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Coronafolgen für Paare

Nicht alle haben unter den Coronabedingungen gelitten. Aus meinem Klient.innenkreis gibt es auch positive Rückmeldungen – neben durchaus gespürten erheblichen Belastungen wie z.B. Kurzarbeit und damit verbundene schmerzhafte Einkommenseinbußen. Den Arbeitsplatz verloren hat bisher zum Glück keiner. Es gab Klagen über das Problem, Struktur im Tagesablauf beizubehalten, wenn Schule und Arbeit imHomeoffice stattfinden. Es gab auch das Problem mit kleinen Kindern in der Familie ohne Kitabetreuung. Kleine Kinder ohne Außenkontakte mit Homeoffice zu verbinden ist eine enorme Belastung und eine große Zumutung an Familien. Dem gegenüber waren die Entscheider.innen lange blind – obwohl schon früh Kritik von Experten geübt wurde daran, die Eltern mit jungen Kindern im Stich zu lassen. Ich kann diese Eltern nur bewundern für ihre Leistung. Leider wird es wahrscheinlich langfristige Folgen haben für Kinder in Gewaltfamilien. Das wird sich zeigen im Laufe dieses und des nächsten Jahres.
Positiv hat sich für einige ausgewirkt, dass es für sie zu einer Komplexitätsreduktion kam: das Leben war einfach schlichter; es gab nicht so viele Möglichkeiten, sich zu entscheiden. Und das tut manchen richtig gut, die sich sonst von den vielen Möglichkeiten auch überfordert fühlen. Es gibt auch Familien, die die viele gemeinsame Zeit miteinander durchaus genießen konnten. Paare, die, mehr miteinander gesprochen haben als in „normalen “ Zeiten, die mehr miteinander unternommen haben und auch solche, die sich durch den finanziellen Engpass nicht trennen konnten und sich dann doch zu einem gemeinsamen Neustart entschieden haben – mit ungewissem Ausgang.

Die Normalität kehrt zurück – wenigstens teilweise

Seit 2 Wochen findet Beratung wieder im Praxisraum in der Bertha-von-Suttner-Allee statt! Allerdings mit größerem Abstand, viel frischer Luft, bei Bedarf auch mit Atemschutzmaske. Zwischendrin fügen wir eine Pause ein, in der gelüftet werden kann. Auch die Zoomkonferenzen gehen weiter bei denen, die das möchten. So kann Beratung den Pandemie-Bedingungen angepasst werden ohne Qualitätsverlust. Das ist eine große Erleichterung.

Weiter biete ich ausschließlich am Freitag Beratung im Praxisraum an. Es gibt freie Plätze zu den 11.00 und 14.00 Uhr-Terminen. Die späten Termine – 16.00 und 18.00 – sind derzeit ausgebucht. Rufen Sie gerne an, wenn Sie Interesse an einer einzel- oder Paarberatung haben!

Angebot während der Corona-Zeit

Ja – der Mensch wird erfinderisch, wenn es sein muss! Inzwischen habe ich bereits einige Paarberatungen mittels Videokonferenz durchgeführt mit den KlientInnen, die sich darauf einlassen mögen. Es geht besser als ich befürchtet hatte. Die bisherigen Rückmeldungen sind auch positiv. Ein weiterer Vorteil: es gibt keine so enge Zeitbindung mehr. Es können individuell passende Zeiten abgesprochen werden – anders als im Praxisraum, der ausschließlich freitags zur Verfügung steht.
Einige Dinge müssen natürlich besprochen werden: gelingt es, dass die Kinder in dieser Zeit nicht unterbrechen? Das hängt unter anderem vom Alter der Kinder ab. Auch sonstige Störungen sollten so weit möglich ausgeschlossen sein. KlientInnen müssen mehr für sich selbst sorgen und ansprechen, wenn sie sich nicht wohl fühlen – da im Monitor nicht der ganze Mensch zu sehen ist. Es ist möglich, Pausen zu machen.

Nicht alle Arbeitsmöglichkeiten stehen zur Verfügung, wie z.B. die Nutzung des Familienbretts – aber ich denke, mit zunehmender Erfahrung wird man kreativer.
Ein wichtiger Punkt ist die Datensicherheit. Bisher arbeite ich mit Zoom. Dazu gibt es auch Kritik ebenso wie zu Facetime und anderen. Ich bin weiter auf der Suche nach Plattformen mit ausreichender Sicherheit. Alle Beteiligten sollten sich überlegen, ob sie sich unter diesen Bedingungen auf das Experiment einlassen können und wollen. Es kann gerne erst mal eine Probe-Viertelstunde vereinbart werden, die kostenlos ist – um zu erproben, ob die Beteiligten sich anfreunden könnten mit der Methode.

