Category Archives: Sexualität

Angebot während der Corona-Zeit

Ja – der Mensch wird erfinderisch, wenn es sein muss! Inzwischen habe ich bereits einige Paarberatungen mittels Videokonferenz durchgeführt mit den KlientInnen, die sich darauf einlassen mögen. Es geht besser als ich befürchtet hatte. Die bisherigen Rückmeldungen sind auch positiv. Ein weiterer Vorteil: es gibt keine so enge Zeitbindung mehr. Es können individuell passende Zeiten abgesprochen werden – anders als im Praxisraum, der ausschließlich freitags zur Verfügung steht.
Einige Dinge müssen natürlich besprochen werden: gelingt es, dass die Kinder in dieser Zeit nicht unterbrechen? Das hängt unter anderem vom Alter der Kinder ab. Auch sonstige Störungen sollten so weit möglich ausgeschlossen sein. KlientInnen müssen mehr für sich selbst sorgen und ansprechen, wenn sie sich nicht wohl fühlen – da im Monitor nicht der ganze Mensch zu sehen ist. Es ist möglich, Pausen zu machen.

Nicht alle Arbeitsmöglichkeiten stehen zur Verfügung, wie z.B. die Nutzung des Familienbretts – aber ich denke, mit zunehmender Erfahrung wird man kreativer.
Ein wichtiger Punkt ist die Datensicherheit. Bisher arbeite ich mit Zoom. Dazu gibt es auch Kritik ebenso wie zu Facetime und anderen. Ich bin weiter auf der Suche nach Plattformen mit ausreichender Sicherheit. Alle Beteiligten sollten sich überlegen, ob sie sich unter diesen Bedingungen auf das Experiment einlassen können und wollen. Es kann gerne erst mal eine Probe-Viertelstunde vereinbart werden, die kostenlos ist – um zu erproben, ob die Beteiligten sich anfreunden könnten mit der Methode.

Ergänzung zur Aufklärung für Fortgeschrittene

Mein voriger Beitrag war ja sehr in Richtung Ermutigung zu Neugier, Ausprobieren, Selbstbewusstsein stärken, den eigenen Körper kennen lernen usw gegangen.
Wichtig aber zum Selbstbewusstsein gehört auch der Mut zum Nein-Sagen! Nur weil es cool ist oder gewünscht wird muss niemand „ja“ sagen zu Handlungen, die sie/er nicht wollen! Es ist wie mit den unbekannten Speisen: meistens schadet es nicht, auchmal etwas auszuprobieren – das Leben würde sonst ja wirklich langweilig, wenn wir imer nur das tun, was wir kennen und was sich bewährt hat. Entwicklung ist da nicht möglich. Aber Praktiken, auf die sich er oder sie wirklich nicht einlassen mögen aus den unterschiedlichsten Gründen (Scham, Widerwille, Abneigung, Grenzen….) sollten auch von den Partner*innen akzeptiert werden.
Das war mir noch mal sehr wichtig als Ergänzung.

Selbstbefriedigung – auch etwas für Frauen??

Mit Erstaunen stelle ich immer wieder fest, dass nach wie vor  anscheinend viele Frauen keine Selbstbefriedigung machen bzw. auch nie gemacht haben! Das ist sehr schade – denn damit entgeht den Frauen das Wissen um den eigenen Körper und oft auch die Wege, die für sie zu einem Orgasmus führen.
Eigene Sexualität? Anscheinend für viele immer noch ein Fremdwort.
Manche erwarten dann auch von ihren männlichen Partnern, dass die sich genauso beschränken sollten in ihrer Sexualität ausschließlich auf den Partnersex. Masturation von Männern wird als eklig empfunden und womöglich auch als Verrat. Eine Form der Untreue wie das Anschauen von Pornopgrafie. Das ist nicht nur bei älteren Frauen der Fall sondern auch bei jungen.
Offensichtlich haben etliche Frauen nach wie vor keinen Bezug zu ihrem Körper „da unten“. Sie wissen nicht, wie er aussieht, nicht, wie er riecht und nicht wie er auf welche Berührungen steht. Auch aus diesem Grund – der Unkenntnis und der Abwehr – nehmen Frauen ungern ein Diaphragma zur Verhütung. Denn da müssten sie sich ja anfassen.
Auf das Thema bin ich wieder gestoßen über einige Beratungen der letzten Zeit und über einen Blick in das Buch von Nancy Friday: Befreiung zur Lust von 1991. Sie schreibt auf S. 61: „Die Fähigkeit, uns selbst zum Orgasmus zu bringen, macht uns sexuell unabhängig. So schön es ist, einen Partner zu haben, so wichtig ist es zu wissen, dass wir ihn für unser sexuelles Vergnügen nicht unbedingt brauchen. Die Fähigkeit, uns selbst zum Orgasmus zu bringen, ist die sexuelle Entsprechung der Fähigkeit, unsere Miete selbst zu bezahlen“

Warum soll man nicht auch ohne Ehe keinen Sex haben können??

Die Autorin Katja Berlin schrieb kürzlich über das heutige Dating, das mittlerweile üblich ist statt der klassischen Beziehungsanbahnungen z.B. mittels Zeitungsanzeige oder Kuppeleien durch die „besten“ Freunde. Sie schrieb, der vergangene Monat Februar sei kurz, unangenehm, kalt und man sei froh, wenn er vorbei sei. Ebenso verlaufe meistens das Dating. Dann doch lieber mit der besten Freundin, dem liebsten Kumpel ins Kino oder in die Sauna! Und überhaupt werde das Single-Dasein maßlos unterschätzt! Vor allem wenn man es vergleiche mit den Berichten frustrierter (Ehe-)partnerInnen – siehe Überschrift! – die auch nach 3 Gin-Tonics oftmals gestehen, dass auch eine feste diese Institution nicht immer unbedingt ein Glücksgarant sei!

Ja – es wundert mich, dass tatsächlich anscheinend immer noch der oder die Single Sorge haben muss für defizitär und bemitleidenswert gehalten zu werden! Aber die alberne Werbeshow, die derzeit auf Plakatwänden zu sehen ist, führt bei mir auch nur zum Kopfschütteln: nicht alle Singles sind jung und hip und abenteuerlustig. Singles haben Kinder, sind alleinerziehend oder auch alt oder /und verwitwet. Und können sich außerdem oft die horrenden Mieten nicht leisten – wie Frau Berlin sehr richtig schreibt! Singles können sich auch einsam fühlen – womit sie sich aber auch nicht immer von Paaren unterscheiden, deren Beziehungen gerade im tiefen Tal stecken.

Deshalb werbe ich immer dafür, sich gute alte oder neue Freunde und Freundinnen warm zu halten – auch wenn Sie gerade oder auch dauerhaft ganz fest und happy in einer Beziehung stecken. Gute Freunde werden immer gebraucht und sind eben auch eine gute Adresse, wenn Sie gerade jemanden zum Ausheulen brauchen. Sie sind aber in allen Lebenslagen wichtig und manches Mal beständiger als so manche Ehe. Haben Sie gute Freunde dann müssen Sie auch nicht alles von Ihrer Partnerin erwarten – womit die dann womöglich auch überfordert wäre. Auch so ein modernes Phänomen.

Das beherrschte Geschlecht?

Heute habe ich bei Deutschlandradio Kultur einen sehr interessanten Beitrag gehört. Sandra Konrad, eine Psychologin, Sexual- und Paartherapeutin, hat ihr Buch vorgestellt: „Das beherrschte Geschlecht. Warum sie will was er will.“ Sie hat dafür ausschließlich Frauen interviewt. Es geht um das aktuelle Thema des Machtgefälles zwischen den Geschlechtern, aber auch um die geringe Wahrnehmung von Frauen, wo ihre Grenzen liegen und offensichtlich nicht lernen (bzw nicht gelehrt bekommen!), diese besser zu schützen.Beherrschen wird über die Sozialisation in Selbst-Beherrschung umgewandelt.

