. Die Kinder haben Ferien, die Verwandten hohe Erwartungen: keiner soll allein und unberücksichtigt bleiben. Die Geschenke müssen stimmen und – vor allem – auch rechtzeitig da sein. Das Gefühl, große Verpflichtungen zu haben und der Wunsch, es möglichst allen recht zu machen ist weit verbreitet.
Kein Wunder, dass es manchen Menschen ein bisschen graut vor dieser Zeit! Was können wir tun, um Entlastung zu schaffen? Wie können wir Nischen für uns finden, in der wir zur Besinnung kommen?
Eine wichtige Maxime könnte sein: setzen Sie sich mit Ihren Liebsten zusammen und überlegen Sie gemeinsam: was möchten wir dies Jahr anders machen als in den vorigen? Wann und wie kann jeder auch an sich denken und Pause machen? Welche vermeintlich unvermeidlichen Pflichten könnten wir vielleicht doch mal infrage stellen? Wichtig ist dabei: machen Sie das rechtzeitig – bevor Sie das Geschehen überrollt und Sie keinen Einfluss mehr darauf haben!

Alles klar?

Alles klar? Hm ja, dann sind die Schülerinnen und Schüler voll glücklich?

Naja, irgendwann – sagen wir: zufriedener.

Wann ist irgendwann?

Nach 5 Sitzungen stellen sich erste Erfolge ein.

So lange braucht das?

Gute Frage. Auch junge Menschen haben schon alte Gewohnheiten. Und dann soll ein Arbeitsgang mal ganz anders, oder sagen wir, verändert vonstatten gehen. Schüler oder Schülerin N. wird die Vokabeln anders lernen als bisher; Ziel ist weniger Last und mehr Effekt und damit mehr Lust. Allerings muss N. es auch anders und wie besprochen machen und probieren. Übrigens gebe ich keine Ratschläge, sondern die Schülerinnen und Schüler entwickeln mit meiner Unterstützung Wege für sich, die sind dann auch für sie plausibel.

In der folgenden Coachingsitzung können wir besprechen, was geklappt hat, was nicht. Mal geht´s reibungslos, mal nicht – so is dat Leben.

Kann aber auch sein, dass N. zur nächsten Sitzung nicht kommt, weil er/sie krank ist oder es vergisst. Beim letzten Grund haben wir wieder ein Thema; ein zentrales: Verlässlichkeit; bei allem Kind-Sein, gehört die Verlässlichkeit ganz seriös zum Schulalltag dazu. Is auch Pädagogik.

Noch Fragen?            Ja, gibt`s dafür Geld?

Allerdings.

Viel?

Viel fährt der Bauer aufm Heuwagen.

Einige Tage später:

Wie viel fährt der Bauer?

Warum ist das so wichtig für dich?

Nur so.

Ach so, na dann. Also: Schulen sind arm, sie können einen bescheidenen Honorarsatz zahlen; so weit wie Wirtschaftsunternehmen sind die noch nicht, was die Einsicht in den Sinn des Coachings und in den dafür auch höheren Preis betrifft. Allerdings entwickelt sich das Interesse in Schulen langsam.

Einige Geschichten zeigen übrigens, dass außer den Kindern auch manche Eltern die eine oder andere Coachingsitzung vertragen können – wenn man so hört, was den Kindern an Unterstützung fehlt; und damit ist nicht die Nachhilfe in Mathe, Griechisch oder sonstwo gemeint.

Wer lernt denn noch Griechisch?

Naja,ist doch n Beispiel; aber es gibt doch son paar altsprachliche Gymnasien noch. Egal, wenn aber so ein 10 Jähriges in der Früh nicht früh genug aufsteht bzw. geweckt wird um zu früstücken und rechtzeitig mit Bus, Fahrrad, Helikopter, zu Fuß PÜNKTLICH zur Schule zu kommen….

Mein Freund glaubte nicht richtig gehört zu haben: Helikopter?

Naja im Stadtgebiet vielleicht nicht, vielleicht hab ich das mit den Helikoptereltern auch falsch verstanden.

…dann ist das Wesen am sog. oberen Ende der Leine in der Pflicht und wenn die Tochter ab einem bestimmten Alter bis zwei vor 8 das Bad oder der Sohn bis fünf vor 8 das Bett nicht verlässt bei einem Schulweg von drei bzw. 10 Minuten, etcetera pp. dann kann ab einer bestimmten komplexen Konfliktlage (oder weniger elaboriert: es nervt alle tierisch) ein Coaching Linderung und Lösung verschaffen.

Kostet dann aber mehr, als wenn nur die Kinder kommen? fragte mein Freund, der offenbar (allerdings ohne realen Grund) um mein ökonomisches Wohl besorgt war.

Ich konnte ihn beruhigen, legte aber ab sofort Wert darauf das Thema Honorar nun nicht weiter zu strapazieren.

