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Kontaktabbrüche – grausam aber wahr

Immer mal wieder kommt ein älteres Ehepaar zu mir mit der bitteren Klage, eines ihrer Kinder verweigere den Kontakt oder auch den Kontakt zu den Enkelkindern. Aber auch im Freundes- und Verwandtenkreis höre ich von solchen Ereignissen. Es kann sich dabei um ein befristetes Ereignis handeln – aber auch jahrelang dauern – womöglich niemals enden! In einem Fall hörte ich von dem Kontaktabbruch eines Bruders, der nicht einmal wollte, dass der Bruder zu seiner Beerdigung kommen durfte! Und dieser Bruder hat niemals erfahren, womit er diese Strafe verdient hatte. Ob es überhaupt eine Schuld seinerseits gab oder der Bruder ganz andere innere Gründe hatte, sich dauerhaft zurückzuziehen.

Die Betroffenen rätseln häufig, was denn wohl der Grund sein könne, ihnen quasi zu kündigen. Manche wissen es auch im Falle eines offenen Konfliktes. Dennoch schwer zu ertragen, wenn daraufhin jedes Versöhnungsangebot zurück gewiesen wird. Schlimmer aber doch wenn der/die Betroffene nicht erfährt, warum ihm so geschieht. Und jede Klärung verweigert wird. Solche Ereignisse können nicht vergessen werden.

Insbesondere bei nahen Verwandten bleibt eine Wunde, die so ohne weiteres nicht verheilen kann. Wie aber kann es gelingen, innerlich wieder frei zu werden, sich eventuell selber zu verzeihen? Denn eine abgebrochene Beziehung ist häufig auch mit Schuldgefühlen verknüpft: was habe ich bloß falsch gemacht – ist die quälende Frage.

Katharina Ley hat ein sehr schönes Buch dazu geschrieben, das auch Hilfen aufzeigt, wenn die andere Seite nicht zur Versöhnung bereit ist: Versöhnung lernen – Versöhnung leben. Wege zur inneren Freiheit. Es geht dabei auch um die Fähigkeit zu verzeihen, denn Wut und Groll vergiften nicht nur Beziehungen sondern auch den Verlassenen/die Verlassende selber. Es richtet sich also an beide Seite: den/die Unversöhnliche und den/die Ausgegrenzten.

Eltern sein – Paar bleiben

 

In meinem Berufsleben begegnen mir im ländlichen Raum  bei den meisten Eltern oft nach wie vor die alten Rollenmodelle: „Wir wollten es so! Ich (Frau) bleibe zu Hause – er (Mann) verdient das Geld.“ Später – wenn die Kinder größer oder schon fast flügge sind – nimmt die Frau dann einen unterbezahlten Minijob an morgens in der Bäckerei. Leider fördert gerade in Niedersachsen der Staat nach wie vor diese Aufteilung: die Kinder bekommen keine ganztägige und kostenlose Betreuung; die Schulen erwarten, dass ein Elternteil nachmittags mit den Kindern lernt; in den Gymnasien – höre ich – kommt ein Kind nicht weit, wenn nicht ein Elternteiol regelmäßig mit ihm arbeitet. Dazu die Herumfahrerei von und zum Sport, Reiten, Musikmachen. Da kommt Veränderung nur äußerst schleppend in Gang.

Dieses Modell hat erhebliche Nachteile, wenn es zu Trennungen und Scheidungen kommt – für beide Seiten! Und auch für die Kinder. Und die Scheidungsraten sind auch im ländlichen Raum kaum kleiner als in den Städten.

Bei jungen Eltern wächst die Erwartung, dass sich beide Seiten beteiligen an der Kinderbetreuung, dem Haushalt und auch an der beruflichen Entwicklung. Das macht das Leben nicht unbedingt einfacher – weil deutlich mehr koordiniert werden muss. Es kommt zu anderen Konflikten als bei den Paaren, die eine strikte Aufgabenteilung leben. Bei den „alten“ Lebensformen besteht die Hauptgefahr, das sich das Paar auseinanderlebt – weil die Partner in grundverschiedenen Welten leben und sich nur noch schwer vermitteln können. Nach einigen Jahren ist das Paar „verschwunden“. Es gibt nur noch Eltern und Familie.

Die „neuen“ Lebensformen haben ein höheres Konfliktpotential – langfristig aber für beide bessere Chancen: beide haben gute und enge Beziehungen zu den Kindern und sind nah dran an deren Sorgen und Entwicklungsschritten, kennen die Lehrer (im guten Fall) und die Freunde; beide verdienen Geld und so behält auch die Frau die finanzielle Unabhängigkeit. Berufliche Entwicklungen, die Kooperation mit KollegInnen, Weiterentwicklungen in der Lebenswelt: davon sind beide positiv und negativ betroffen.

Allerdings: von nichts kommt nichts! Meistens setzt dieses Modell die Entschlossenheit Beider voraus, Gerechtigkeit herzustellen. Das ist schwer angesichts eines „gendergap“ mit Gehaltsunterschieden bis zu 22 % bei gleicher Befähigung und der Einstellung vieler Arbeitgeber gegenüber Frauen mit Kindern. Es erfordert intern die Bereitschaft der Männer beruflich zurück zu stecken. Ellenlange Arbeitstage sind dann nicht möglich. Statt dessen Kinderkrankentage paritätisch zur Frau! Das wird hart. Und für die Frau: sie hat nicht immer recht; sie ist nicht die alleinige Expertin und die Hauptansprechpartnerin und Chauffeurin der Kinder! Das heisst Verantwortung abgeben!

Nicht leicht! Gar nicht leicht. Daher dauert es lange, bis sich das verändert. Aber ich wünsche allen Paaren Mut, es zu probieren und nicht so schnell aufzugeben! Es könnte sich lohnen – auch für die Beziehung!