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Kontaktabbrüche – grausam aber wahr

Immer mal wieder kommt ein älteres Ehepaar zu mir mit der bitteren Klage, eines ihrer Kinder verweigere den Kontakt oder auch den Kontakt zu den Enkelkindern. Aber auch im Freundes- und Verwandtenkreis höre ich von solchen Ereignissen. Es kann sich dabei um ein befristetes Ereignis handeln – aber auch jahrelang dauern – womöglich niemals enden! In einem Fall hörte ich von dem Kontaktabbruch eines Bruders, der nicht einmal wollte, dass der Bruder zu seiner Beerdigung kommen durfte! Und dieser Bruder hat niemals erfahren, womit er diese Strafe verdient hatte. Ob es überhaupt eine Schuld seinerseits gab oder der Bruder ganz andere innere Gründe hatte, sich dauerhaft zurückzuziehen.

Die Betroffenen rätseln häufig, was denn wohl der Grund sein könne, ihnen quasi zu kündigen. Manche wissen es auch im Falle eines offenen Konfliktes. Dennoch schwer zu ertragen, wenn daraufhin jedes Versöhnungsangebot zurück gewiesen wird. Schlimmer aber doch wenn der/die Betroffene nicht erfährt, warum ihm so geschieht. Und jede Klärung verweigert wird. Solche Ereignisse können nicht vergessen werden.

Insbesondere bei nahen Verwandten bleibt eine Wunde, die so ohne weiteres nicht verheilen kann. Wie aber kann es gelingen, innerlich wieder frei zu werden, sich eventuell selber zu verzeihen? Denn eine abgebrochene Beziehung ist häufig auch mit Schuldgefühlen verknüpft: was habe ich bloß falsch gemacht – ist die quälende Frage.

Katharina Ley hat ein sehr schönes Buch dazu geschrieben, das auch Hilfen aufzeigt, wenn die andere Seite nicht zur Versöhnung bereit ist: Versöhnung lernen – Versöhnung leben. Wege zur inneren Freiheit. Es geht dabei auch um die Fähigkeit zu verzeihen, denn Wut und Groll vergiften nicht nur Beziehungen sondern auch den Verlassenen/die Verlassende selber. Es richtet sich also an beide Seite: den/die Unversöhnliche und den/die Ausgegrenzten.

Was wird aus den Kindern?

40 – 50 % der Ehen werden irgendwann wieder geschieden. Und sehr oft sind Kinder davon betroffen.

Manche denken, besonders die Scheidung trifft die Kinder und das sollte man ihnen doch nach Möglichkeit ersparen.

Stimmt! Wenn die Eltern eine hinreichend gute Ehe führen, gut Freund miteinander sind und ihre Konflikte in konstruktiver Weise ausfechten können!

Stimmt nicht, wenn über lange Zeit unproduktiver Streit, Lieblosigkeit, womöglich körperliche oder psychische Gewalt ausgeübt wird oder auch, wenn überwiegend eine feindselige, verächtliche Stimmung zwischen den Eltern dominiert.

Manche Paare suchen dann Unterstützung, z.B. bei einer Paarberatung. Andere nicht. Dann ist es irgendwann besser – auch für die Kinder, wenn sich das Paar trennt. Denn was sollen die denn in so einer Familie lernen? Jedenfalls nicht, wie man miteinander gut auskommen kann.

Im Falle einer Trennung ist es aber absolut wichtig, dass nicht die Kinder zu Schiedsrichtern gemacht werden, dass nicht auf dem Rücken der Kinder das Gezerre der Eheleute weiter geht und dass nicht der eine Elternteil von dem anderen verurteilt wird!

Der Kinderschutzbund hat einen sehr guten „Wegweiser für den Umgang nach Trennung und Scheidung“ heraus gegeben. Die können Sie sich leicht über das Internet bestellen. Außerdem beraten die Erziehungsberatungsstellen. Sie helfen, gute Lösungen zu finden für die Zukunft der Kinder. Was ist für sie das Beste? Nicht der Egoismus der Eltern oder der Wunsch, dem anderen noch einen mitzugeben soll da entscheiden, sondern das Wohl der Kinder.