Haben oder Sein? Alt und trotzdem aktuell

Die Schreckensmeldungen in letzter Zeit verunsichern uns alle. Wie gehen wir damit um? Wie erklären wir sie uns? Etliche glauben, zurück zu kleinen überschaubaren Einheiten, z.B. zum Nationalstaat. Der Brexit ist ein gutes Beispiel für diese Denkweise. Da fragen Leute doch dann wahrhaftig ihren von der Herkunft her pakistanischen Arzt – der aber seit langem eingebürgert ist – wann er denn endlich nach „Hause“ zurück fahre! Unfassbar. – Ich lese gerade das alte Buch von Erich Fromm: Haben oder Sein? Schon damals (1979) waren Fromm, Albert Schweitzer u.a. von der großen Illusion, mit der Anhäufung von Besitz glücklich werden zu können, entsetzt. Ich zitiere aus dem Buch von Erich Fromm sein Zitat von Albert Schweitzer bei der Entgegennahme des Friedensnobelpreises am 04.11.1954: „Wagen wir die Dinge zu sehen, wie sie sind. Es hat sich ereignet, dass der Mensch ein Übermensch geworden ist………….. Damit wird nun vollends offenbar……daß der Übermensch mit dem Zunehmen seiner Macht zugleich immer mehr zum armseligen Menschen wird……Was uns aber eigentlich zu Bewusstsein kommen sollte und schon lange vorher hätte kommen sollen, ist dies, daß wir als Übermenschen Unmenschen geworden sind“ (A.Schweitzer, 1966, S. 118 ff.) zitiert nach E. Fromm, 1979. Wir definieren uns über den Besitz, das „haben“ – und nicht (mehr) über das sein.

Und wenn wir jetzt erfahren müssen, dass wir im August dieses Jahres schon mehr verbraucht haben, als die Erde in einem Jahr reproduzieren kann, dann wissen wir: wir sägen permanent am eigenen Ast. Wachstum um jeden Preis auf Kosten von Natur, auf Kosten anderer Ethnien und deren Bedürfnissen, Zerstörung der Märkte in Afrika, Zerstörung der Lebensgrundlagen in anderen Ländern (Ölförderung), Ausbeutung von Menschen (Kleiderindustrie) etc etc. Die Zeitungen sind täglich voll mit dem, was Menschen Menschen antun. Und dabei rede ich noch nicht von den Kriegen, kriegerischen Auseinandersetzungen , dem Terror in aller Welt. Anscheinend glauben wir, das sei die Natur des Menschen und unabänderlich. Deswegen zucken wir die Schultern und finden uns damit ab, wie die Welt jetzt aussieht.

Ich bin überzeugt davon, es ist nicht so. Eine andere humanere Welt ist möglich. Es gibt viele gute Ideen dazu. Nichts ist wirklich alternativlos.