Mein Freund schwärmte von den Angeboten, die Schülerinnen und Schüler heutzutage gemacht werden; wenn er das damals auch gehabt hätte…. .

Hätte, wäre, wenn usw. Aber schauen wir uns nochmal die Realität an: Den Kindern wird das Angebot gemacht zum Lerncoaching zu gehen, dabei ist jedoch schon das Wort „Angebot“ eine nette Umbenennung für „Aufforderung“ zum Förderunterricht zu gehen. Im günstigen Fall liegen diese Förderstunden nicht am Freitag nach dem Unterricht. Günstige Fälle sind aber selten. Die müssen also dahin. Wir Erwachsenen halten es für förderlich, die Kinder halten die Freizeit für viel förderlicher, kommen aber (meistens) BRAV!

Haben aber keinen Bock? (Mein Freund konnte sich sofort in die Situation versetzen, auch wenn er kurz vorher solche Förderprogramme gern in seiner Schulzeit gehabt hätte… .)

Stimmt. Im Fachjargon nennt man das, was da erstmal mitgebracht wird: Reaktanz; man kann es auch Widerstand oder Bocklosigkeit nennen.

Und nu?

Tja, ich akzeptiere das, teile den Schülerinnen bzw. Schülern aber mit, dass ich einen Auftrag habe und frage sie, ob sie denn wissen, warum sie kommen müssen. Manchmal müssen wir danach noch recherchieren, manchmal ist vor lauter Unlust aber auch zunächst das Gehirn blockiert und das dauert dann, bis klar ist, was die Jungs und Mädels bei Coaching sollen. Läuft daraus hinaus, dass wir die Alternativen erarbeiten: Was passiert, wenn du nicht kommst, welche Vorteile kannst du erwarten, wenn du mitmachst? (Wobei ich fairer Weise sagen muss, dass ja die Katze im Sack gekauft wird, die Schülerinnen und Schüler wissen nicht, was auf sie zu kommt.) Schnelle Erfolge, also ganz schnelle Erfolge sind eher selten – wobei: Wir fangen klein an und da gibt`s dann schon kleine Erfolgserlebnisse, wenn… .

Wenn was? fragte er

Kommt in der nächsten Folge. Nach den Ferien.

Gruppencoaching 1

Heute hab ich mit Erwachsenen zu tun; Gruppencoaching quasi, mit Einsprengseln von Einzelcoaching. Das Thema? Hm, das müssen wir in der Gruppe klären… (Ich muss die Coachees übrigens selbstverständlich anonym halten). Herr S. fing an: Ich , wir erwarten, dass diejenigen, die jetzt die Verantwortung haben, ihrer Pflicht nachkommen und unsere Auflagen im eigenen Interesse erfüllen, dann ist die Sache ganz schnell erledigt und wir müssen nicht hier in diesem Stuhlkreis blöde Spielchen machen.

Der Coachee, der angesprochen worden war, nennen wir ihn So., sagte, dass ihm die sogenannten eigenen Interessen nicht ganz so klar seien, wie sie offenbar Herrn S. klar seien, der möge doch bitte zur Kenntnis nehmen, dass – nach allem, was man sich bisher, vor diesem Coaching, mitgeteilt habe -man mit der bisherigen Erfüllung der Forderungen nicht weit gekommen sei, teilweise habe man ganz schlimme Erharungen gemacht.

Bevor Herr S. und andere, die zu dessen Fraktion gehörten, dazu etwas sagen konnten, schaltete sich der Coach ein: (gedacht: na, das ist ja ein einfaches Thema)und sagte: Wir stellen also zunächst als Thema fest, dass bei der Erfüllung der Pflichten – man kann wohl sagen: entgegengesetzte Auffassungen vorliegen. Ich schlage vor, dass Sie zunächst jeweils Ihre Positionen darlegen, wir werden diese visualisieren und dann daran arbeiten.  Sind Sie einverstanden? Auf der Seite von Herrn S. viel Unruhe, Reaktanz und Bemerkungen wie: Ist doch schon alles gesagt.

Der Coach ging darauf ein: Mag sein, dass schon alles gesagt ist, dennoch sieht es so aus, dass einige Teilnehmer, das nicht so sehen und daraus entstehen dann auch Missverständnisse, Animositäten und ähnliches mehr und Sie sitzen alle hier um Lösungen zu finden. Was spricht denn außer Ihrer Aussage, dass schon alles gesagt sei noch gegen das Verfahren?

Es sei zu aufwendig – was sie denn statt dessen machen wollen.? Nun begab man sich in einen Kreis, indem aus der Gruppe von Herrn S. Herr H. sagte, die anderen sollten einfach nur die Auflagen erfüllen!