Sie hat natürlich auch viel von den  Paaren in ihrer Beratung erfahren. Dort allerdings kommen beide Partner, weil sie sich ohnmächtig fühlen und das gilt an dieser Stelle für beide und ist ein schwer erträgliches Gefühl.

Wie sieht es aus in Ihrem erotischen Raum?

Das Problem ist heute in der Sexualität nicht mehr, dass es Störungen gibt – keinen Orgasmus, keine Erektion usw. sagt Ulrich Clement, der bekannte Sexualtherapeut. Früher durfte man nicht, was man sich wünschte. Heute darf man fast alles – wünscht sich aber nichts! Also möchten die lustlosen Paare in erster Linie das Wünschen wieder finden. Wo ist es hin? Was wünschen sich die Menschen? Und wie finden sie es heraus, wenn da erst mal nichts ist? Eine schöne Methode ist, sich mittels einer Fantasiereise auf die Suche nach dem eigenen erotischen Raum zu begeben. Wie sieht er aus? Was befindet sich an dem Ort? Was geschieht dort? Wer macht da was womit oder gar mit wem?

Sexualität findet in erster Linie im bzw über den Kopf statt bzw. das Gehirn ist das eigentliche Sexualorgan. Daher sind die Fantasien ein wichtiger Schlüssel zu eigenen Sexualität. Dabei ist der Unterschied zwischen Fantasie und Wunsch wichtig: eine Fantasie muss keineswegs auf Realisierung drängen – ein Wunsch durchaus

Allerdings gibt es auch Menschen, die asexuell sind. Die also keinerlei Bedürfnis danach haben, Sexualität zu leben. Oder die nach schlechten Erfahrungen mit dem Thema abgeschlossen haben. Das ist völlig in Ordnung. Interessant ist dann die Frage, wie ein Paar damit zurecht kommt, wenn die Partner da ganz unterschiedlich „drauf“ sind.

Häufiger ist, dass bei langjährigen Paaren die Sexualität aus den unterschiedlichsten Gründen eingeschlafen ist und beide sich wünschen, ihre Sexualität möge einen Weg aus dem Dornröschenschlaf finden.

Zum Internationalen Frauentag: Wenn der holde Frühling lenzt……

…. und man sich mit Veilchen kränzt…………

Mein Lieblingsgedicht von Friederike Kempner, dem Schlesischen Schwan.

Es geht weiter mit:

Wenn man sich mit frischem Mut

Schnittlauch in das Rührei tut

Kreisen durch des Menschen Säfte

Neue, unbekannte Kräfte

Alle Herzen werden leicht

Und das meine fragt sich still:

Ob mich dies Jahr einer will?

Eine starke, aber auch einsame Frau mit erstaunlichen Ideen und viel unfreiwilligem Witz

Tagungsschnipsel

Im September die Tagung in Göttingen von der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung. Ein wirklich interessanter Vortrag und ein anregender Workshop. Der Vortrag wurde gehalten von Dr. Marianne Eberhard-Kaechele (unter anderem Tanz- und Ausdruckstherapeutin) und Dr. Ruth Gnirss , (Fachärztin mit langjähriger Erfahrung in der Sexualtherapie): Sexualität beginnt im Tanz zwischen Eltern und Kind. In der Kommunikation zwischenMutter (bzw. Bezugsperson, kann auch gern der Vater sein!) und Kind gibt es im Idealfall ein funktionierendes Zusammenspiel. Wenn die Mutter aber allzu oft zuviel oder zuwenig des Guten tut wird das Kind entweder regelmäßig unerträglich über- oder unterstimuliert. Dann entwickelt das Kind Bewältigungs- und Abwehrreaktionen, die sich auch später auf sein Sexualleben auswirken können – Es gibt auch die Überstimulierung durch allzu viel Kontrolle. Die Folge:  die Person erwartet im Leben Steuerung eher von anderen und hat selber wenig Mut, Wünsche anzumelden. – Dritte Möglichkeit, die sich negativ auf die weitere Entwicklung auswirken kann, ist die Unterstimulation z.B. bei einer depressiven Mutter. Das Kind folgt entweder der niedergeschlagenen Stimmung der Mutter oder geht forciert dagegen an, um doch noch eine Reaktion zu erhalten.

