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Jahresende und Ausblick

Mit neuen Coronabeschränkungen gehen wir auf Weihnachten und Neujahr zu. Für meine KlientInnen war das eine sehr unterschiedlich erfahrene Zeit: manchen hat es gut getan, herunterzuschrauben. Andere fühlten sich sehr belastet und konnten es kaum aushalten. Das hat auch zu schmerzhaften Trennungen geführt, die ohne Corona womöglich vermieden worden wären. Für mich war die Erfahrung ambivalent: vor allem habe ich die Kultur vermisst und den Chor. Chorgesang digital ist nicht das Wahre!
Mit Videokonferenzen als Paarberatung waren die Erfahrungen eigentlich gar nicht schlecht. Leider konnte sich nur ein Teil der Klient.innen darauf einlassen. Zum Glück ist der Raum, in dem ich jetzt seit 11 Monaten freitags arbeite, sehr groß und gut zu belüften. Das CO2-Messgerät hat ergeben, dass das machbar ist mit einmal Lüften innerhalb der 90 Minuten
Anfang Dezember musste ich mich auch per Videokonferenz von meiner langjährigen Supervisionsgruppe verabschieden. Das war wirklich schade. Ich hoffe, wir können den persönlichen Abschied im nächsten Jahr nachholen. Im Januar findet ein erster Kontakt mit meiner neuen Supervisorin statt, die ich aber schon aus früheren Zeiten kenne. Künftig werde ich Einzelsupervision machen.
Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie die schwierigen Zeiten gut überstehen und gelassen das Jahr 2021 begrüßen können.

Hannah Erben-Wunder

Coronafolgen für Paare

Nicht alle haben unter den Coronabedingungen gelitten. Aus meinem Klient.innenkreis gibt es auch positive Rückmeldungen – neben durchaus gespürten erheblichen Belastungen wie z.B. Kurzarbeit und damit verbundene schmerzhafte Einkommenseinbußen. Den Arbeitsplatz verloren hat bisher zum Glück keiner. Es gab Klagen über das Problem, Struktur im Tagesablauf beizubehalten, wenn Schule und Arbeit imHomeoffice stattfinden. Es gab auch das Problem mit kleinen Kindern in der Familie ohne Kitabetreuung. Kleine Kinder ohne Außenkontakte mit Homeoffice zu verbinden ist eine enorme Belastung und eine große Zumutung an Familien. Dem gegenüber waren die Entscheider.innen lange blind – obwohl schon früh Kritik von Experten geübt wurde daran, die Eltern mit jungen Kindern im Stich zu lassen. Ich kann diese Eltern nur bewundern für ihre Leistung. Leider wird es wahrscheinlich langfristige Folgen haben für Kinder in Gewaltfamilien. Das wird sich zeigen im Laufe dieses und des nächsten Jahres.
Positiv hat sich für einige ausgewirkt, dass es für sie zu einer Komplexitätsreduktion kam: das Leben war einfach schlichter; es gab nicht so viele Möglichkeiten, sich zu entscheiden. Und das tut manchen richtig gut, die sich sonst von den vielen Möglichkeiten auch überfordert fühlen. Es gibt auch Familien, die die viele gemeinsame Zeit miteinander durchaus genießen konnten. Paare, die, mehr miteinander gesprochen haben als in „normalen “ Zeiten, die mehr miteinander unternommen haben und auch solche, die sich durch den finanziellen Engpass nicht trennen konnten und sich dann doch zu einem gemeinsamen Neustart entschieden haben – mit ungewissem Ausgang.