Als das ausgesprochen war, war den meisten klar, dass diese wiederholte Forderung nicht weiter führend wird. Der Coach bat die Herrschaften also nun die Vorstellungen, Positionen, wie oben gesagt, zu formulieren und zu visualisieren.

Hier mache ich mal eine Unterbrechung, es dauerte eine Weile, bis alles geschrieben worden war, einige hatten eine saumäßige Handschrift und mussten noch korrigieren bzw. neu schreiben – das galt für beide Gruppierungen. Später mehr.

Der Prozess musste unterbrochen und verändert werden, die Gruppen schauten wechselseitig, was die anderen schrieben und wollten sie jeweils dazu bringen, einige Aussagen zu verändern oder zu streichen, kommentierten mit: Son Quatsch, ihr habt doch Schuld, Unsinn, strengt euch gefälligst mehr an usw. Der Coach trennte die Gruppen kurzerhand räumlich (gestand sich den Fehler ein, das nicht von Anfang an gemacht zu haben).

Gruppencoaching 2

Nach einer langen Zeit (Coach musste zweifach Verlängerung einräumen) kamen die Gruppen dann mit langen Listen wieder in den gemeinsamen Arbeitsraum. Schweigend, angespannt schweigend, wurden die Themenlisten an Wänden aufgehängt. MIt mühsam diszipliniertem, agressivem Unterton fragte ein Coachee den Coach, ob man nun mal schauen dürfe, was die anderen so geschrieben hatten. Ja, nun durfte man… .Äußerst konzentriert ging man ans Werk, die Blazer, Sakkos wurden abgelegt, Krawatten gelockert, Hemden um einen weitern Knopf geöffnet. Ob man bei den anderen Kommentare dazu schreiben könne? Nein, das geht nicht. Warum nicht?

Coach bat die Gruppen ihr Lesen kurz zu unterbrechen um die Frage zu beantworten: Es geht darum die Positionen zur Kenntnis zu nehmen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und eine Lösung zu finden – der Weg dahin muss so rational wie möglich sein, darf nicht durch Störaktionen, Verfälschungen, permanente Kommentare und Gegenkommentare u.ä. undurchschaubar gemacht werden.

Diese Regel führte zu wildem Widerstand; Tenor: Schließlich geht es darum, wer recht hat und das mit den besseren Argumenten begründen kann.

Coach überlegte kurz eine Pause einzulegen, entschied sich aber für 15 Minuten „Feuer frei“ (diese martialische Metapher möge verziehen werden; es geht dabei tatsächlich um ein wildes, teilweise aggressives Vorwürde Machen, Diskutieren) ohne Leitung (mutig, mutig, nicht unbedingt die „reine Lehre“…) Und so war`s dann auch. Manche zogen Zeitungen und andere Papierstücke hervor um die eigene Position zu stärken, andere zogen andere Zeitungen und Papierstücke zum selben Zweck hervor; jemand wollte einen Fernseher und ein Abspielgerät, was aber technisch nicht möglich war, dann wenigstens eine Stellungnahmen vom iphone (Podcast). Danch war dann wg. Erschöpfung Zeit für eine Pause. Klar war jedenfalls nichts geworden.

Gruppencoaching 3

In den folgenden Sitzungen, die jeweils 90 Minuten dauerten, was einige Teilnehmer unter ihrer Würde befanden, sie waren durchweg längere Sitzungen gewöhnt, ging es hoch her: Sachargumente gegensätzlicher Provenienz, emotionale Zischeleien, Anbiederungsversuche, Wutschnauben, Alkoholeinfluss (diese beiden Teilnehmer wurden von den weiteren Coachingsettings ausgeschlossen) gestalteten vitales Miteianander. Letztlich gipfelte jede Sitzung in gegenseitigen Vorwürfen zuviel bzw zu wenig getan und geboten zu haben.

Zu Beginn der vergangenen Sitzung erzählte der Coach eine kleine Begebenheit aus dem Leben eines Sparkassenangestellten und eines seiner Kunden. Dieser Kunde oder diese Kundin (Geschlecht ist schnuppe) hatte unter günstigen Bedingungen (jung, interessiert, Aussicht auf einen anständig bezahlten Job + Konsumgier u.ä.) schließlich das Girokonto kräftig überzogen, die Einkünfte reichten nicht mehr zum Ausgleich. Der Sparkassenkunde sprach mit dem Sparkassenagestellten über das Problem – und da keine exorbitanten Einkünfte in Kürze zu erwarten waren, nahm der Kunde das, was Sparkassen und Banken gern geben: Einen Kredit im ganz niedrigen 5-stelligen Bereich; zack das Konto war ausgeglichen, die Zinsen für diesen Kredit waren niedriger als der Dispo. Der Kunde brauchte eine Weile dazu, das Geld zurück zu zahlen. Er/Sie verzichtete an Aspekten des Konsums hatte aber immer noch genug Geld zum quasi menschenwürdigen Leben: Er/Sie wohnte schlicht aber bequem, aß und trank (nicht in Restaurants), ging zum Arzt, wenn nötig und ins Kino, wenn es einen guten Film gab, dito Theater – auch wenn es nicht mehr ganz so oft war wie früher usw.