Veränderungen im Zeichen von Corona

Der Umzug ist geschafft, die Gewöhnung an den neuen Raum inzwischen gelungen. Die Klientinnen und Klienten haben sich ebenfalls sehr schnell an die Veränderung gewöhnt. Leider macht sich doch bemerkbar, dass ich jetzt nur noch einen Nachmittag und Abend pro Woche anbieten kann – denn viele Paare sind auf die späten Termine (16.00 und 18.00 Uhr) angewiesen. So entstehen manchmal größere Abstände zwischen zwei Terminen als gewünscht. Dagegen gibt es meistens kurze Wartezeiten für Termine um 11.00 oder 13.00/14.00 Uhr. Ich lade Sie gerne ein, nach Möglichkeit eine dieser Angebote zu nutzen. In der systemischen Arbeit kommt es ja nicht unbedingt auf eine sehr kurze Frequenz der Termine an.

Akut schlagen aber jetzt die veränderten Lebensbedingungen unter der Coronakrise zu Buche. Sorge und Verunsicherung haben sich ausgebreitet, dazu aus gutem Grunde viele Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Die Menschen sind auf sich gestellt in ihren privaten Bezügen, Schulen und Kitas sind zu, Bedrohung liegt allgemein in der Luft. Manche der Älteren haben die Atmosphäre verglichen mit der Tschernobyl-Katastrophe vor fast 34 Jahren: das Wetter wunderbar, die Luft erfüllt mit Frühlingsboten – und dadrüber oder dadrunter das bedrohliche Gefühl von einer Gefahr, die nicht richtig greifbar ist. Manche verdrängen erfolgreich: „Mich wird’s schon nicht erwischen“ – andere haben wirklich Angst. Entweder um sich selbst oder um ihre alten Eltern oder Angehörige mit Vorerkrankungen. Etliche haben auch große Mühe mit der Zwangsruhe und dem Eingesperrtsein fertig zu werden. Neben den eigenen Sorgen müssen sich Eltern auch um ihre Kinder kümmern, sie beschäftigen, sie beaufsichtigen. Kleine Kinder brauchen Mutter oder Vater – die Großeltern sind gefährdet und dürfen nicht einspringen. Dazu kommt auch noch Existenzängste, inwieweit unter diesen Bedingungen weiter der Lebensunterhalt gesichert ist.
Das alles ist schwer. Niemand hat Erfahrungen mit eienr solchen Situation – zumal nicht absehbar ist, wann ein Ende in Sicht ist.

Wir alle müssen uns besinnen auf unsere Ressourcen: was hilft? Was tut uns gut? Was können wir für uns selbst und unsere Angehörigen tun? Wie die Kontakte pflegen über andere Kanäle, hören, wie es den anderen geht?

Und für Sie als Klientinnen und Klienten: wie wird es mit den Beratungen weiter gehen? Ich werde Ihnen allen rechtzeitg bescheid geben, wie ich verfahren werde und was ich weiter anbieten kann. Da ich doppelt belastet bin aufgrund meines Alters und meiner Asthma-Erkrankung werde ich wohl nicht vor Ort beraten können in der nächsten Zeit. Aber ich denke . zusammen mit ebenfalls betroffenen Kollegen und Kolleginnen darüer nach, was gehen könnte. Sie hören von mir! Alles Gute!

Mit guten Wünschen zum Neuen Jahr

Liebe KlientInnen und Klienten, 2020 wird in vieler Hinsicht ein spannendes Jahr! Ich beschränke mich auf den kleinen Teil davon, der für Sie in Bezug auf meine Arbeit interessant sein könnte:

Ende Januar ziehe ich aus meinem kleinen freundlichen Beratungsraum aus. Danach werde ich in dem ebenso freundlichen Praxisraum der beiden Psychotherapeutinnen Frau Neumann und Frau Behrens zu finden sein – im gleichen Stock, auf der gleichen Seite, nur schräg gegenüber.

Allerdings werde ich nur noch an den Freitagen arbeiten und zwar in der Zeit von 11.00 bis 20.00 Uhr.

Ich bin sehr gespannt, wie das gehen wird – mache mir aber andererseits nicht allzu viele Sorgen deswegen. Vor einiger Zeit hatte ich schon reduziert auf nur noch 2 Tage – und auch das lief weitgehend reibungslos. Von daher bin ich optimistisch. Paarberatung erfordert nicht, dass jede Woche ein Termin stattfinden muss – denn positive Veränderungen in Ihren Beziehungen müssen Sie ja letztlich selbst initiieren. Ich kann nur verstehen, anregen, klären, Vorschläge machen. Nach jeder Sitzung brauchen Sie die Zeit, gemeinsam auszuprobieren, wie neues Verhalten gehen könnte.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahrzehnt.

