Interview 2. Teil

Beim letzten Mal hatten wir ja über die Zugangswege zu Ihnen gesprochen. Jetzt wollen wir uns mal die Inhalte ansehen. Also wie machen Sie es – z.B. beim Erstgespräch?

Für das Erstgespräch nehme ich mir 90 Minuten Zeit. Viele Menschen brauchen ja erst mal Zeit, sich zu orientieren. Wir machen eine Vorstellungsrunde – ich stelle mich vor und die KlientInnen erzählen von sich – was sie mögen: über das Alter, die Kinder, den Beruf…..

Und dann?

Ja – dann geht es ans Eingemachte: wo drückt der Schuh? Jeder hat erst mal Zeit zu berichten, wo die Probleme stecken, seit wann, was sie gerade jetzt dazu bewogen hat, sich um Beratung zu kümmern.

Wenn es denn z.B. um die Sexualität geht, dann beraten Sie ja doch auch Einzelne?

Ja – egal, um was es geht. Ich mache ja auch noch Coaching. Da geht es um allgmeine Lebensprobleme, manchmal auch um den Beruf, die Perspektiven etc.

Und wenn es um Sexualität geht: sollen die Leute dann am besten erst mal zum Arzt gehen?

Das haben viele – besonders die Frauen – schon oft getan. Aber auch manche Männer waren bereits beim Urologen. Ist ja auch sinnvoll im Einzelfall, wenn es z.B. um ausbleibende Erektion oder zu frühe Ejakulation geht. Auch bei Frauen kann es sehr sinnvoll sein, z.B. bei Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Aber nötig ist es nicht. Gerade beim Urologen gibt es ja oft sehr lange Wartezeiten. Ein Beratungsgespräch kann auch ohne vorherigen Arztbesuch sehr sinnvoll sein um zu sortieren: seit wann gibt es die Beschwerden? Wie äußern sie sich? Gab es belastende Ereignisse in der Zeit? Welche Versuche sind schon unternommen worden, das Problem allein zu lösen, wie geht der Partner/die Partnerin damit um usw.

Geht es im Erstgespräch ausschließlich um Probleme?

Nein – bloß nicht! Es geht auch um das, was gut läuft, was die Beziehung stärkt, wo sich die Menschen wohl fühlen und was gut gelingt . Auch, wie sie bisher ihre Probleme gelöst haben.

Dann geht es darum, was sich die Klienten wünschen: wo wollen sie hin? Was sind die Ziele? Was erhoffen sie sich von der Beatung? Das ist oft gar nicht so einfach zu beantworten – außer natürlich: die Probleme sollen verschwinden. Aber es kann ganz unterschiedlich sein, was dann statt dessen sein soll und auch was Klienten darüber denken, was Beratung leisten kann und soll.

Gut – soweit für heute? Ich habe noch Fragen für das nächste Mal. Erst mal vielen Dank!

Ich danke auch.