Keine Lust mehr auf Sex? – Teil II

Die Sexualität „alter“ Paare (d.h. Paare, die schon viele Jahre zusammen sind; mit dem Lebensalter hat das nichts zu tun) ist ein Spiegel der Beziehung; sie steht nicht im luftleeren Raum. Ein häufiges Phänomen ist die Lustlosigkeit eines der beiden Partner. Das bedeutet: einer der beiden hat immer weniger/zu wenig Lust auf Sex – der oder die andere mehr/zuviel – je nach Sichtweise. Daraus kann sich ein schwelender Konflikt entwickeln, der sich immer weiter aufschaukelt. Die Dynamik sieht dann so aus:

Sie: Je mehr du dich zurückziehst desto mehr muss ich drängen – sonst läuft ja gar nichts mehr!

Er: Je mehr du drängst desto weniger Lust habe ich!

Begleitet wird dieser Konflikt von vielen gemischten Gefühlen: Kränkung, Wut, Fluchtgedanken, Kontrollbedürfnisse („Hast du etwa jemand anderen??“

Es lohnt sich, dann genauer hinzuschauen: was ist in der letzten Zeit gewesen? Was hat sich verändert? Gab es irgendwo Stress? Befindet sich das Paar in einem wichtigen neuen Lebensabschnitt? War vielleicht die Sexualität für einen Teil schon lange nicht mehr besonders schön? Möchte sich einer/ eine weiter entwickeln und der andere aber nicht? Gibt es körperliche Veränderungen: Menopause, Geburt eines Kindes, berufliche Belastungen, die Kinder sind groß und gehen ihrer Wege……… „er“ steht nicht mehr so wie er soll, Schmerzen beim Eindringen, Folgen von Operationen……

Und dann die Frage: möchten eigentlich beide wieder eine sexuelle Beziehung aufbauen oder will das nur einer der beiden? Und was ist, wenn das nur einer will, der andere aber nicht? Trennt sich dann der enttäuschte Partner oder gibt es andere Lösungen?

Keine Lust auf Sex mehr bei „alten“ Paaren? 1. Teil

„Alle meine Freundinnen sagen das auch: sie haben keine Lust mehr! Scheint doch ganz normal zu sein??

Aber dann ist das Streitthema da, denn angeblich ist ja das Normale, dass die Lust immer da ist.

Andererseits glauben auch viele Menschen, dass eben das Kribbeln nach einer Phase der Verliebtheit weg ist und dann , wenn man gelernt hat, welche Knöpfe man drücken muss, wird es langweilig. Die Lust wächst auf neue Lieben.

Das ist aber gefährlich, weil es ja auch den großen Anspruch, die offen geforderte, unhinterfragt selbstverständliche Forderung auf absolute und lebenslange Treue gibt. Also geht das nicht gefahrlos in verbindlichen Partnerschaften, schon gar nicht mit Kindern.

Wie also aus der Misere heraus kommen? Das geht durchaus – wenn grundsätzlich noch Sympathie, Freundschaft, Respekt vorhanden sind.

Aber Veränderung erfordert sehr viel Ehrlichkeit und Mut! Mut, zu sagen, was stört. Mut, sich anzuhören, was stört. Mut, neue Wege zu gehen. Mut, wirklich hinzugucken, was nicht stimmt. Und dann den Mut, es wieder zu probieren im Vertrauen darauf, dass beide wirklich zugehört und verstanden haben.

Nach meiner Erfahrung geht es dabei kaum um wilde Stellungen, extreme Varianten, sexy Kleidung u. Ähnliches.