Hannah Erben-Wunder

Krankheit und Familie

Nicht wenige Paare und Familien haben besondere Aufgaben zu meistern durch die Krankheit eines Familienmitglieds. Dabei geht es sowohl um chronische, z.T. lebensgefährliche Erkrankungen – aber häufig auch um eine psychische Erkrankung eines Partners. Dadurch verändert sich oft in hohem Maße das Gleichgewicht in der Familie. Der gesunde Partner kann nicht mehr wie zuvor damit rechnen, dass die oder die andere ihren vorher eindeutigen Anteil am Gelingen des Familienlebens übernehmen kann. Dadurch steigt einseitig die Belastung – machmal über das erträgliche Maß hinaus. Der oder die andere hat häufig genau deswegen Schuldgefühle und sieht sich ständig unter Rechtfertigungszwang.

Die Kinder sind ebenso konfrontiert mit der Frage: Was kann ich von Mama/Papa überhaupt erwarten? Was kann ich fragen? Wo kann ich helfen? Ist es heute anders als gestern? Und morgen?

Es ist eine hohe Kunst, wenn Paare in solchen Situationen – die sich ja über Jahre hinziehen können – es schaffen, ein neues Gleichgewicht herzustellen, nicht dem oder der anderen die Schuld zu geben, miteinander im Gespräch zu bleiben. Eine Klientin meinte einmal: „Ich hasse diese Krankheit – aber dich habe ich lieb!“

Sehr hilfreich ist natürlich, wenn diese Familien nicht allein auf sich gestellt sind, sondern ein Netz haben aus Freunden und Verwandten, die immer wieder einmal unterstützen und entlasten. Das ist zum Einen Glücksache – Familien wohnen ja oft weit entfernt von ihren Verwandten – zum anderen aber auch die Fähigkeit zum Netzwerken. Manche sind da sehr begabt – andere haben das nicht so entwickelt. Einiges kann man aber lernen: mal die Nachbarn fragen, Selbsthilfevereine anzapfen, sich einer Gruppe anschließen.

Ich habe jedenfalls großen Respekt vor Paaren, die neben dem, was heute an Anforderungen an Familien gestellt wird, zusätzlich lernen müssen mit Krankheit in ihrer Mitte umzugehen!

Aufklärung für Fortgeschrittene

Ann Marlen Henning hat mal wieder zugeschlagen: ihr neuestes Buch wurde kürzlich im „Spiegel“ ausführlich vorgestellt: Sex verändert alles. Dazu ein Film: „Get Lucky“, der im September in die Kinos kam. Das Filmteam wurde von Frau Henning beraten. Sie beklagt, dass Mädchen immer noch zu Passivität und Bescheidenheit erzogen würden. Im Bett leben sie dann die Wünsche der Jungen – nicht die eigenen aus. Sie machen alles mit, um cool zu sein, aber trauen sich nicht, ihren eigenen Körper und ihre eigenen Wünsche zu erkunden und dann auch einzubringen . Dazu kommt der Vergleich mit dem, was auch die Mädchen heute in Pornofilmen sehen: perfektionierte Körper, die mit der Realität nicht viel zu tun haben. Scham über den eigenen (angeblich) unperfekten Körper und die Bemühung ihn zu optimieren machen Druck. Dabei wird sogar – auch von jungen Frauen – zun Schönheitschiurgen gegangen.

Ann Marlen Henning ermutigt die Frauen, ihren Körper kennen und lieben zu lernen! „Wer ein positives genitales Selbstbilkd hat, hat mehr sexuelle Begegnungen und mehr Orgasmen, er (bzw. sie!) ist sexuell selbstsicherer und verhält sich seltener sexuell riskant“

Das wäre doch ein schönes Ziel, liebe Frauen!

„Deine Liebe ist nicht meine Liebe“

Mir fällt beim Aufräumen ein altes, zerfleddertes Buch von Rosmarie Welter-Enderlin in die Hände mit dem Titel: Deine Liebe ist nicht meine Liebe“ . Es wurde zum ersten Mal veröffentlicht 1996 und hat mich damals sehr beeindruckt: es verweist nicht auf Einigkeit und Harmonie, nicht auf Seelenverwandtschaft sondern – im Gegenteil – auf die Unterschiedlichkeit der beiden Menschen, die ein Paar bilden!