Nach fünf Jahren war die Sache erledigt und die vergangene „Durststrecke“ war mit Getränken so weit versorgt, dass keine Gefahr bestand zu verdursten.

Gruppencoaching 4

Nach dieser kurzen Erzählung verließen Mitglieder der einen Gruppe den Raum und schleuderten dem Coach ein: Wir sind doch hier nicht in einer Sparkassenfiliale, es geht um Größeres! zu. Mit den Verbliebenen besprach man, was dieser Verlauf für den vorliegenden Fall bedeuten kann:

Man erkannte eine große Bedrouille, in die der Sparkassenkunde sich selbst manövriert hatte.

Man stellte fest, dass er/sie bereit war die Konsequenzen zu tragen.

Die Konsequenzen jedoch mussten erträglich sein und nicht als Bestrafung angesehen werden. Verdursten darf eben nicht sein!

Die Lösung kam durch die Eigenleistung zustande.

Gruppencoaching 5

Dieser letzte Aspekt bot für den vorliegenden Fall allerdings Anlass differenziert in die komplexe Problemlage des im Coaching zu klärenden Falles einzusteigen. Diejenigen, die den Raum unter Protest verlassen hatten, blieben weg. Die anderen gerieten sich nach kurzem Analyseversuch der Beispielgeschichte „heftig in die Haare“ – immerhin kam es ausschließlich zu verbalen Hässlichkeiten – der Coach stellt fest: Es hat viele Verletzungen gegeben, das Vertrauen ist kaum noch vorhanden, die Bereitschaft zu einem Kompromiss zu kommen, besteht (noch lange) nicht. Mit der Zeit ging die Energie aus, der Terminplan erzwang zudem ein Ende der Sitzungen. Coach verabredete mit den jeweiligen Parteien Einzelgespräche und bat diejenigen, die vorher gegangen waren wieder an den Verhandlungstisch zu kommen.

In den getrennten Gesprächen mit den Gruppen erarbeitete man Punkte/Aspekte, in denen Kompromissfähigkeit möglich sein könnte. Vor allem aber stand die Frage, ob man denn zu einer Verständigung und zu einer Lösung überhaupt noch kommen wolle. Beide Gruppen bejahten dies, denn – so wurde festgestellt – ein Bruch werde mehr schaden.  Coach schlug nun vor die weitere Arbeit unter ein für alle Beteiligten  und besonders auch für die, die von der weiteren Arbeit der Streitenden abhängig waren, konstruktives Motto zu stellen. Als die Ratlosigkeit dazu dauerte, machte er einen Vorschlag:

Gruppencoaching 6

Wir sprechen ausschließlich über die Zukunft. Es geht um die erfolgreiche weitere Existenz des Unternehmens. Wir arbeiten im materiellen und ideellen Interesse der Angehörigen unseres Unternehmens; diejenigen, die viel haben – und diese Größe muss noch festgelegt werden – werden für die Rettung stärker belastet. Alte Regelungen, die einer Rettung im Weg stehen, die einzelne Gruppen privilegieren andere dadurch so belasten, dass sie vollkommen unangemessen leiden bzw. unangemessen große Anteile an der Rettung haben, werden annulliert und durch Regelungen im Sinne der Rettung ersetzt. Wir werden uns um neue Aufträge kümmern, unsere Produkte sind durchaus begehrt. Wir setzen Vertreter unserer Gruppen zur detaillierten Arbeit an diesem Programm ein; der Coach achtet auf die Durchführung im Sinne der vorstehenden Zeilen.

Es stand „auf des Messers Schneide“, wie man so sagt. Viel zu viele Stimmen hatten sich immer wieder eingemischt, einigen der Kommentatoren schien ein konstruktiver Ausgang scheißegal zu sein. Die unmittelbar beteiligten Akteure balancierten auf der Schneide; als  festgestellt wurde, dass diese Balance mit einiger Beherrschung und Zielstrebigkeit gehalten wurde, wurde das Geschrei der Destruktiven  geringer; hin und wieder brüllte eine Stimme, als jedoch kein Chor einstimmte und niemand mitbrüllte, wurden die Balancierenden nicht aus dem mühevoll gehaltenen Gleichgewicht  gebracht und konnten ihre Aufgabe erfolgreich lösen.

Coach war froh, dass es sich in diesem Fall um die Rettung eines bedeutsamen Sportvereins handelte – aber warum sollte man nicht auch so ein Coaching für andere gesellschaftliche Problemlagen ansetzen…. ? Manchmal muss man neue Wege gehen….