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Kontaktabbrüche – grausam aber wahr

Immer mal wieder kommt ein älteres Ehepaar zu mir mit der bitteren Klage, eines ihrer Kinder verweigere den Kontakt oder auch den Kontakt zu den Enkelkindern. Aber auch im Freundes- und Verwandtenkreis höre ich von solchen Ereignissen. Es kann sich dabei um ein befristetes Ereignis handeln – aber auch jahrelang dauern – womöglich niemals enden! In einem Fall hörte ich von dem Kontaktabbruch eines Bruders, der nicht einmal wollte, dass der Bruder zu seiner Beerdigung kommen durfte! Und dieser Bruder hat niemals erfahren, womit er diese Strafe verdient hatte. Ob es überhaupt eine Schuld seinerseits gab oder der Bruder ganz andere innere Gründe hatte, sich dauerhaft zurückzuziehen.

Die Betroffenen rätseln häufig, was denn wohl der Grund sein könne, ihnen quasi zu kündigen. Manche wissen es auch im Falle eines offenen Konfliktes. Dennoch schwer zu ertragen, wenn daraufhin jedes Versöhnungsangebot zurück gewiesen wird. Schlimmer aber doch wenn der/die Betroffene nicht erfährt, warum ihm so geschieht. Und jede Klärung verweigert wird. Solche Ereignisse können nicht vergessen werden.

Insbesondere bei nahen Verwandten bleibt eine Wunde, die so ohne weiteres nicht verheilen kann. Wie aber kann es gelingen, innerlich wieder frei zu werden, sich eventuell selber zu verzeihen? Denn eine abgebrochene Beziehung ist häufig auch mit Schuldgefühlen verknüpft: was habe ich bloß falsch gemacht – ist die quälende Frage.

Katharina Ley hat ein sehr schönes Buch dazu geschrieben, das auch Hilfen aufzeigt, wenn die andere Seite nicht zur Versöhnung bereit ist: Versöhnung lernen – Versöhnung leben. Wege zur inneren Freiheit. Es geht dabei auch um die Fähigkeit zu verzeihen, denn Wut und Groll vergiften nicht nur Beziehungen sondern auch den Verlassenen/die Verlassende selber. Es richtet sich also an beide Seite: den/die Unversöhnliche und den/die Ausgegrenzten.

Gefühle und Bindung

Drei intensive Tage in Berlin, in denen es um Gefühle und Bindung ging. Die Methode aus Kanada heisst Emotionsfokussierte Paartherapie und scheint sehr sehr wirkungsvoll zu sein. Das Wichtigste für uns Menschen – gleich welchen Alters – ist es, sich mindestens von einem anderen Menschen sicher geliebt und gebraucht zu fühlen. Die wichtigste Bindugnsperson ist für die meisten inzwischen der Mann/die Frau/die PartrnerIn. Früher war der Kreis wichtiger Personen die ganze Familie sowie die Nachbarschaft. Da war die Beziehung zum Ehemann/Ehefrau nicht so zentral wichtig wie heutzutage. In der modernen Welt gibt es aber oft gar nicht so viele „Bindungsfiguren“, die uns bestätigen könnten. Daher sind Verletzungen, Unsicherheiten, Kränkungen von dieser wichtigsten Person so tief gehend. Sie werden als extrem bedrohlich empfunden. Wir reagieren mit Flucht oder Angriff auf Bedrohungen. Dadurch kommt ein Paar dann leicht in einen chronischen unguten und unfruchtbaren Zirkel aus Verfolgung (Vorwürfen, Forderungen) und Flucht (Mauern, Rückzug). Und keiner wagt es, dem anderen zu zeigen, wie verletzt er/sie ist und welche Angst unter dem Ärger liegt, die wichtigste Person im Leben könnte sich abwenden. Diesen Zirkel gilt es zu erkennen als gemeinsamen Feind. Indem wir es wagen, einander zu zeigen, was wir vom anderen brauchen geben wir die Chance, dies auch wieder zu bekommen. Der Weg dahin ist nicht einfach – aber sehr Erfolg versprechend.