Und das wieder erinnert mich an meine Ausbildung zur Paarberaterin im Evangelischen Zentralinsitut Berlin bei Martin Koschorke. Noch heute habe ich seine Stimme im Ohr (es war 2004-2006), die predigte – er ist auch Theologe -: „Sie sind die Prediger der Unterschiedlichkeit! Ein Paar ist wie eine Schallplatte : jede Box gibt einen anderen Teil des Ganzen wider! Was in der einen Box zu hören ist passt zu dem, was in der anderen Box zu hören ist“.

Ich habe eine Weile gebraucht, um das zu verstehen. Inzwischen habe ich es oft genug erlebt: das ist genau das, was sich auch bei den Teufelskreisen abspielt, in die Paare sich oft verfangen – beide ringen auf ihre Weise darum, die Bindung zueinander vom anderen bestätigt zu bekommen. Leider dann oft mit den falschen Mitteln, die immer das Gegenteil von dem bewirken, was sich beide wünschen: Eintracht und Verständigung. Die Enttäuschungen und Verletzungen führen zu Vorwürfen. Die Vorwürfe führen beim anderen zum Einigeln und zum Rückzug.

Frau Welter -Enderlin hat ein Modell von Paarberatung/Paartherapie entwickelt, „das sich auf eine Mehrspektivität in der Beschreibung des jeweiligen Paartanzes bezieht,……: „Seine Liebe ist nicht ihre Liebe, ihre Welt ist nicht die seine.“

Abschied ? In Raten!

Veränderung ist immer – auch das Abschiednehmen geht voran. Ende Januar ist es so weit: der schöne sonnige Beratungsraum wird geräumt! Die ersten Bücher und Pflanzen sind bereits verschwunden und haben neue Plätze gefunden.

Ende Januar kommt also der Umzugswagen. Ab da werde ich selber zur Untermieterin bei den Psychotherapeutinnen Neumann und Behrens, die mir einmal die Woche am Freitags ihren Raum zur Verfügung stellen wollen. Der ist auf der gleichen Etage, schräg gegenüber meines bisherigen Praxisraums

Wie einer meiner Klienten kürzlich sagte: „Sie phasen ab“.
Genau so sehe ich es auch. Mal sehen, wie und wie lange es mit dem auf diese Weise abgephasten Beratungsleben so laufen wird.

Ich freue mich auf diese neue Phase unter geänderten Bedingungen und hoffe, nicht alle lassen sich davon abschrecken, dass künftig – also ab Februar – nur noch einmal die Woche – nämlich freitags – von mir Termine angeboten werden können.

So lange bleibt es bei der bisherigen Regelung: für Termine stehen der Dienstag und der Freitag zur Verfügung!

Selbstbefriedigung – auch etwas für Frauen??

Mit Erstaunen stelle ich immer wieder fest, dass nach wie vor  anscheinend viele Frauen keine Selbstbefriedigung machen bzw. auch nie gemacht haben! Das ist sehr schade – denn damit entgeht den Frauen das Wissen um den eigenen Körper und oft auch die Wege, die für sie zu einem Orgasmus führen.
Eigene Sexualität? Anscheinend für viele immer noch ein Fremdwort.
Manche erwarten dann auch von ihren männlichen Partnern, dass die sich genauso beschränken sollten in ihrer Sexualität ausschließlich auf den Partnersex. Masturation von Männern wird als eklig empfunden und womöglich auch als Verrat. Eine Form der Untreue wie das Anschauen von Pornopgrafie. Das ist nicht nur bei älteren Frauen der Fall sondern auch bei jungen.
Offensichtlich haben etliche Frauen nach wie vor keinen Bezug zu ihrem Körper „da unten“. Sie wissen nicht, wie er aussieht, nicht, wie er riecht und nicht wie er auf welche Berührungen steht. Auch aus diesem Grund – der Unkenntnis und der Abwehr – nehmen Frauen ungern ein Diaphragma zur Verhütung. Denn da müssten sie sich ja anfassen.
Auf das Thema bin ich wieder gestoßen über einige Beratungen der letzten Zeit und über einen Blick in das Buch von Nancy Friday: Befreiung zur Lust von 1991. Sie schreibt auf S. 61: „Die Fähigkeit, uns selbst zum Orgasmus zu bringen, macht uns sexuell unabhängig. So schön es ist, einen Partner zu haben, so wichtig ist es zu wissen, dass wir ihn für unser sexuelles Vergnügen nicht unbedingt brauchen. Die Fähigkeit, uns selbst zum Orgasmus zu bringen, ist die sexuelle Entsprechung der Fähigkeit, unsere Miete selbst zu bezahlen“