Das verzeih‘ ich dir nie!

Vergeben, sich versöhnen: es gibt kaum etwas, was schwieriger ist! Und doch kommt kein Mensch durchs Leben ohne mit Schuldfragen konfrontiert zu werden. Unversöhnlicher Groll ist bitter und macht unfrei. Wie oft höre ich den Satz: zu meinen Eltern (oder Geschwistern, oder einem ehmals sehr guten Freund) gibt es keinen Kontakt mehr! Oder: das kann ich meinem Mann/meiner Frau einfach nicht verzeihen. Diese Schuld steht zwischen uns.

Es ist aber so, dass durch den Kontaktabbruch nichts geheilt werden kann. Der Schmerz bohrt weiter, der Groll vergiftet das Leben auch ohne den ehemals geliebten Menschen zu sehen oder zu sprechen.

Was ist aber, wenn eine Seite sich versöhnen will – die andere das aber ablehnt? Wie lässt sich Versöhnung anbahnen? Und was heisst das eigentlich? Voraussetzung wäre die Bereitschaft, zu hören und anzunehmen, welchen Schmerz oder Kummer ich dem anderen gemacht habe. Oft ist ja auf beiden Seiten Schmerz und Verletzung da. Das ist bereits eine wichtige hohe Hürde. Es ist schwer zu ertragen, sich schuldig gemacht zu haben und wahrzunehmen, wie der andere darunter leidet. Und es ist schwer, die eigene Verletzlichkeit zuzulassen und zu zeigen. Wut und Empörung sind einfacher!

Und was ist mit unverzeihlichen Verletzungen – z.B. durch sexuellen Missbrauch? Oder mit Menschen, die bereits verstorben sind? Mit denen wir gar nicht mehr persönlich Kontakt aufnehmen können? Wie geht da Versöhnung bzw. Aussöhnung? Es heisst ja so etwas kryptisch: er/sie hat ihren Frieden damit gemacht. Wie geht das?