Liebe und Zeitgeist

Kürzlich ist mir das Heft 27 vom Herbst 2014  „Korrespondenz“ in die Hände gefallen. In diesem Themenheft wird berichtet von der Fachtagung zum 50jährigen Jubiläum des Instituts.

Die bekannte Paartherapeutin und Psychotherapeutin Astrid Riehl-Emde hat bei diesem Anlaß eine Rede gehalten zum Thema „Ambivalenz in der Liebe – existentielle Herausforderung für Paare“.

Am Interessantesten darin fand ich den Abschnitt „Liebe und Zeitgeist“. Mehrere AutorInnen werden von ihr zitiert, die sich mit modernen neuen Formen des Liebeslebens auseinandersetzen. Dabei die israelische Soziologin Eva Illouz, die  in ihren Büchern „Warum Liebe weh tut“  (2011) sowie „Der Konsum der Romantik (2003) darstellt wie die Logik der Ökonomie auch die Welt der Liebe durchdringt. Sexuelle Kapitalisten nennt sie Menschen, die immer wieder ihre Partner wechseln, aus Angst, durch die Bindung an nur einen dauerhaften Partner wesentliche Chancen auf dem „Markt“ zu verpassen.

Auch Seven Hillenkamp (Das Ende der Liebe. Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit, 2009) stösst in dieses Horn. Der Preis sei dauernde Ambivalenz, weil die Menschen fürchten, hinter ihren Möglichkeiten zurück zu bleiben. Sie leiden unter den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten.

Als drittes nennt sie Norbert Schneider(Vortrag in Magdeburg  beim Forum Zukunft 2008), der die These aufstellt, die neuen Paare seien keine „Fusionspaare“ mehr sondern „Assoziationspaare“, d.h. anstelle des WIR trete ein doppeltes ICH. Entgrenzung, Entbindung, Deregulierung, Selbstbestimmung seien Schlüsselworte für eine starke Ich-Orientierung. Verbundensein ohne Bindung nennt das Rainer Funk (2013) in einem Vorrtrag bei der Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie in Lindau.

Tröstlich aber ist dann doch, was Robert M. Stein resümmiert: auch moderne Beziehungsmuster erlauben nur neue Varianten des Themas Bindung“. Aueinanderfolgende Beziehungen und Ehen würden letztlich doch immer nur befristet die Polarität zwischen Bindungsbedürfnis und Freiheitswünschen auflösen. „Das Bedürfnis, gebunden zu sein, kehrt bald in alter Stärke zurück“ schreibt er (1983).

Ambivalenzen und Gegensätze aushalten zu lernen geht auch mit dem gleichen Partner! Das ist doch ein schönes Schlusswort: